Prozess zum Nachlesen im Ticker

NSU-Verhandlung vertagt: "Das ist ein Skandal"

München - Beate Zschäpe steht seit Montag in München vor Gericht. Bereits kurz nach Beginn des Prozesses gab es die erste Unterbrechung. Der erste Verhandlungstag endete mit einem Paukenschlag.

Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, Carsten S., André E. und Holger G.: Fünf Angeklagte müssen sich im NSU-Prozess vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, zehn Morde begangen zu haben, aus Hass auf Ausländer und den Staat. Wir sind seit 7 Uhr vor Ort und berichten live vom Prozess.

Hier finden Sie den Ticker zum ersten Verhandlungstag

Hier finden Sie den Ticker vom zweiten Verhandlungstag

18.30 Uhr: Am Ende des Tages wurde von der Bundesanwaltschaft noch eine Erklärung verlesen. "Wir werden unseren Beitrag dazu leisten, dass in einem rechtsstaatlichen Gerichtsprozess sachlich und konzentriert aufgeklärt wird, ob sich die Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig gemacht haben oder nicht, dass also am Ende ein gerechtes Urteil gesprochen wird", so Dr. Herbert Diemer.

18.29 Uhr: Auch der Anwalt der Nebenkläger ist erschüttert über das Ende des Prozessauftaktes: "Das ist ein Skandal", sagte Sebastian Scharmer am Montagabend.

