Nach Entlassung von Ri Yong Ho

Nordkorea ernennt neuen Vize-Marschall

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Passanten verfolgen einen Bericht über die Entlassung des Militärchefs Ri Yong Ho.

Seoul - In Nordkorea ist nach der überraschenden Entlassung des angeblich erkrankten Militärchefs Ri Yong Ho ein neuer Vize-Marschall ernannt worden.

Die Zentrale Militärkommission der regierenden Arbeiterpartei und die Nationale Verteidigungskommission hätten Hyon Yong Chol zum Vize-Marschall ernannt, meldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Dienstagmorgen (Ortszeit).

Der wenig bekannte General ist bereits die vierte Person, die von Staatschef Kim Yong Un seit dem Tod seines Vaters zum Vize-Marschall ernannt wurde. Beobachter vermuten, dass Kim seinen Machtapparat umbaut. Ri, der laut KCNA am Sonntag wegen gesundheitlicher Probleme von allen Posten entbunden wurde, galt als enger Vertrauter von Kims verstorbenem Vater und Vorgänger Kim Jong Il.

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Ris Absetzung könne bedeuten, dass er einen Machtkampf mit dem in der nordkoreanischen Hierarchie rasch aufgestiegenen und im April zum Vize-Marschall ernannten Choe Ryong Hae verloren habe, sagte Koh Yu Hwan, Professor an der Dongguk-Universität im südkoreanischen Seoul. Er sieht Choe als Nummer zwei im Machtapparat, als den Mann, der bei der Armee als eine Art Stellvertreter für Kim Jong Un dient.

Daniel Pinkston von der Internationalen Krisengruppe (ICG) sagte am Montag, die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass Ri geschasst worden sei. Der 69-Jährige war Chef des Generalstabs und Vize-Marschall der Koreanischen Volksarmee. Damit nahm er im Machtgefüge des kommunistischen Staats eine Schlüsselposition ein.

Kim Jong Un hatte zuletzt bei Personalentscheidungen jüngere Parteimitglieder befördert. Hong Hyun Ik, Experte des privaten südkoreanischen Sejong-Instituts, sprach von einem Generationswechsel. Er erwarte, dass in den kommenden Wochen weitere Altkader ihre Posten räumen müssen.

Staatschef Kim Jong Un bricht mit Traditionen

Unter Kim Jong Il blieben führende Funktionäre üblicherweise bis zu ihrem Tod im Amt. Kim Jong Un scheint dieses Prinzip sieben Monate nach seinem Amtsantritt nicht mehr fortzuführen. Zuletzt überraschte er auch damit, sich mit einer nicht näher identifizierten Frau in der Öffentlichkeit zu zeigen.

“Vielleicht war er (Ri) schon immer nur als Übergangsfigur gedacht und hat seine Rolle jetzt ausgespielt“, spekulierte John Delury von der südkoreanischen Universität Yonsei-Universität.

Die Koreanische Halbinsel ist seit 1953 in Nord- und Südkorea geteilt, als ein Waffenstillstand die Kampfhandlungen im Koreakrieg beendete. 2010 wurden vier Südkoreaner durch einen nordkoreanischen Artillerieangriff getötet. Im April scheiterte der Test einer nordkoreanischen Langstreckenrakete. Die innerkoreanische Grenze gilt als die am schwersten bewaffnete der Welt.

dapd

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