Land hilft Nutztierhaltern bei Schutz und mit Entschädigung

Niedersachsen: 100.000 Euro für Schutz vor Wolf

Hilfen für Tierhalter: ein Wolf, fotografiert im Tierpark Sababurg (Hessen).

Hannover / Kassel. Schaf- und Ziegenhalter, die Angst vor Wolfsattacken haben, können ab sofort finanzielle Hilfe beim Land Niedersachsen beantragen.

100.000 Euro stellt die Landesregierung 2015 bereit, um Nutztierherden im Freien gegen den grauen Räuber zu schützen. Aus dem Fördertopf sollten in nachgewiesenen Fällen von Wolfsrissen auch die Tierhalter entschädigt werden. „Das ist ein wichtiger Schritt zur Akzeptanzförderung des vom Menschen in Deutschland ausgerotteten und nun zurückgekehrten Wolfes“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) in Hannover.

Allein im November gab es drei mutmaßliche Wolfsangriffe im Landkreis Diepholz. Zuletzt wurden am Freitag vergangener Woche neun tote und fünf verletzte Schafe in der Gemeinde Twistringen gefunden. Laut Experten deuten Bissspuren auf Wölfe hin.

Schätzungen zufolge leben derzeit etwa fünf Rudel in Niedersachsen: in der Lüneburger Heide, im Wendland und nahe Eschede. In diesem Jahr wurden landesweit mindestens 20 Welpen geboren.

Wenzels Ministerium fördert mit bis zu 80 Prozent den Kauf von Schutzzäunen, Zubehör und Herdenschutzhunden. Kein Geld gibt’s für Personal, Futter, Hundesteuer, Versicherung oder Tierarzt. In fast der Hälfte der seit 2008 insgesamt gemeldeten Fälle verletzter oder totgebissener Tiere, die zunächst Wölfen angelastet wurden, waren laut Umweltministerium „nachweislich Hunde oder andere Verursacher verantwortlich“.

War’s hingegen tatsächlich ein Wolf, soll auch das weiter entschädigt werden - bis hin zu Gatterwild, Pferden oder Jagdhunden. Von Januar bis November 2014 wurden 16 Übergriffe von Wölfen amtlich festgestellt, für zehn floss bislang Geld. Das Land zahlte laut Umweltministerium dafür gut 11 000 Euro, im gesamten Vorjahr waren es knapp 11 000 Euro (14 entschädigte Fälle).

Hannover geht von etwa 40 Wölfen in Niedersachsen aus - und davon, dass es mehr werden: „Ein Rudel benötigt unter den hiesigen Verhältnissen ein Territorium von 250 bis 350 Quadratkilometern.“ Zum Vergleich: Kassel ist gut 100 Quadratkilometer groß. Befürchtungen, dass es regional zu unerträglich hohen Wolfsdichten kommen könnte, habe man nicht. „Ein Rudel verteidigt sein Territorium gegen andere Wölfe“ - die müssen weiterziehen.

Niedersachsens Landesschafzuchtverband findet die Regelung unzureichend, das Landvolk kritisierte sie als umständlich: Weidetierhaltung in Wolfsregionen sei nicht mehr zu verantworten, sagte eine Landvolk-Sprecherin.

Hessens vorerst letzter Wolf wurde 2012 im Westerwald gesichtet und kurze Zeit später in Rheinland-Pfalz von einem Jäger erschossen. Ein Wolf im Reinhardswald wurde 2011 verendet aufgefunden. Susanne Jokisch, Wolfsbeauftragte von Hessen-Forst, schließt nicht aus, dass ein Niedersachsen-Wolf mal Richtung Hessen abbiegt. Bislang zögen die Rückkehrer aus dem Osten aber stetig nach Nordwesten - was noch nicht richtig erklärt sei.

Von Wolfgang Riek

Hier lesen Sie die Wolfs-Richtlinie des Landes Niedersachsen 

Hier sehen Sie, wo der Wolf nachweislich zuschlug

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.