NSU-Prozess in München - die Bilder

NSU-Prozess
Um kurz nach 7 Uhr war es am Montagmorgen noch ruhig vor dem Gerichtsgebäude. Hier geht's zum aktuellen Live-Ticker zum NSU-Prozess © Steffi Wegele
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Zahlreiche Menschen warten am Vormittag vor dem Gerichtsgebäude in München auf ihren Einlass. © dpa
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Zwei Polizisten stehen vor dem Gerichtsgebäude und behalten die Lage im Blick © dpa
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Lediglich Journalisten und Medien sind zahlreich vor Ort. © Steffi Wegele
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Die Pressesprecherin des Oberlandesgerichts München, Andrea Titz, stand den Medienvertretern am Montagmorgen bereits einige Minuten Rede und Antwort. Auf dem Foto ist sie leider nicht zu sehen, da sich eine große Presse-Traube um sie herum gebildet hatte. © Steffi Wegele
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Noch müssen Kameramänner auf spektakuläre Bilder warten, denn der große Andrang bleibt noch aus. © Steffi Wegele
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Erste Demonstranten haben sich mit Transparenten vor dem Landgericht positioniert. © dpa
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Türkische Demonstranten halten ein Plakat mit der Aufschrift "Hitlerkind Zschäpe du wirst für die Morde bezahlen müssen" in die Höhe. © Steffi Wegele
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Timo Tasche, 32 Jahre alt, ist für den NSU-Prozess extra aus Nordrhein-Westfalen angereist und steht seit 6 Uhr in der Früh mit seinen Plakaten in der Nähe des Gerichtsgebäudes. Warum er das tut? Er will das Versagen der Behörden nach dem Nagelbombenanschlag in Köln anprangern. © Steffi Wegele
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Der Besuchereingang wird von einem durchsichtigen Plastikzelt geschützt, damit die Wartenden im Falle eines Regenschauers nicht allzu nass werden. © Steffi Wegele
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Rentner Helmut S. aus München, steht als Erster vor dem Eingang zum Strafjustizzentrum in München. Er harrt hier bereits seit Sonntag aus. © dpa
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Eine Schmiererei nahe dem Gerichtsgebäude © Steffi Wegele
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Ein Polizeiauto fährt an den Übertragungswagen mehrerer Fernsehsender vorbei © dpa
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Der Gefangenentransport soll über die Tiefgarage auf der Rückseite des Gerichtsgebäudes abgewickelt werden, um Beate Zschäpe vor neugieren Blicken zu schützen © Steffi Wegele
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Der Gefangenentransport soll über die Tiefgarage auf der Rückseite des Gerichtsgebäudes abgewickelt werden, um Beate Zschäpe vor neugieren Blicken zu schützen © Steffi Wegele
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Der Gefangenentransport soll über die Tiefgarage auf der Rückseite des Gerichtsgebäudes abgewickelt werden, um Beate Zschäpe vor neugieren Blicken zu schützen © Steffi Wegele
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Mit Blaulicht und Sirenen raste die Polizei mit Zschäpe und den anderen Angeklagten durch die Straßen Münchens zum Gericht © Steffi Wegele
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Mit Blaulicht und Sirenen raste die Polizei mit Zschäpe und den anderen Angeklagten durch die Straßen Münchens zum Gericht © Steffi Wegele
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Mit Blaulicht und Sirenen raste die Polizei mit Zschäpe und den anderen Angeklagten durch die Straßen Münchens zum Gericht © Steffi Wegele
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Dieser schwarze BMW gehörte zum Zschäpe-Konvoi © Steffi Wegele
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In diesem gepanzerten Auto wurde Beate Zschäpe in die Tiefgarage des Gerichts gebracht © Steffi Wegele
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Dieser schwarze BMW gehörte zum Zschäpe-Konvoi © Steffi Wegele
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Die Kinder des ersten NSU-Opfers, Enver Simsek, sind am Gericht eingetroffen und werden von Journalisten bestürmt © Felix Consolati
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Semiya Simsek (l), Tochter eines Opfers der NSU-Mordserie, ist am 06.05.2013 vor dem Gericht in München (Bayern) von Journalisten umringt. © dpa
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Die Kinder des ersten NSU-Opfers, Enver Simsek, sind am Gericht eingetroffen und werden von Journalisten bestürmt © Steffi Wegele
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Immer mehr Demonstranten versammeln sich rund um das Gerichtsgebäude © Steffi Wegele
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Gegenüber vom Gerichtsgebäude findet eine Kundgebung zum Gedenken an die Opfer des NSU-Trios statt © Steffi Wegele
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Gegenüber vom Gerichtsgebäude findet eine Kundgebung zum Gedenken an die Opfer des NSU-Trios statt © Steffi Wegele
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Gegenüber vom Gerichtsgebäude findet eine Kundgebung zum Gedenken an die Opfer des NSU-Trios statt © Steffi Wegele
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Gegenüber vom Gerichtsgebäude findet eine Kundgebung zum Gedenken an die Opfer des NSU-Trios statt © Steffi Wegele
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Die Angeklagte Beate Zschäpe (links vorne) wird am 06.05.2013 zum Prozessauftakt ins Gericht in München (Bayern) gebracht. Hier geht's zum aktuellen Live-Ticker zum NSU-Prozess auf merkur-online.de © dpa
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Zwei junge Türkinnen rennen vor dem Gericht umher und brüllen laut "Tod" und "Nazis" © Steffi Wegele
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Das sorgt für einen großen Tumult © Steffi Wegele
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Offenbar haben die jungen Frauen die Polizisten zudem provoziert, indem sie versuchten, über die Absperrung zu gelangen © Steffi Wegele
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Die Beamten nahmen die jungen Frauen daraufhin fest © Steffi Wegele
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 © Steffi Wegele
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Oberbürgermeister Christian Ude beobachtet den Tumult um die beiden jungen Türkinnen © Steffi Wegele
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Oberbürgermeister Christian Ude: "Die Richter haben die internationale Dimension (des Prozesses) nicht frühzeitig erfasst" und Fehler aus "purer Tolpatschigkeit" begangen. © Steffi Wegele
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Polizisten haben die Nymphenburger Straße vor dem Landgericht nun komplett abgesperrt. © Steffi Wegele
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Die Demonstranten bringt das in Rage, weil die Beamten ihre Plakate und Banner verdecken © Steffi Wegele
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Zwei junge, türkischstämmige Frauen versuchen am 06.05.2013 vor dem Gericht in München gewaltsam in die Bannmeile des Gerichtes einzudringen und überrennen dabei einen Mann. © dpa
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Polizisten nehmen am 06.05.2013 vor dem Gericht in München eine Demonstrantin fest. © dpa
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Polizisten nehmen am 06.05.2013 vor dem Gericht in München eine Demonstrantin fest. © dpa
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Polizisten nehmen am 06.05.2013 vor dem Gericht in München eine Demonstrantin fest. © dpa
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Inzwischen können sich beide jungen Frauen wieder frei bewegen... © dpa
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...und demonstrieren weiter. Auf dem Banner, das sie halten, steht "Wir fordern Gerechtigkeit". © Steffi Wegele
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Polizeibeamte schirmen die beiden jungen Frauen inzwischen dauerhaft ab © Steffi Wegele
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Allmählich füllt sich der Gerichtssaal © Philipp Vetter
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Beate Zschäpe betritt den Gerichtssaal mit verschränkten Armen und eiskaltem Blick © AP
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Zum Prozessauftakt erscheint Zschäpe in schwarzem Anzug und weißer Bluse © dpa
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Beate Zschäpe wendet sich so schnell wie möglich von den Fotografen ab. Die Angehörigen der Opfer würdigt sie keines Blickes. © dpa
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Die Angeklagte Beate Zschäpe (M - rechts) steht vor Beginn des Prozessauftaktes im Gerichtssaal mit ihren Anwälten Wolfgang Stahl (l), Wolfgang Heer (r) und Anja Sturm zusammen und dreht den Zuschauern den Rücken zu. © dpa
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Der Angeklagte Ralf Wohlleben sitzt am 06.05.2013 vor Beginn des Prozesses im Gerichtssaal in München (Bayern) an seinem Platz. © dpa
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Der Angeklagte Andre E. sitzt am 06.05.2013 vor Beginn des Prozesses im Gerichtssaal in München (Bayern) an seinem Platz und dreht sein Gesicht weg. © dpa
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Die Anwälte der Angeklagten Beate Zschäpe, Wolfgang Stahl (l-r), Anja Sturm und Wolfgang Heer stehen am 06.05.2013 vor Beginn des Prozesses hinter der Anklagebank im Gerichtssaal in München. © dpa
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Mit fast halbstündiger Verspätung eröffnen die Richter den NSU-Prozess © Philipp Vetter
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Mahir Zeytingolu, Vorsitzender des Tüdek e.V. in München, hat einen schwarzen Trauerkranz mit der Aufschrift "In Memoriam" in Gedenken an die NSU-Opfer vor dem Gerichtsgebäude niedergelegt © Steffi Wegele
NSU-Prozess
Mahir Zeytingolu, Vorsitzender des Tüdek e.V. in München, hat einen schwarzen Trauerkranz mit der Aufschrift "In Memoriam" in Gedenken an die NSU-Opfer vor dem Gerichtsgebäude niedergelegt © Steffi Wegele
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Mahir Zeytingolu, Vorsitzender des Tüdek e.V. in München (3.v.l.), hat einen schwarzen Trauerkranz mit der Aufschrift "In Memoriam" in Gedenken an die NSU-Opfer vor dem Gerichtsgebäude niedergelegt © Steffi Wegele
NSU-Prozess
Außerdem ließen Zeytingolu und andere Vereinsmitglieder über 100 schwarze Luftballons steigen © Steffi Wegele
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Außerdem ließen Zeytingolu und andere Vereinsmitglieder über 100 schwarze Luftballons steigen © Steffi Wegele
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Einige davon blieben in den Bäumen rund um das Gerichtsgebäude hängen © Steffi Wegele
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Polizisten stehen am 06.05.2013 vor dem Landgericht München vor Demonstranten. © dpa
NSU-Prozess
Neonazi Karl-Heinz Statzberger und der Bruder des Angeklagten André E., Maik E. (r.), versuchen schon zum zweiten Mal an diesem Tag, ins Gericht zu kommen - dieses Mal über die Zuschauerliste. Gegen 15 Uhr haben es die beiden geschafft: Sie sitzen im Saal © Steffi Wegele
Maik E., Bruder des Angeklagten André E., im Gerichtssaal. © dpa
"Wir wollen Gerechtigkeit" steht auf der ersten Seite der "Türkiye". Noch nie in der Geschichte der Zeitung soll es eine deutsche Überschrift gegeben haben. © Steffi Wegele
Machte am ersten Tag des Prozesses im Laufe des Tages wahrscheinlich das Geschäft ihres Lebens: Die Bäckerei nahe des OLG: Hier arbeiteten viele Journalisten und versorgten sich mit Kaffee. © Steffi Wegele
So sieht es im Medienraum aus. © Steffi Wegele
Die Anwaltskanzlei des Verteidigers von Ralf Wohlleben wurde Opfer eines Anschlags. © dpa
An der Mauer der Kanzlei prangt der Schriftzug: „Rassismus tötet - NSU-Anwalt!“ © dpa
Der erste NSU-Prozesstag endete mit einem Paukenschlag: Wegen der Befangenheitsanträge wurde die Sitzung vertagt. Weiter geht es erst am 14. Mai. © Steffi Wegele
Beate Zschäpe wurde nach dem ersten Prozesstag von einem Mann mit Sturmhaube zum Auto geführt. Sie wurde dann zurück ins Gefängnis gebracht. © dpa
Beate Zschäpe wurde nach dem ersten Prozesstag von einem Mann mit Sturmhaube zum Auto geführt. Sie wurde dann zurück ins Gefängnis gebracht. © dpa
Beate Zschäpe wurde nach dem ersten Prozesstag von einem Mann mit Sturmhaube zum Auto geführt. Sie wurde dann zurück ins Gefängnis gebracht. © dpa

