Schwere Vorwürfe gegen Fahnder

Hielten NSU-Ermittler V-Mann-Infos zurück?

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Der Bundestags-Untersuchungsausschusses zu den Morden der rechtsextremen Terrorzelle NSU, tagt im Paul-Löbe-Haus in Berlin.

Berlin - Der NSU-Untersuchungsausschuss beschäftigt sich derzeit mit Fehlern bei der Fahndung durch Berliner Ermittlern. Sie sollen die Informationen eines V-Manns nicht rechtzeitig weitergeleitet haben.

Der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages hat den Berliner Behörden in einer V-Mann-Affäre schwere Fehler vorgeworfen. Das Landeskriminalamt habe wichtige Informationen über das Umfeld des rechtsextremen Terror-Trios nicht an die zuständigen Stellen weitergeleitet, kritisierte SPD-Obfrau Eva Högl am Montag.

Der V-Mann Thomas S. hatte der Berliner Polizei zehn Jahre lang Erkenntnisse über die Neonazi-Musikszene geliefert. Laut Bundestagsausschuss hätten diese auch wichtige Hinweise zur NSU bringen können.

Man hätte beispielsweise nach den Worten Högls von Berlin aus herausfinden können, dass Thomas S. Kontakte zur NSU hatte. Auch hätte man erfahren können, dass er mit der Hauptverdächtigen Beate Zschäpe liiert gewesen sei, es Verbindungen nach Ludwigsburg in Baden-Württemberg gegeben und vielleicht auch, dass Thomas S. Sprengstoff geliefert habe.

Linken-Politikerin Pau wirft Fahndern Inkompetenz vor

Der Informant gab schon 2002 einen Hinweis auf den möglichen Aufenthaltsort des Trios, dem insgesamt zehn Morde angelastet werden. Bis 2002 waren bereits vier aus der Türkei stammende Männer ermordet worden. Die Obfrau der Linken, Petra Pau, warf den Berliner Fahndern Inkompetenz vor. „Ich hoffe nicht, dass wir noch irgendwo darauf stoßen, dass man versucht hat, Dinge zu verschleiern“, sagte Pau.

Sie vermutet, dass Nicht-Weiterleiten sei geschehen, weil man sich damals auf das sogenannte Landser-Verfahren konzentriert habe, also auf rechtsextremistische Musik. Thomas S. hätte schon aufgrund seines Vorstrafenregisters niemals V-Person werden dürfen, sagte die Linken-Obfrau.

Dem „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) werden Morde an türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern sowie einer Polizistin zur Last gelegt. Der Prozess gegen Zschäpe - die einzige Überlebende des Trios - und vier Mitangeklagte soll am 6. Mai in München beginnen.

dpa

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