Holzkonzern Klausner schließt Standort Adelebsen - Rund 200 Mitarbeiter betroffen

Niedersachsens größtes Sägewerk macht dicht

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Stillstand: Die Produktion im Klausner-Sägewerk in Adelebsen ruht faktisch seit einem Jahr. Am Freitag gab die Geschäftsführung bekannt, dass das Werk endgültig geschlossen werden soll.

Adelebsen. Der österreichische Holzkonzern Klausner-Gruppe schließt sein Sägewerk in Adelebsen (Kreis Göttingen). Die Geschäftsführung informierte die rund 200 Mitarbeiter am Freitag in einer Betriebsversammlung über die Schließungspläne.

Sie bedeuten das endgültige Aus für Niedersachsens größtes Sägewerk. Möglichst vielen Beschäftigten sollten Arbeitsplätze in anderen Werken der Gruppe angeboten werden, teilte das Unternehmen nach der Versammlung mit.

Klausner hatte das Werk in Adelebsen vor vier Jahren übernommen und damit ein elf Jahre währendes Konkursverfahren des ehemaligen Großsäge- und Hobelwerks Kühne beendet. Klausner hat danach nach eigenen Angaben 30 bis 40 Millionen Euro in das Werk investiert. Im März 2009 hatte der Standort Adelebsen Kurzarbeit angemeldet. In den folgenden Wochen wurde die Produktion dort Schritt für Schritt runtergefahren.

Faktisch ruht die Arbeit im Werk Adelebsen seit knapp einem Jahr. Die Produktion war vor allem auf den amerikanischen Markt ausgerichtet. Die endgültige Schließung begründete das Unternehmen gestern mit dem Andauern der weltweiten Wirtschaftskrise und dem wachsenden Rohstoffmangel in Deutschland. Zudem seien im Umkreis weitere Sägekapazitäten aufgebaut worden, „anders als in unserem Fall zum Teil auch mit staatlicher Förderung“, sagte Geschäftsführer Leopold Stephan. Die vorhandene Rundholzmenge reiche aber nicht aus, diese Kapazitäten dauerhaft zu versorgen. Die Rohstoffsituation sei in Niedersachsen besonders prekär.

Die Klausner-Gruppe zählt nach eigenen Angaben weltweit zu den größten Herstellern von Nadelschnittholz. Sie unterhält weitere Werke in Saalburg-Ebersdorf, Wismar, Kodersdorf und Landsberg/Lech. Das Werk in Landsberg befindet sich in Kurzarbeit. Nach Angaben der IG Metall verdienten die Beschäftigten in Adelebsen mehr Geld als in anderen Klausner-Werken.

Die Effektiv-Löhne (Grundlohn samt Leistungsbestandteile) seien in Adelebsen höher gewesen, so dass Mitarbeiter bei einem Wechsel möglicherweise Lohnverzicht in Kauf nehmen müssten, sagte ein Sprecher gegenüber dieser Zeitung. Das österreichische „Wirtschaftsblatt“ hatte im November 2009 über Verhandlungen der Klausner-Gruppe mit Gläubigern berichtet. Demnach hatte das Unternehmen als eines der ersten der Branche den starken Einbruch auf den internationalen Absatzmärkten zu spüren bekommen. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Roland Berger hatte Klausner eine Restrukturierung erarbeitet.

Von Tatjana Coerschulte

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