18 Uhr: Die Polizei ist zufrieden mit dem Verlauf des Einsatzgeschehens. „Aus Sicht der Münchner Polizei ist bislang alles friedlich und störungsfrei verlaufen. Die Sicherheit war zu jedem Zeitpunkt gewährleistet", so eine Erklärung ders Polizeipräsidiums. Über 500 Einsatzkräfte seien eingesetzt worden.

„Wir werden versuchen, die Verkehrsbeeinträchtigungen auf das absolut notwendige Maß zu beschränken und die Betroffenen rechtzeitig zu informieren", so Polizeivizepräsident Robert Kopp. Am Montagmorgen mussten in den Haltverbotszonen im Bereich des Strafjustizzentrums insgesamt sieben Fahrzeuge abgeschleppt werden.

17.50 Uhr: Männer mit Sturmhauben bringen Beate Zschäpe zu einem Auto. Sie wird zurück ins Gefängnis gebracht. 

17.45 Uhr: Für die Angehörigen ist die Vertagung wie ein Schlag ins Gesicht. Wie der freie Journalist Daniel Hähle twittert, sagte die Tochter des ermordeten Enver Simsek, Semiya Simsek: "Es hätte losgehen müssen, das belastet alle Familien. Jetzt müssen wir wieder warten. Das ist eine Zumutung." 17.23 Uhr: Wie Philipp Vetter vom Münchner Merkur twittert, soll bis Dienstag nächster Woche ein "anderer OLG-Senat über Befangenheitsanträge gegen die NSU-Richter entschieden haben."

17.06 Uhr: Die Sitzung wurde vertagt. Alle Termine entfallen in dieser Woche wegen der Befangenheitsanträge. Der Prozess wird erst am 14. Mai fortgesetzt. Das sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl.

Zuvor hatten die Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe sowie des Angeklagten Ralf Wohlleben Befangenheitsanträge gegen den Vorsitzenden Richter gestellt. Wohlleben lehnte zudem auch zwei weitere Richter wegen Besorgnis der Befangenheit ab.

