Nordhessische Ex-Neonazis sagen heute in Wiesbaden aus

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Stand offenbar in Kontakt zum Neonazi Kevin S. aus Nordhessen: Ralf Wohlleben, der als mutmaßlicher Unterstützer des NSU galt.

Kassel/Wiesbaden. Im NSU-Untersuchungsausschuss werden heute in Wiesbaden zwei Zeugen befragt, die in Nordhessen keine Unbekannten sind.

Kevin S., einst führender Kopf der Neonazi-Gruppierung „Freie Kräfte“ im Schwalm-Eder-Kreis, und der frühere Kasseler Nazi-Musiker Oliver P.. Beide gelten als Aussteiger aus der Neonazi-Szene.

Der Ausschuss erhofft sich durch ihre Befragung mehr über die Verbindungen verschiedener rechter Gruppen in Hessen, Thüringen und Nordrhein-Westfalen sowie eine mögliche Nähe zum Nationaloszialistischen Untergrund erfahren zu können.

Der Zeuge Kevin S.

Der Neonazi Kevin S. geriet als 19-Jähriger überregional in die Schlagzeilen: Vor dem Kasseler Landgericht hatte er zugegeben, bei einem Angriff auf ein Sommercamp der Linksjugend „Solid“ am Neuenhainer See im Schwalm-Eder-Kreis im Juli 2008 ein schlafendes Mädchen krankenhausreif geprügelt zu haben.

Der 13-Jährigen hatte er mit einer Glasflasche mehrfach auf den Kopf geschlagen. Ihren älteren Bruder attackierte er mit einem Klappspaten - er wurde daraufhin zu einer 27-monatigen Jugendstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Kevin S. galt als Kopf der „Freien Kräfte Schwalm-Eder“- einer losen Gruppe von Neonazis. Später sagte er sich von der Szene los. Für den NSU-Untersuchungssausschuss in Wiesbaden ist er deshalb interessant, weil Kevin S. offenbar Kontakte zu Ralf Wohlleben gehabt hat.

Wohlleben, ehemaliger stellvertretenden Landesvorsitzenden der NPD-Thüringen, soll den Mitgliedern des Nationalsozialistischen Untergrunds eine Waffe und Munition für die Morde beschafft haben. Kevin S. taucht auf einem Foto mit Wohlleben auf. Zudem soll er sich in dem Haus in Jena aufgehalten haben, in dem auch Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos wohnten - es wird auch als „braunes Haus“ bezeichnet.

Der Zeuge Oliver P.

Der gebürtige Berliner Oliver P. gründete 1996 in Kassel die Rechtsrockband Hauptkampflinie (HKL). Die Gruppe machte sich deutschlandweit in der Szene einen Namen. Mehrere ihrer Alben mit Titeln wie „Völkermordzentrale“ oder „Endsiegterroristen“, landeten auf dem Index. 2009 löste Oliver P. die Band auf und stieg aus der Naziszene aus.

Der Ausschuss will in seinem Fall insbesondere mehr über die Kasseler Neonazi-Szene und die Verbindungen zum rechtsextremen Netzwerk „Blood and Honour“ wissen. Nach bisherigen Erkenntnissen gehörten 20 Personen aus dem Umfeld des NSU zum deutschen Netzwerk des Blood and Honour. Darunter sollen sich auch mindestens fünf Vertrauenspersonen vom Verfassungsschutz befinden.

„Die beiden werden sicherlich keine Namen nennen“, sagt Hermann Schaus, der als Obmann der Linken-Fraktion im Ausschuss sitzt.

Aber möglicherweise könne man durch die Befragungen mehr über die Strukturen der Szene in Nordhessen und Verbindungen zu anderen Bundesländern erfahren, sagte Schaus.

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