Attentäter von Norwegen legt Geständnis ohne Reue ab

Oslo - Wie die Polizei am Montagabend bekannt gab, sind bei den Anschlägen am Freitag mit 76 Opfern deutlich weniger Menschen ums Leben gekommen. Zudem hat der Attentäter ein Geständnis abgelegt, bei dem er auf "nicht schuldig" plädiert hat, sagte der zuständige Richter in Oslo.   

Nach Polizeiangaben sind bei den Anschlägen in Norwegen insgesamt 76 Menschen ums Leben gekommen - acht bei dem Bombenanschlag in Oslo und 68 auf der Insel. Das teilte ein Polizeisprecher in Oslo mit. Die Zahl war bisher mit 93 angegeben. Ein Polizeisprecher begründete den großen Unterschied mit der “sehr schwierigen Ermittlungslage“ nach der Bombenexplosion in Oslo und dem Massaker auf der Insel Utøya. Das gelte vor allem für die Suche nach Toten, Vermissten und Überlebenden auf der kleinen Insel und im Tyrifjord. Auf der Insel westlich von Oslo wird weiter nach Vermissten gesucht, hieß es. Je nach dem Ergebnis könnten sich die Zahlen noch ändern. Die Polizei forderte die Bevölkerung auf, die nach dem Bombenanschlag zeitweise gesperrte Osloer Innenstadt wieder normal zu nutzen. Man werde aber noch lange brauchen, um die stark beschädigten Gebäude des Regierungsviertels genau zu untersuchen. Es gebe “keine Garantien für hundertprozentige Sicherheit“, aber man müsse auch Vertrauen in die Zukunft zeigen.

Polizeiankläger Christian Hatlo kündigte außerdem an, dass Anders Behring Breivik rechtspsychiatrisch auf seine Zurechnungsfähigkeit untersucht werden würde.

Lediglich 35 Minuten hat der Haftprüfungstermin für Anders Behring

Lesen Sie dazu auch:

Nach Massaker: Ruf nach Vorratsdatenspeicherung

Norwegen steht still: Schweigeminute für Attentatsopfer

Stiefbruder von Mette-Marit unter Mordopfern

Das unfassbare Geständnis des Attentäters

Horror-Blutbad: Trauer kennt keine Grenzen

Visitenkarte eines Massenmörders

Breivik gedauert. Breivik hatte um eine öffentliche Anhörung gebeten, was der Richter aber abgelehnt hatte. Gegen den Attentäter ist eine achtwöchige Untersuchungshaft verhängt worden. Das teilte das Gericht am Montag in Oslo mit. Zudem wird der 32-Jährige für vier Wochen in vollständiger Isolation gehalten und darf weder Besuch empfangen noch Briefe schreiben oder empfangen. Von dem Attentäter gehe weiter ein großes Risiko aus, hieß es auf der Pressekonferenz des Gerichts. Der Norweger wollte der sozialdemokratischen Arbeiterpartei größtmöglichen Schaden zufügen. er habe nicht das Ziel gehabt, so viele Menschen wie möglich zu töten, sondern ein starkes Signal auszusenden, dass nicht missverstanden werden kann. Breivik habe gesagt, die Arbeiterpartei zerstöre die norwegische Kultur und müsse die Verantwortung für diesen Verrat übernehmen. Sie sei für die massenhafte Einwanderung von Muslimen verantwortlich und habe dafür bezahlen müssen. Breivik sagte ferner, er habe mit den beiden Anschlägen “ein kräftiges Signal“ an das Volk geben wollen. Breivik sprach während der Termins vor dem Haftrichter von “zwei weiteren Zellen in unserer Organisation“.

Obwohl Attentäter Anders Behring Breivik vor Gericht die Fakten zu beiden Terroranschlägen gestanden hat, habe er sich nicht als schuldig bekannt, sagte ein Gerichtssprecher. Er habe es tun müssen um Norwegen und Westeuropa zu retten. Das teilte ein Gerichtssprecher mit. Weitere Einzelheiten wollte er aus der nichtöffentlichen Verhandlung mit dem geständigen Attentäter nicht mitteilen.

In diesem Auto soll der Attentäter nach seinem Haftprüfungstermin weggefahren worden sein.

Nach dem Haftprüfungstermin haben aufgebrachte Norweger das Auto, in dem der Attentäter Anders Behring Breivik gesessen haben soll, attackiert. Wie das Nachrichtenportal Spiegel Online berichtet, schlugen die Menschen gegen die Scheiben des Autos und riefen Beschimpfungen, bis die Polizei den Tumult auflöste. Ob sich Breivik tatsächlich in dem Fahrzeug befand, ist unklar: Die Fensterscheiben waren dunkel getönt.

Norwegen trauert um die Opfer des Attentats

Norwegen trauert um die Opfer des Attentats

Es war der erste Haftprüfungstermin für Anders Behring Breivik. Nach einer halben Stunde war schon wieder alles vorbei: Etwa 35 Minuten, nachdem die Anhörung unter Ausschluss der Öffentlichkeit begann, kam eine Wache aus dem Gerichtsgebäude und sagte den wartenden Reportern, die Anhörung sei vorbei und “alle gegangen“. Breivik hatte um eine öffentliche Anhörung gebeten, was der Richter aber abgelehnt hatte. Der 32-Jährige hatte den Doppelanschlag am Freitag gestanden, bei dem mindestens 93 Menschen ums Leben kamen.

mm/dapd/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.