Kaltblütig ermordet - Die Opfer der Terrorzelle NSU

Zwischen 2000 und 2007 sollen die Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) zehn Menschen umgebracht haben. Die Opfer wurden kaltblütig erschossen, aus nächster Nähe - so das Ergebnis der bisherigen Ermittlungen. Hinzu kamen zwei Sprengstoffanschläge mit insgesamt 23 Verletzten.Die mutmaßlichen Täter und NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt entkamen immer unerkannt. Eine Übersicht: © dpa
9. September 2000, Nürnberg: Der türkische Blumenhändler Enver Simsek (38) wird beim Arbeiten erschossen. © dpa
19. Januar 2001, Köln: In einem iranischen Lebensmittelgeschäft explodiert ein Sprengsatz. Die 19-jährige Tochter des Inhabers wird schwer verletzt. Das Bild zeigt den Vorsitzenden des NSU-Untersuchungsausschusses beim Treffen mit den überlebenden Opfern des NSU. © dpa
13. Juni 2001, Nürnberg: Mundlos und Böhnhardt erschießen den Türken Abdurrahim Özüdogru (49) in seiner Änderungsschneiderei. © dpa
27. Juni 2001, Hamburg: Der türkische Händler Süleyman Tasköprü (31) stirbt durch mehrere Kopfschüsse in seinem Lebensmittelladen. © dpa
29. August 2001, München: Mundlos und Böhnhardt erschießen den türkischen Gemüsehändler Habil Kilic (38) in seinem Geschäft. © dpa
25. Februar 2004, Rostock: Die Rechtsterroristen töten den türkischen Imbissverkäufer Mehmet Turgut (25). © dpa
9. Juni 2004, Köln: Die Terroristen zünden eine Nagelbombe vor einem türkischen Friseursalon in der Keupstraße. 22 Menschen werden zum Teil lebensgefährlich verletzt. © dpa
9. Juni 2005, Nürnberg: Ismail Yasar (50) wird in seinem Döner-Imbiss getötet. © dpa
15. Juni 2005, München: Der Grieche Theodoros Boulgarides (41) stirbt durch drei Kopfschüsse in seinem Schlüsseldienst-Laden. © dpa
4. April 2006, Dortmund: Mundlos und Böhnhardt töten den türkischstämmigen Kioskbetreiber Mehmet Kubasik (39). © dpa
6. April 2006, Kassel: Halit Yozgat (21) stirbt durch Schüsse in seinem Internet-Café. © dpa
25. April 2007, Heilbronn: Die Polizistin Michèle Kiesewetter (22) wird erschossen, ihr Kollege (24) überlebt schwer verletzt. © dpa

16.55 Uhr: Das OLG hat auch den Befangenheitsantrag der Verteidiger des Angeklagten Ralf Wohlleben gegen den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl und zwei weitere Richter vorläufig zurückgestellt. Auch darüber muss aber nun laut Strafprozessordnung „spätestens bis zum Beginn des übernächsten Verhandlungstages“ entschieden werden

16.25 Uhr: Im Zusammenhang mit dem NSU-Prozess ist ein Anschlag auf das Büro des Anwalts des ehemaligen NPD-Funktionär Ralf Wohlleben in Cottbus verübt worden. Unbekannte schlugen in der Nacht zum Montag Fensterscheiben mit Steinen ein. Außerdem besprühten sie die Fassade mit einem elf Meter langen Schriftzug „Rassismus tötet - NSU-Anwalt!“. Die Polizei bestätigte entsprechende Informationen der Lausitzer Rundschau.

16.11 Uhr: Philipp Vetter - für den Münchner Merkur im Gerichtssaal - twittert: "Zweiter Befangenheitsantrag, diesmal von Wohlleben, Anwalt begründet über eine Stunde lang, jetzt wieder Pause"

Der Befangenheitsantrag wurde gegen den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl sowie zwei weiterer Richter des Staatsschutzsenats gestellt. Wohlleben lehne die Richter wegen Besorgnis der Befangenheit ab, sagte dessen Anwalt Olaf Klemke am Montag vor dem Münchner Oberlandesgerichts (OLG).

Während der Pause sitzt Beate Zschäpe laut PZ hautnah "völlig gelassen auf der Anklagebank und surft oder arbeitet am Computer".

16 Uhr: Nach und nach löst sich die Menge vor dem Gerichtsgebäude auf, es wird leerer auf dem Platz. Gerüchten zufolge soll sich der erste Prozesstag dem Ende zuneigen. Könnte sein, dass die Prozessbeteiligten bald aus dem Gebäude heraus kommen.

15.40 Uhr: Vor dem Gerichtsgebäude verteilt der Chefredakteur der türkischen Zeitung "Türkiye" höchstpersönlich sein Blatt. Angeblich erstmals in der Geschichte der Zeitung prangt auf der Seite 1 eine Überschrift in Deutsch: "Wir wollen Gerechtigkeit"

15.11 Uhr: Jetzt sind die beiden Neonazis tatsächlich im Gerichtssaal angekommen. Es bleibt abzuwarten, ob sie sich angemessen benehmen. Bei dem zweiten Mann soll es sich übrigens um Maik E. handeln - er ist der Bruder des Angeklagten André E.

14.59 Uhr: Kleine Berichtigung: Die beiden Neonazis haben es jetzt offenbar in das Gerichtsgebäude geschafft. Im Gerichtssaal sind sie noch nicht aufgetaucht. Wenn Zuschauer den NSU-Prozess verlassen sollten, können sie dort aber ganz regulär nachrücken. Eine Gerichtssprecherin sagte dazu, man könne Zuschauer nicht wegen ihrer Gesinnung aussperren. Solange sie nicht stören, müsse man sie reinlassen.

14.27 Uhr: Vor dem Gericht tummeln sich Schaulustige, Journalisten und Polizisten. Neonazi Karl-Heinz Statzberger und ein Kumpel versuchen erneut ins Gericht zu kommen - über die Zuschauerliste. Auch einige Opfer des Nagelbombenanschlags von Köln, die keinen Platz als Nebenkläger zugesprochen bekommen hatten, hatten sich vor dem Gericht versammelt und sind schließlich im Gebäude verschwunden.

14.20 Uhr: Philipp Vetter, der für den Münchner Merkur im Gerichtssaal sitzt twittert, dass inzwischen ein Senatsbeschluss beantragt wurde. "Zähe Angelegenheit."

Zschäpe vor Gericht: Cool und undurchschaubar

13.56 Uhr: Die Mittagspause ist zu Ende. Und schon gibt es die nächste Unterbrechung. Der Grund: Richter Götzl hat eine Verfügung erlassen, dass der Befangenheitsantrag vorläufig zurückgestellt und weiterverhandelt werden soll. Darüber muss nun laut Strafprozessordnung "spätestens bis zum Beginn des übernächsten Verhandlungstages" entschieden werden. Der Anwalt des Angeklagten Ralf Wohlleben hat dennoch eine Pause beantragt.

