Ist Nordhessen bald menschenleer?

Kassel/Wiesbaden. Hessen steckt mitten in einem tiefgreifenden demografischen Wandel. „Wir werden weniger, älter und bunter“ - so hat es eine Enquetekommission des Landtags freundlich beschrieben.

Tatsächlich bedeutet der Wandel, dass weite Teile Hessens, vor allem der Norden, in den kommenden Jahrzehnten einen Teil ihrer Bevölkerung verlieren werden.

Wachsen wird im Süden das Dreieck Frankfurt-Wiesbaden-Darmstadt. Zum Jahresende 2010 zählte Hessen 6,067 Millionen Einwohner, es gab sogar ein leichtes Plus durch Zuwanderung. Doch in 50 Jahren wird es nach Schätzungen nur noch 4,9 Millionen Hessen geben, ein Minus von 6,5 Prozent.

Die Zahl verdeckt, wie dramatisch der Rückgang einzelne Regionen treffen wird: Der Werra-Meißner-Kreis wird schon in zwei Jahrzehnten ein Sechstel weniger Einwohner haben, ähnlich sieht es im Vogelsberg oder im Schwalm-Eder-Kreis aus. Dagegen wird die Metropole Frankfurt irgendwann nach 2030 die Marke von 700.000 Einwohnern überschreiten.

In der Abwanderungsbewegung hängt alles mit allem zusammen. Wo es menschenleer wird, dort verschwinden die Jobs, die Schulen, die Ärzte, der öffentliche Nahverkehr wird dünner. Und wo Arbeitsplätze und Schulen weg sind, da hält es auch Menschen nicht mehr.

Der ohnehin belastete Ballungsraum Rhein-Main muss dagegen seine Infrastruktur noch einmal ausbauen. Außerdem altert die Gesellschaft. In der hessischen Bevölkerungspyramide stellen derzeit die Menschen Mitte 40 die stärksten Jahrgänge.

Statistiker erwarten, dass 2060 die Menschen um die 70 die zahlenmäßig größten Jahrgänge bilden. Die Ideen, wie dieser Wandel bewältigt werden soll, stehen noch ganz am Anfang. (dpa)

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