Innenministerium bestätigt Meldung

Notruf 110: Anrufe sollen in Hessen nur noch bei sieben Leitstellen eingehen

Wiesbaden. Der Polizei-Notruf 110 soll in Hessen neu strukturiert werden. Künftig sollen die Anrufe nur noch bei sieben zentralen Leitstellen eingehen, teilte das Innenministerium am Mittwoch in Wiesbaden mit und bestätigte damit einen Bericht des Hessischen Rundfunks.

Derzeit werde die nationale Notrufnummer noch an 65 Standorten im Land bearbeitet. Das heißt, der Notruf geht bei einer Polizeistelle in der Nähe des Hilfesuchenden ein. Künftig sollen dafür die sechs Polizeipräsidien in Wiesbaden, Gießen, Kassel, Fulda, Offenbach und Darmstadt zuständig sein. In Frankfurt ist der Notruf zentralisiert.

Laut Ministerium soll die Polizei so einen besseren Überblick über die Gesamtlage bekommen. Außerdem bedeute die Zentralisierung für die Polizeidirektionen und Polizeistationen eine Arbeitserleichterung. Damit das Personal in den Leitstellen schnell reagieren und die Informationen an die entsprechenden Reviere weiterleiten kann, soll es speziell geschult werden.

Andreas Grün, Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP, sieht dagegen keinen Vorteil der Neustrukturierung. Bei größeren Lagen werde ohnehin sofort die Leitstelle im Polizeipräsidium eingeschaltet, doch seien dies Ausnahmen. Die GdP fürchtet vielmehr, dass Beamte aus der Fläche abgezogen werden, um die Leitstellen aufzustocken. „Die Leitstellen sind weit weg vom Bürger und den Beamten mit den Ortskenntnissen“, sagt Gün. So wisse man in der Zentrale möglicherweise nicht, wie die Verkehrslage vor Ort sei oder ob es sich um einen sozialen Brennpunkt handele. Unter Umständen ginge durch die Weiterleitung des Notrufs Zeit verloren.

Dass es dazu kommt, erwartet Innenminister Peter Beuth (CDU) nicht, wie aus der Antwort auf eine SPD-Anfrage hervorgeht. Er gehe davon aus, dass die Notrufe nach ihrer Dringlichkeit abgearbeitet werden, so der Innenminister.

Allerdings spielen auch finanzielle Gesichtspunkte bei der Zentralisierung eine Rolle. Denn damit ist auch eine neue technische Ausstattung verbunden, die die Standortdaten des Anrufers übermittelt und auf den Bildschirmen in der Leitstelle sichtbar macht. Diese Technik muss nun nur in sieben statt in 65 Notruf-Annahmestellen installiert werden.

Gleichwohl soll zunächst im Sommer eine Testphase beginnen, komplett umgesetzt werden soll die Reform bis zum Jahr 2018.

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