13.51 Uhr: Der türkische Botschafter musste sich als Zuschauer anstellen, um in den Gerichtssaal zu kommen. Er hat tatsächlich in den NSU-Prozess geschafft und freut sich: "Dass es endlich angefangen hat, dass der Ball rollt, war wichtig."

13.49 Uhr: Die Richter haben schon wieder Verspätung. Alle müssen warten, bis der Prozess nach der Mittagspause fortgesetzt werden kann. Zschäpe nutzt die Zeit für einige Blicke in Richtung der oberen Zuschauerplätze.

13.48 Uhr:  Beate Zschäpe ist wieder im Gerichtssaal. Sie wird von zehn Polizisten bewacht und redet mit ihren Anwälten.

13.45 Uhr: Die Sperre der Nymphenburger Straße ist vor geraumer Zeit wieder aufgehoben worden. Auch die beiden demonstrierenden jungen Mädchen, die für einen Tumult gesorgt hatten, sind inzwischen verschwunden.

Opferanwalt Lucas: Der Prozess ist "unheimlich spannend"

13.38 Uhr: Die als Nebenkläger zum NSU-Prozess gekommenen 24 Opferangehörigen haben die erste Begegnung mit der Hauptangeklagten Beate Zschäpe sehr gefasst aufgenommen. Das sagte die Ombudsfrau der Bundesregierung, Barbara John, am Montag in einer Prozesspause. Die Familien habe sie als sehr ruhig empfunden. Es sei für sie sehr erleichternd, dass der Prozess endlich begonnen habe. Viele wollten an weiteren Tagen wiederkommen.

13.30 Uhr: Stefan Lucas, Anwalt der Angehörigen des getöteten Enver Simsek, hat sich kurz zum NSU-Prozess geäußert. Im Gerichtssaal sei es "unheimlich spannend", weil Zschäpe schweige - was ihr gutes Recht sei - obwohl sie so viel wisse. Für die Angehörigen der Opfer sei die Situation jedoch schwer zu ertragen.

13.20 Uhr: Die Pressesprecherin des Oberlandesgerichts, Andrea Titz, hat um kurz vor 13 Uhr eine Stellungnahme dazu abgegeben, was heute beim NSU-Prozess noch zu erwarten ist: "Die Bundesanwaltschaft wird um 13.30 Uhr Gelegenheit haben, Stellung zu nehmen zu dem Befangenheitsantrag. Anschließend sind noch weitere Anträge seitens eines weiteren Verteidigers und seitens eines Nebenklägervertreters angekündigt. Und dann wird das Gericht entscheiden, ob es darüber gleich entscheidet oder erst im Verlauf des weiteren Verfahrens. Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Anklage heute noch verlesen wird. Der Prozess wird heute vermutlich bis 16.30 oder 17 Uhr fortgesetzt werden."

"Beate Zschäpe hat es genossen, im Mittelpunkt zu stehen"

12.50 Uhr: Kai Feldhaus ist für die Bild-Zeitung beim NSU-Prozess vor Ort und hat beim Bäcker um die Ecke einen von Beate Zschäpes Verteidigern getroffen. Sein Mittagessen bestand aus Apfelschorle und Filterzigaretten.

12.23 Uhr: Opferanwalt Mehmet Gürcan Daimagüler sagt gegenüber der Zeit über Zschäpes Benehmen vor Gericht: "Ich hatte das Gefühl, es gefiel ihr im Mittelpunkt zu stehen."

12.20 Uhr: Demonstranten haben Schilder mit den Fotos und Namen der NSU-Opfer vor dem Gericht niedergelegt. Die Polizei hat nun veranlasst, dass die Schilder wieder weggeräumt werden.

12.16 Uhr: Der Presseraum im Gericht ist rappelvoll. Es sind so viele Journalisten vor Ort, dass sie sich aus Platznot zum Teil einfach in die Gänge des Gerichts setzen und dort schreiben.

12.09 Uhr: Mittagspause beim NSU-Prozess. Für kurz vor 13 Uhr wurde eine Stellungnahme angekündigt. Der Prozess soll gegen 13.30 Uhr fortgesetzt werden. Ersten Einschätzungen zufolge wird es heute nicht mal mehr zur Verlesung der Anklage kommen.

Bei Opfer-Angehörigen liegen die Nerven blank

12.04 Uhr: Bei den Angehörigen der NSU-Opfer, die es nicht in den Gerichtssaal geschafft haben, liegen die Nerven blank. "Mir geht es nicht gut", sagte Fatih Demirtas, Ehemann von Semiya Simsek, deren Vater das erste Mordopfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ war. "Ich bin mit den Gedanken die ganze Zeit im Prozess", sagte Demirtas. Er bedauert, dass es für ihn keine Möglichkeit gab, in den Saal zu kommen. Seine schwangere Frau Semiya Simsek ist im Gerichtssaal. „Sie will wissen und fragen, warum es gerade ihre Familie traf.“

12.01 Uhr: Offenbar sind weniger Nebenkläger zum NSU-Prozess erschienen, als zunächst erwartet. Ein Grund hierfür dürfte das Terminchaos im Vorfeld des Verfahrens sein. Ein anderer Grund ist  sicherlich auch, dass manche Angehörige von NSU-Opfern die Konfrontation mit Beate Zschäpe nicht ertragen hätten. Bereits am Morgen hatte die Pressesprecherin des Oberlandesgerichts, Andrea Titz, noch einmal Betont, wie groß die Belastung für die Nebenkläger sei.

11.47 Uhr: Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) erwartet vom NSU-Prozess eine Veränderung im Land. „Ich hoffe, dass ein Ruck durch Deutschland geht“, sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek am Montag. Andererseits müsse man sich auch bewusst machen, "dass dieser Sumpf noch lange nicht ausgetrocknet ist."

