Sensationsfund: 79-Jähriger verkaufte noch nach Beschlagnamung Beckmann-Bild

Geheimsache Raubkunst

Das Mehrfamilienhaus in München-Schwabing, in dem die Sammlung versteckt war.

München. Es ist ein Sensationsfund: Zollfahnder haben in der Wohnung eines 80-jährigen Münchners etwa 1500 bisher verschollene Gemälde der klassischen Moderne entdeckt. Darunter Werke von Picasso, Franz Marc, Paul Klee, Henri Matisse und Max Beckmann.

Gut zweieinhalb Jahre haben Experten den sensationellen Fund von verschollen geglaubten Kunstwerken in München als strikte Geheimsache behandelt. Die Bundesregierung allerdings wusste schon einige Zeit von der schier unbezahlbaren Gemäldesammlung, die Fahnder im Frühjahr 2011 in einer Privatwohnung beschlagnahmten.

Sie sei „seit mehreren Monaten über den Fall unterrichtet“, sagte am Montag Regierungssprecher Steffen Seibert.

Für Dienstag kündigte die Staatsanwaltschaft Augsburg eine Pressekonferenz an, zu der auch die Berliner Kunstexpertin Meike Hoffmann erwartet wird. Sie untersucht den Raubkunstfund.

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Die Sammlung besteht aus gut 1500 Arbeiten, darunter Werke von Pablo Picasso, Henri Matisse, Paul Klee und Albrecht Dürer. Nach Recherchen des Focus wurden sie in der Wohnung des 79-jährigen Cornelius Gurlitt entdeckt, Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt (Artikel rechts). Die Kunstobjekte sollen zwischen Müll gelegen haben.

Dem Bericht zufolge hatten die Nationalsozialisten die Werke jüdischen Sammlern geraubt oder als sogenannte entartete Kunst konfisziert. Den Wert der Sammlung gibt das Magazin mit rund einer Milliarde Euro an. Hildebrand Gurlitt hatte stets behauptet, seine Sammlung sei während des großen Bombenangriffs auf Dresden 1945 verbrannt.

Die Werke sollen jetzt in einem Depot in Garching bei München lagern, wo sie von Sachverständigen untersucht werden.

Im Spätsommer 2011, einige Monate nach der Durchsuchung, hatte Gurlitt das Gemälde „Löwenbändiger“ von Max Beckmann beim Kölner Kunsthaus Lempertz zur Auktion abgegeben. Das bestätigte Lempertz gestern. Über das Auftauchen des als verschollen geglaubten Kunstwerks sei man sehr erfreut gewesen, sagte Justiziar Karl-Sax Feddersen. Vor der Versteigerung fanden die Experten heraus, dass der „Löwenbändiger“ aus dem Nachlass des legendären Kunstsammlers Alfred Flechtheim stammte. Nach einer Einigung mit dessen Erben sei das Bild für 864 000 Euro mit Aufschlag versteigert worden.

Laut Focus ermittelt die Staatsanwaltschaft Augsburg gegen Cornelius Gurlitt wegen Steuerhinterziehung. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, soll er immer wieder Werke aus seinem Erbe verkauft haben. (dpa)

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