Frankreich schließt Botschaften

Satireblatt druckt Mohammed-Karikaturen

Unter Polizeischutz: Stéphane Charbonnier, Karikaturist und Chefredakteur von „Charlie Hebdo“. Foto: dpa

Paris. Alle 75.000 Exemplare innerhalb von wenigen Stunden vergriffen, die Internet-Seite lahmgelegt und der eigene Name auf sämtlichen Info-Kanälen – das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ hat einen Verkaufs-Coup gelandet.

Wenn auch zum Preis einer riskanten Provokation: Auf mehreren Seiten druckt es Karikaturen des Propheten Mohammed ab, teils nackt und in gewagten Posen. Auf der Titelseite schiebt ein orthodoxer Jude Mohammed im Rollstuhl, der sagt: „Man darf sich nicht lustig machen!“

Nicht zufällig erscheinen die Zeichnungen zu einem Zeitpunkt, wo in über 20 Ländern weltweit erzürnte Muslime auf die Straße gehen, um gegen das Islam-Schmähvideo „Die Unschuld der Muslime“ zu protestieren. Am Wochenende hatte sich die Bewegung von der arabischen Welt aus auf Europa ausgeweitet. In Paris demonstrierten bis zu 250 Menschen vor der US-Botschaft, 150 wurden vorübergehend festgenommen.

Politik und Vertreter der Muslime in Frankreich reagieren nervös. Am Freitag werden französische Einrichtungen in 20 Ländern geschlossen, darunter Botschaften, Kultureinrichtungen und Schulen. Er sei sehr besorgt angesichts des Risikos einer Eskalation, sagte Außenminister Laurent Fabius.

Premierminister Jean-Marc Ayrault rief zum „Verantwortungsgefühl aller“ auf. Die Meinungsfreiheit sei fundamentales Prinzip der Republik, Werte der Toleranz und des Respektes vor religiösen Überzeugungen aber auch. Der Antrag für eine Demonstration gegen den Anti-Islam-Film am Samstag in Paris sei abgelehnt worden, sagte Ayrault. In mehreren größeren Städten sind offenbar dennoch Protestaktionen geplant. Mohammed Moussaoui, Präsident des islamischen Dachverbandes CFCM, appellierte an die Muslime in Frankreich, sich nicht provozieren zu lassen und Ruhe zu bewahren.

Der Karikaturist und Chefredakteur von „Charlie Hebdo“ Stéphane Charbonnier, bekannt unter dem Künstlernamen Charb, verteidigt die Karikaturen: Wenn man sich selbst zensiere aus Angst vor den Drohungen einer Handvoll Extremisten, hätten diese gewonnen. „Ich fordere strenggläubige Muslime nicht auf, Charlie Hebdo zu lesen, so wie ich auch nicht in eine Moschee gehen würde, um Reden zu hören, die meinem Glauben widersprechen.“

Sicherheitskräfte überwachten gestern das Redaktionsgebäude. Charb selbst steht französischen Medien zufolge unter Polizeischutz, seit einem Brandanschlag im November 2011 (siehe Hintergrund). Schon 2006 hatte das Blatt einige der umstrittenen Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ nachgedruckt. Das trieb die Auflage von sonst 45 000 Exemplaren auf mehr als das Zehnfache. Jetzt sollen 200.000 „Charlie Hebdos“ nachgedruckt werden.

Von Birgit Holzer

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