Erste Unterbrechung im NSU-Prozess nach Befangenheitsantrag

11.35 Uhr: Der Vorsitzende des Tüdek e.V. München, Mahir Zeytinoglu, hat einen schwarzen Trauerkranz mit der Aufschrift "In Memoriam" zum Gericht gebracht. Er wird in den nächsten Minuten vor dem Gebäude niedergelegt. Außerdem haben einige Vereinsmitglieder über 100 schwarze Luftballons in Gedenken an die Opfer des NSU-Terrors steigen lassen. Vereinzelt blieben sie in den Bäumen rund um das Gerichtsgebäude hängen.

11.32 Uhr: Die Unterbrechung hat doch ganze 20 Minuten gedauert. Inzwischen wurde der Prozess aber wieder fortgesetzt. Hintergrund des Befangenheitsantrags war die Forderung von Richter Götzl, dass die Verteidiger vor Betreten des Sitzungssaals etwa auf Waffen durchsucht werden sollen, nicht aber die Vertreter der Bundesanwaltschaft sowie Polizeibeamte und Justizbedienstete. Nebenklage-Vertreter kritisierten den Antrag der Verteidiger scharf. "Die verletzte Eitelkeit von Verteidigern ist kein Grund für einen Befangenheitsantrag", sagte ein Anwalt. "Die Qual der Opfer, die hier sitzen, soll verlängert werden."

11.15 Uhr: Die beiden jungen Frauen, die für den Tumult gesorgt hatten, weil sie über die Absperrung wollten, demonstrieren weiter. Sie tragen ein Transparent mit der Aufschrift "Wir fordern Gerechtigkeit" und werden von mehreren Polizeibeamten abgeschirmt. Der Neonazi Karl-Heinz Statzberger hat das Gerichtsgebäude inzwischen wieder verlassen.

10.55 Uhr: Unabhängig vom Antrag des Opfer-Anwalts kommt es zu einer Unterbrechung des Prozesses. Beate Zschäpe hat am Samstag einen Befangenheitsantrag gestellt. Als ihr Verteidiger, Wolfgang Stahl, von Richter Manfred Götzl wissen will, wie er mit dem Antrag verfahren will, weigert sich dieser, sich dazu zu äußern. Daraufhin beantragt Stahl eine kurze Unterbrechung. In fünf Minuten soll es vorerst weitergehen, twittert Philipp Vetter aus dem Gerichtssaal.

Opfer-Anwalt fordert Unterbrechung von mindestens einer Woche

10.52 Uhr: Einem Bericht des Spiegel zufolge hat der Rechtsanwalt Khubaib-Ali Mohammed, der NSU-Opfer aus Köln vertritt, bereits vor Prozessbeginn per Fax eine Unterbrechung der Hauptverhandlung für mindestens sieben Tage beantragt. Hintergrund ist ein NSU-Attentat vom 9. Juni 2004, dessen Opfer bislang nicht als Opfer galten und benachrichtigt werden sollen, bevor der Prozess fortgesetzt wird.

10.47 Uhr: Die Polizei stellt klar, dass die jungen Frauen nicht festgenommen wurden. Sie wurden lediglich mit Polizeigewalt daran gehindert, die Absperrung zu überwinden. Inzwischen dürfen sie sich wieder frei bewegen.

10.29 Uhr: Die Richter betreten den Saal. Vor dem Gericht bleibt die Stimmung unterdessen angespannt. Die Nymphenburger Straße ist bis auf weiteres gesperrt, obwohl dies laut Polizei so nicht geplant war. Die Demonstranten versuchen sich weiterhin Gehör zu verschaffen.

10.17 Uhr: Die Richter lassen sich offenbar Zeit. Inzwischen sind sie bereits 15 Minuten zu spät. Die Angeklagten warten, twittert Philipp Vetter.

10.14 Uhr: Zschäpe betritt den Gerichtssaal mit verschränkten Armen und versteinertem Blick, twittert Philipp Vetter, der für den Münchner Merkur im Gerichtssaal sitzt. Sie trägt einen schwarzen Anzug und eine weiße Bluse. Den Fotografen wendet sie den Rücken zu und auch die Angehörigen der Opfer würdigt sie keines Blickes. Zwei der anderen Angeklagten verstecken ihre Gesichter hinter Aktendeckeln und Kapuzen.

Polizei nimmt zwei junge Türkinnen fest

9.52 Uhr: Die Polizei hat die Nymphenburger Straße vor dem Gericht komplett gesperrt. Dutzende Beamten haben sich auf der Straße postiert. Das bringt die Demonstranten in Rage, weil die Polizisten so ihre Plakate und Banner verdecken.

9.50 Uhr: Die Polizei hat die beiden Unruhestifterinnen offenbar festgenommen. Sie sollen die Beamten provoziert haben. Außerdem haben sie angeblich versucht, die Absperrung vor dem Gericht zu überwinden. OB Ude versucht zu schlichten.

9.45 Uhr: Aufregung vor dem Gericht: Zwei türkische Mädchen rennen umher und brüllen die Worte "Tod" und "Nazis". OB Ude steht daneben und sieht sich das Spektakel an.

9.43 Uhr: Einer der Angeklagten hat den Wartenden aus dem Gefangenenwagen heraus offenbar den Mittelfinger gezeigt.

9.35 Uhr: Im Gerichtssaal ist es inzwischen brechend voll. Und auch ein Neonazi hat es offenbar ins Gebäude geschafft: Karl-Heinz Statzberger. Er gilt als Kumpel von Martin Wiese.

