Nordkorea macht erste Drohung wahr

Japan bringt Raketenabwehr in Stellung

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Japan bringt sein Raketenabwehrsystem mitten in Tokio in Stellung

Pjöngjang - Die erste Drohung wurde wahr gemacht: Die nordkoreanischen Arbeiter boykottieren die Wirtschaftszone Kaesong. Die Produktion liegt brach. Japan bringt unterdessen die Raketenabwehr in Stellung.

Nordkorea hat am Dienstag seine letzte wirtschaftliche Verbindung mit dem Süden gekappt: Wie am Vortag angekündigt erschienen in der gemeinsam mit Südkorea betriebenen Wirtschaftszone Kaesong nordkoreanische Arbeiter nicht zur Arbeit. Die Industriezone auf nordkoreanischem Gebiet war seit 2004 eine Kombination aus südkoreanischem Kapital und billigen nordkoreanischen Arbeitskräften und eine wichtige Einnahmequelle für harte Devisen für Pjöngjang. Nun wurde sie zu einer Geisterstadt.

Die südkoreanischen Fabrikbetriebe befürchten bei längerem Stillstand die Gefahr von Konkursen. Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye sagte, sie sei über den Stopp der Produktion in Kaesong „sehr enttäuscht“. In einer Kabinettssitzung warf sie Pjöngjang ein „falsches Verhalten“ vor, mit dem sich die kommunistische Regierung letztlich nur um eine Chance bringe, ausländische Investitionen ins Land zu holen.

Manager bleiben in Kaesong - Nahrung wird knapp

Südkoreanische Soldaten salutieren vor einem Militärfahrzeug, das andere Fahrzeuge von Kaesong zur Grenze geleitet

Vertreter von in Kaesong engagierten südkoreanischen Unternehmen riefen Nordkorea in einer Krisensitzung auf, die Wirtschaftszone wieder zu öffnen. Sie hofften, bald eine Delegation nach Kaesong senden zu können. Die eigene Regierung forderten sie auf, eine „wohl überlegte, umarmende Haltung“ einzunehmen und zu helfen, Kaesong wieder zu öffnen. Park wurde allerdings mit den Worten zitiert, sie sei des „endlosen Teufelskreises“ müde, in dem auf feindliches Verhalten mit Kompromissen geantwortet werde, auf das nur noch mehr feindliches Verhalten folge.

Einige der in Kaesong verbliebenen mehreren hundert südkoreanischen Manager berichteten, sie wollten vorerst in ihren Fabriken bleiben, um auf deren Maschinen und Geräte aufzupassen. Allerdings würden bereits die Lebensmittel knapp. „Wir bleiben hier, bis uns die Ramen (Nudelsuppe) ausgeht“, sagte einer der Südkoreaner in Kaesong am Dienstagmorgen. Die Einreise nach Kaesong war für Südkoreaner bereits am Mittwoch gesperrt worden. Auch konnten keine Rohstoffe mehr angeliefert werden.

Pjöngjang hatte am Montag angekündigt, dass alle Operationen in Kaesong ausgesetzt würden. Der Industriekomplex mit 120 Fabriken ist der größte Arbeitgeber in der drittgrößten nordkoreanischen Stadt. Seit der Verhängung neuer UN-Sanktionen als Reaktion auf den dritten Atomtest Nordkoreas am 12. Februar hat Pjöngjang eine Vielzahl kriegerischer Drohungen gegen Südkorea und die USA ausgestoßen. Aktuell legt Nordkorea allen in Südkorea lebenden Ausländern nahe, das Land zu verlassen. Die Ausländer sollten sich über Schutzräume informieren und ihre Abreise planen, hieß es am Dienstag in einer Erklärung des nordkoreanischen Asien-Pazifik-Komitees, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete.

Japan bringt Raketenabwehr in Tokio in Stellung

Fahrzeuge der Arbeiter in Kaesong kehren zum Grenzposten zurück

Viele Bundesbürger nehmen die Drohungen von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un sehr ernst. Knapp ein Drittel (31 Prozent) glaubt, er werde seine Androhung eines atomaren Erstschlags wahr machen, wie eine Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt. 43 Prozent der Befragten glauben das nicht. Die Hälfte (54 Prozent) hat Angst vor einem möglichen Krieg zwischen Nord- und Südkorea sowie den USA. 40 Prozent geben an, keine Angst davor zu haben. Zwischen Freitag und Montag wurden 1034 Bürger befragt.

Auch Japan nimmt die Drohungen aus Nordkorea offenbar ernst. Das japanische Verteidigungsministerium hat seine raketenabwehrvorrichtungen in der Hauptstadt Tokio in Stellung gebracht. Eine PAC-3-Abschusseinheit wurde auf dem Gelände des Ministeriums im Stadtteil Ichigaya aufgestellt, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo meldete. Auch an zwei anderen Orten der Millionen-Metropole sollen PAC-3-Anlagen in Stellung gebracht werden. Zuvor hatte Verteidigungsminister Itsunori Onodera den Befehl erteilt, nordkoreanische Raketen abzuschießen, sollten diese japanisches Territorium erreichen. Die japanische Marine hat zu diesem Zweck Aegis-Zerstörer ins Japanische Meer entsandt.

So inszeniert sich Bubi-Diktator Kim Jong Un

So inszeniert sich Bubi-Diktator Kim Jong Un

Seit dem dritten Atomtest durch Nordkorea im Februar haben sich die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel deutlich verschärft.

AP/dpa

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