Video mit entführten Mädchen

Nigerianische Terrorgruppe Islamisten führen 200 Geiseln vor

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Chibok: Aus diesem Ort wurden die Mädchen entführt.

Abuja. Einen Monat nach der Entführung von über 200 Schülerinnen in Nordnigeria hat die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ihre Geiseln erstmals in einem Video gezeigt.

Der britische Sender BBC zeigte gestern Ausschnitte aus dem knapp 30-minütigen Filmmaterial, in dem angeblich rund 130 der Mädchen sehen sind. Sie sitzen auf dem Boden, tragen typisch muslimische Gewänder (Hijab) und rezitieren Verse aus dem Koran. Der Chef der Boko Haram, Abubakar Shekau, erklärte, viele der überwiegend christlich erzogenen Geiseln seien zum Islam konvertiert.

Die Terrorgruppe machte gestern deutlich, dass sie wegen der entführten Mädchen möglicherweise zu Verhandlungen mit der Regierung in Abuja bereit ist. Shekau sagte, die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren würden freigelassen, wenn die Behörden alle inhaftierten Boko-Haram-Mitglieder aus dem Gefängnis entlassen. Eine Reaktion von Präsident Goodluck Jonathan gab es noch nicht.

Derweil gibt es nach Angaben des Gouverneurs Kashim Shettima erstmals Hinweise auf den Aufenthaltsort der Geiseln. Nach einem Bericht der Zeitung Punch seien die Informationen an das Militär weitergeleitet worden, die diese nun verifizieren sollen.

Die Mädchen waren Mitte April aus einer Schule in dem Ort Chibok verschleppt worden. Seither fehlt von ihnen jede Spur. In einem ersten Bekennervideo hatte Shekau in der vergangenen Woche erklärt, er werde die Geiseln als Sklavinnen verkaufen. Daraufhin hatten die USA, Großbritannien, Frankreich und Israel ihre Hilfe bei der Suche nach den Vermissten angeboten.

Unter anderem wegen der Entführung der Mädchen in Nigeria, aber auch wegen der Gefahren in der Sahel-Zone, kündigte der französische Staatschef François Hollande für kommenden Samstag einen Sicherheitsgipfel mit mehreren afrikanischen Staaten in Paris an. Zum Gipfel sollten Nigeria, der Tschad, Kamerun, der Niger und Benin kommen.

In der vergangenen Woche hatte Frankreich die Bildung einer grenzübergreifenden Anti-Terror-Einheit mit 3000 französischen Soldaten in der Sahel-Zone angekündigt. Rund 1000 Militärs sollen im Norden Malis stationiert werden, wo Frankreich mit anderen Staaten seit Anfang vergangenen Jahres Krieg gegen islamistische Terroristen führt. Die anderen 2000 Soldaten sollen auf andere Teile der Sahel-Zone verteilt werden.

Nach einem Bericht der Zeitung Punch gab es am Wochenende ein Treffen der ausländischen Teams mit Experten des nigerianischen Verteidigungsministeriums. Demnach ist für die nächsten Tage ein gemeinsamer Militäreinsatz geplant. Unter anderem sollen Geheimdienstinformationen genutzt und Drohnen und Techniken zum Durchleuchten von Gebäuden eingesetzt werden. Die Entsendung von Truppen hatten Washington und London aber ausgeschlossen. (dpa)

Hier finden Sie Ausschnitte des Videos bei der BBC.

Hintergrund: Boko Haram

• Die Terrorgruppe Boko Haram will im muslimischen Norden Nigerias einen islamischen Gottesstaat errichten. Der Name Boko Haram heißt soviel wie „westliche Bildung ist verboten“. Über die zahlenmäßige Größe und den Aufbau der Gruppe ist kaum etwas bekannt.

• Die Gruppe, einst als Sekte gestartet und seit Ende 2013 auf der Terrorliste des US-Außenministeriums, soll Kontakte zu nordafrikanischen Al-Qaida-Ablegern haben.

Den Anschlägen der Gruppe fielen nach unterschiedlichen Quellen zwischen 1000 und über 4000 Menschen zum Opfer. Allein bei einem Anschlag in einem Busbahnhof von Abuja Mitte April starben mehr als 100 Menschen.

• Der Mann, der sich als Anführer der Terrorgruppe ausgibt, nennt sich Abubakar Shekau. Er will jegliche Bildung für Frauen verbieten. Nicht zufällig wurden die Jugendlichen in Chibok in einer Schule gekidnappt. „Ich habe gesagt, dass es nicht nur um die Mädchen geht, sondern dass ich gegen jede Art von westlicher Bildung bin“, sagt er in seinem Video. „Mädchen sollten einfach nur heiraten.“

• „Bring back our girls“ (Bringt unsere Mädchen zurück) lautet der Rettungsslogan, der auf einer Onlinepetitionder 23-jährigen Nigerianerin Ify Elueze beruht. Die in Deutschland lebende Studentin mobilisierte weltweit über 245.000 Menschen.

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