Beate Zschäpe und Verteidiger am Gericht eingetroffen

9.13 Uhr: Allmählich geht es rund vor dem Gericht: Auf der gegenüberliegenden Straßenseite findet momentan eine Kundgebung statt. Immer mehr Demonstranten positionieren sich unabhängig davon mit Schildern und Plakaten rund um den Vorplatz des Gerichtsgebäudes. Vor dem Eingang kam es kurzzeitig zu tumultartigen Szenen, weil die Kinder des ersten NSU-Opfers, Enver Simsek, zusammen mit ihren Anwälten eingetroffen sind und einige Interviews gegeben haben, bevor sie schließlich im Gebäude verschwanden.

8.56 Uhr: Auch die drei Verteidiger von Beate Zschäpe, Wolfgang Heer, Wolfgang Stahl und Anja Sturm sind eingetroffen. Sie fuhren mit Autos in die Tiefgarage, betraten das Gericht aber anschließend durch den Haupteingang. Kommentare zum Prozess gaben sie keine ab.

Hier geht's zu unserem Video: Beate Zschäpe trifft mit Blaulicht und Sirene ein

8.48 Uhr: Mehrere Fahrzeuge sind mit Blaulicht und Sirene am Gericht eingetroffen und in der Tiefgarage verschwunden. Nach Angaben eines Polizeispreches saß Beate Zschäpe im mittleren von insgesamt drei Wagen, einem gepanzerten schwarzen Jeep. Sie wird die Zeit bis zum Prozessbeginn in einem Haftraum verbringen. Am Haupteingang ist inzwischen Oberbürgermeister Christian Ude eingetroffen.

8.45 Uhr: Die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Gerichtsgebäude sind so scharf, dass nicht einmal Fahrräder dort abgestellt werden dürfen. Außerdem gelten in der Nymphenburger Straße, Erzgießereistraße, Linprunstraße und Sandstraße Halteverbote für Autos. Sie gelten laut Polizei immer Dienstags, Mittwochs, Donnerstags, an Werktagen, zwischen 7 und 18 Uhr.

8.28 Uhr: Dem Vernehmen nach sind vier der Angeklagten bereits im Gerichtsgebäude. Der Transport von Beate Zschäpe hat sich jedoch offenbar etwas nach hinten verschoben. Angeblich ist ihr Transport erst um 8 Uhr losgefahren und wird wohl erst demnächst am Gericht eintreffen.

Leutheusser-Schnarrenberger erhofft sich "neue Erkenntnisse"

8.13 Uhr: Auch Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat sich am Montag bereits zum NSU-Prozess geäußert. Gegenüber der "Passauer Neuen Presse" kündigte sie an, dass es im "bedeutendsten Strafprozess, der in Deutschland in letzter Zeit geführt wurde", eine umfassende Beweisaufnahme geben werde. Davon erhoffe sie sich unter anderem "neue Erkenntnisse".

8.07 Uhr: Mahmut Tanal ist Mitglied im Ausschuss für Menschenrechte im türkischen Parlament und harrt seit den frühen Morgenstunden vor dem Besuchereingang des Landgerichts aus. Über den NSU-Prozess und die Vergabe der Plätze sagt er: "Es gibt einige Fragen, die wirklich geklärt werden müssen, wenn wir gut zusammenleben wollen. Bei uns gibt es auch große Prozesse. Wenn Freunde aus der EU kommen, um sich darüber zu informieren, sorgen wir dafür, dass sie dabei sein können. Aber wir stehen gerne hier."

7.41 Uhr: Die ersten Demonstranten haben ihre Plakate ausgepackt (Foto folgt). Noch ist die Lage aber entspannt.

Einige Hartgesottene harren seit Sonntag vor dem Gericht aus

7.22 Uhr: Besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten für den Gefangenentransport. Er wird gegen 7.30 Uhr erwartet und soll über die Erzgießerei- und Linprunstraße in die Tiefgarage des Gerichtsgebäudes fahren. Dort soll dann Beate Zschäpe vor neugierigen Blicken geschützt aussteigen können. Erst im Gerichtssaal werden die Angehörigen der NSU-Opfer auf die Hauptangeklagte treffen. Die Pressesprecherin des Oberlandesgerichts München, Andrea Titz, hat am Montagmorgen bereits um kurz vor 7 Uhr zu den Pressevertretern gesprochen und mitgeteilt, dass die überlebenden Opfer und Angehörige der verstorbenen Opfer sich den Saal am Sonntag bereits ansehen durften, um sich besser auf den Prozess einstellen zu können.

