Kampf gegen illegale Leiharbeit

Niedersachsen: Großrazzia in der Fleischindustrie - 800 Beamte im Einsatz

Wegen mutmaßlich illegaler Einschleusung von Arbeitskräften hat die Bundespolizei deutschlandweit Razzien in der Fleischindustrie durchgeführt. Der Fokus liegt unter anderem in Niedersachsen.

  • Die Bundespolizei führt deutschlandweit eine Großrazzia in der Fleischindustrie durch.
  • Der Schwerpunkt liegt dabei in den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
  • Tönnies, Deutschlands größter Fleischkonzern, ist nach eigenen Angaben nicht betroffen.

Niedersachsen - Wegen des Verdachts auf Einschleusung illegaler Arbeitskräfte hat die Bundespolizei deutschlandweit Razzien in Geschäfts- sowie Wohnräumen der Fleischbranche durchgeführt.

Laut Angaben der Polizei liegt der Schwerpunkt in den Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Niedersachsen: Bundespolizei ermittelt wegen illegaler Einschleusung und Urkundenfälschung

Wie die Bundespolizei mitteilt, wird gegen zehn Hauptschuldige im Alter zwischen 41 und 56 Jahren ermittelt. Darunter sind acht Männer und zwei Frauen. Dabei ginge es um den Vorwurf der banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung und der Urkundenfälschung. Bisher wurden Werte in Höhe von 1,5 Millionen Euro beschlagnahmt, so die Ermittler. In Niedersachsen soll die Bundespolizei seit den frühen Morgenstunden schon acht Wohnungen und Firmen durchsucht haben.

Die zwei beschuldigten Firmen sollen, unabhängig voneinander, nach demselben Muster vorgegangen sein: Sie sollen hauptsächlich Arbeitskräfte aus Rumänien mit falschen Dokumenten nach Deutschland gebracht und diese hier vermittelt haben. Zwar sollen die Beschuldigten den Rumänen bei Behördengängen, Unterkunft und Transport unterstützt, jedoch auch diese Leistungen vom Lohn abgezogen haben.

Nicht nur in Niedersachsen: Bundespolizei durchsucht in mehreren Bundesländern

In den frühen Morgenstunden sollen bereits mehr als 40 Wohn- und Geschäftsräume durchsucht worden sein. Allein in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, wo der Schwerpunkt auf den Orten Twist, Garbsen und Weißenfels läge, seien rund 800 Beamte der Bundespolizei im Einsatz. Weitere Durchsuchungen gäbe es darüber hinaus in Berlin, Sachsen und Nordrhein-Westfalen.

Deutschlands größter Fleischkonzern, Tönnies, der seinen zweitgrößten Schlachtstandort in Weißenfels in Sachsen-Anhalt hat, ist nach eigenen Angaben allerdings nicht von der Razzia betroffen. „An unserem Standort in Weißenfels gibt es bisher keine Durchsuchung“, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch (23.09.2020).

Nachdem wegen schlechter Unterbringung von Leiharbeitern in einigen Betrieben massenhaft Corona ausgebrochen war, ermittelt die Bundespolizei jetzt bei einigen Betrieben wegen illegaler Einschleusung von Leiharbeitern.

Ermittlungen in Niedersachsen: Bundespolizei benötigt so viel Beweismaterial wie möglich

Es ginge bei dem Einsatz darum, so viel Beweismaterial wie möglich zu sichern, um Zahlungsvorgänge und die interne Kommunikation nachvollziehen zu können, so eine Sprecherin der Bundespolizei. Außerdem sei wichtig, wie viele illegal eingereiste Leiharbeiter sich in den Unterkünften, wie etwa in Niedersachsen, aufhalten. Ihnen droht die Ausweisung aus Deutschland.

Nachdem schlechte Arbeitsbedingungen in Fleischbetrieben aufgrund von gehäuften Corona-Infektionen publik wurden, wurde die Unterbringung von ausländischen Arbeitskräften wieder in den Fokus gerückt. Dies löste eine bundesweite Debatte über die Arbeitsbedingungen in der Branche aus. (Nail Akkoyun)

Rubriklistenbild: © Rocio Cuminao Rojas/dpa/picture alliance

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