Nordsee-Irrfahrt der MSC Flaminia: Brand bleibt ungeklärt

Berge ausgebrannter Container und zwei Helfer im Krankorb: Blick ins Mittelschiff der MSC Flaminia. Foto: Havariekommando/nh

Schiffe kann man reparieren - der Containerfrachter MSC Flaminia fährt längst wieder im Pendelverkehr zwischen Mittelmeer und US-Ostküste: 21 Tage hin, 21 Tage zurück.

Im Sommer 2012 kam der 300-Meter-Ozeanriese über Wochen nicht aus den Schlagzeilen: Brennend und zunehmend verkohlt irrte die MSC Flaminia damals durch die Nordsee. Feuer und Explosionen an Bord hatten Mitte Juli den Ersten Offizier das Leben gekostet, ein zweiter Mann war vermisst, ein dritter starb im Oktober an seinen schweren Verletzungen.

Das Schiff lief damals unter deutscher Flagge. Weder Irland, Großbritannien, Frankreich oder Spanien wollten den Frachter damals in ihre Häfen lassen - niederländische Schlepper lieferten das Schiff am 9. September schließlich im JadeWeserPort nahe Wilhelmshaven ab.

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Dort wurden über Wochen Berge ausgeglühter Container im Mittelschiff abgeräumt. Gut 150 der 2900 Stahlkisten waren als Gefahrgut deklariert - das und die Angst der Nordsee-Anrainer vor einer Umweltkatastrophe hatte die Irrfahrt in die Länge gezogen. Schrott und Ladungsreste wurden vom JadeWeserPort aus entsorgt. Allein das kontaminierte Löschwasser im Bauch der MSC Flaminia machte 30 000 Tonnen aus.

Auf 181 Seiten spürte die Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) der spektakulären Havarie hinterher. Fazit Anfang 2014: Brandursache nicht mehr zu ermitteln - austretendes Gas aus Tankcontainern, so eine Gutachter-Hypothese, könnte sich entzündet haben. Neben Bier, Katzenstreu, Tonfliesen, Schneeräummaschinen und Chilischoten hatte die MSC Flaminia auch Haarspray, Autopflegemittel und jede Menge feuergefährliche Chemie geladen.

Die Staatanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen Unbekannt wegen des Schiffsbrandes mit drei Toten bis heute. Ende offen - hieß es dort gestern. Die Sache sei kompliziert.

Die schwer beschädigte MSC Flaminia fuhr im März 2013 an die rumänische Schwarzmeerküste. Und wurde unter Vorwürfen illegaler Abfallentsorgung sofort zurückgeschickt. Im dänischen Odense kratzte eine Spezialfirma noch mehr Schrott und verbrannte Ladung aus dem Schiff - dann durfte der Frachter den rumänischen Hafen Mangalia anlaufen. Die Reparaturwerft dort schnitt den Mittelteil des Frachters heraus und setzte einen neuen ein. Das soll laut NDR 20 Mio. Euro gekostet haben.

Die MSC Flaminia - nun unter der Flagge Maltas auf Tour - nimmt bis zu fünf Passagiere mit. Die Einzelkabine kostet pro Tag 85 Euro. Haustiere an Bord nicht erlaubt, Mahlzeiten mit den Schiffsoffizieren, philippinischer Koch. http://www.nsb-reisebuero.de

BSU-Unfallbericht

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