Der NSU-Prozess: Zentrale Fragen rund um das Verfahren

Zehn Menschen sind tot, mehr als dreizehn Jahre lang konnten die Täter unerkannt im Untergrund leben. Jetzt beginnt endlich der mit Spannung erwartete Prozess um die Verbrechen der Terrorzelle NSU. Nachlangen Querelen und mit knapp dreiwöchiger Verspätung soll an diesem Montag der NSU-Prozess in München beginnen. Einige zentrale Fragen zu dem Verfahren, das schon jetzt als eines der wichtigsten der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt: © dpa
Wer steht in München vor Gericht? Hauptangeklagte ist Beate Zschäpe. Sie soll mit den Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos die Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ ( NSU) gebildet haben. Zschäpe ist die einzige Überlebende des Trios... © dpa
...Mundlos und Böhnhardt töteten sich, um einer Festnahme zu entgehen. Die Anklage wirft der 38-Jährigen Mittäterschaft bei allen Taten des NSU vor: zehn Morde, zwei Bombenanschläge und zahlreiche Banküberfällen. Zudem sind vier mutmaßliche Helfer und Unterstützer der Gruppe angeklagt: Ralf Wohlleben und Carsten S. wegen Beihilfe zum Mord - sie sollen die Pistole vom Typ Ceska besorgt haben, mit der neun Menschen ermordet wurden; außerdem André E. und Holger G. wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung © dpa
Warum findet der Prozess in München statt? Das konnte die Bundesanwaltschaft entscheiden - wobei sie praktisch auswählen konnte zwischen den Bundesländern, in denen die Taten begangen wurden. Weil fünf der zehn Morde in München und Nürnberg verübt wurden, hat sie sich für Bayern entschieden. Der im Freistaat für derartige Verbrechen zuständige Staatsschutzsenat ist am Münchner Oberlandesgericht ( OLG) angesiedelt. © dpa
Warum musste der Prozessbeginn verschoben werden? © picture alliance / dpa
Weil es Streit um das erste Akkreditierungsverfahren für Journalisten gab. Eine türkische Zeitung, die beim ersten Verfahren leer ausgegangen war, legte erfolgreich Verfassungsbeschwerde ein. Nach der Intervention aus Karlsruhe startete das Gericht dann überraschend das ganze Vergabeverfahren noch einmal neu - und verschob den Prozessbeginn vom 17. April auf den 6. Mai. © dpa
Wie viele Richter gibt es? Der Staatsschutzsenat besteht aus fünf Richtern: Dem Vorsitzenden Manfred Götzl und vier Beisitzern. Dazu gibt es drei Ergänzungsrichter, die einspringen, falls ein Richter ausfällt. Das soll sicherstellen, dass der Prozess nicht verzögert wird. © dpa
Wer sind die Staatsanwälte? Wer hat die Anklage verfasst? © dpa
Für Terrorismus-Verfahren ist die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe unter Leitung von Generalbundesanwalt Harald Range zuständig. Sie hat die 488 Seiten starke Anklageschrift verfasst. Federführend waren dabei Bundesanwalt Herbert Diemer sowie die Oberstaatsanwälte Anett Greger und Jochen Weingarten. Es ist davon auszugehen, dass sie auch im Gerichtssaal die Anklage vertreten. © dpa
Wer sind die Nebenkläger, und wie sehen deren Rechte aus? Als Nebenkläger treten vor allem Hinterbliebene der Mordopfer auf. Etwa 80 sind laut OLG zugelassen, sie werden von mindestens 60 Anwälten vertreten. Sie alle können sich aktiv ins Verfahren einbringen, können Fragen und Anträge stellen. © dpa
Zschäpe wird Mittäterschaft vorgeworfen. Was bedeutet das?Im Strafgesetzbuch heißt es: „Begehen mehrere die Straftat gemeinschaftlich, so wird jeder als Täter bestraft (Mittäter).“ Hierfür ist es nicht nötig, dass der Mittäter selbst am Tatort unmittelbar beteiligt war. Laut Bundesanwaltschaft betrachteten die NSU-Mitglieder ihre Verbrechen als gemeinsame Taten, die sie in einer aufeinander abgestimmten Arbeitsteilung verübten. Demnach hatte Zschäpe „die unverzichtbare Aufgabe, dem Dasein der terroristischen Vereinigung den Anschein von Normalität und Legalität zu geben“. Nach Einschätzung der Ankläger reicht das für die Mittäterschaft aus. Ob das Gericht dem folgt, wird eine der juristisch spannenden Fragen. © picture alliance / dpa
Welche Strafe droht Zschäpe?Mittäter werden genauso bestraft wie unmittelbare Täter. Also droht Zschäpe lebenslange Haft. Zudem sind nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft die Voraussetzungen für eine anschließende Sicherungsverwahrung erfüllt. © dpa
Was ist, wenn Zschäpe keine Mittäterschaft nachgewiesen werden kann? Denkbar ist auch eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Mord, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie Brandstiftung und versuchtem Mord in drei Fällen. Zschäpe hatte laut Anklage die letzte Wohnung des Trios in Brand gesteckt - in einem Haus, in dem sich zu dem Zeitpunkt normalerweise drei weitere Menschen aufhielten. © dpa
Wie viele Verhandlungstage gibt es, wie lange dauert der Prozess?Nach der Verschiebung des Prozessbeginns sind zunächst 80 Verhandlungstage angesetzt, und zwar bis Januar 2014. Das Gericht rechnet aber selbst schon damit, dass dies bei weitem nicht ausreichen wird. © dpa
Gibt es eigentlich noch Ermittlungen gegen weitere Personen?Ja. Die Bundesanwaltschaft ermittelt nach wie vor gegen einige weitere Personen, die den NSU in irgendeiner Weise unterstützt haben sollen. Ob es zu weiteren Anklagen kommt, ist aber noch offen. © picture alliance / dpa

7.10 Uhr: Noch ist der Besucheransturm vor dem Gerichtsgebäude überschaubar. Auch von den tausenden Demonstranten, die für 8 Uhr erwartet werden, sind erst die Frühaufsteher vor Ort. Nur einige Hartgesottene, die unbedingt einen der insgesamt nur 50 Besucherplätze im Gerichtssaal ergattern wollen, haben die ganze Nacht vor dem Gericht ausgeharrt. Die Polizeipräsenz ist hingegen enorm. Schon an der U-Bahn-Station am Stiglmaierplatz trifft man auf Dutzende Beamte.

Alle Hintergründe zum Prozess in München finden Sie auf merkur-online.de

Vom NSU-Prozess berichten Philipp Vetter und Ann-Kathrin Gerke für die Offenbach Post und den Münchner Merkur sowie Eberhard Unfried und Dorita Plange für hallo-muenchen.de und die tz. Für merkur-online.de ist Steffi Wegele vor Ort. /dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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