Obama nach Kirchenmassaker: USA müssen Lehren ziehen

+
US-Präsident Barack Obama begeisterte die Anwesenden mit seiner Trauerrede. Foto: Richard Ellis

US-Präsident Obama nutzt die Trauerfeier nach dem Mord an neun Afroamerikanern für eine bewegende Rede. Das Verbrechen habe viele Probleme seines Landes offengelegt, von der Waffengewalt bis zur Diskriminierung von Schwarzen.

Charleston (dpa) - Mit Verweis auf Gott und die Bibel hat US-Präsident Barack Obama sein Land aufgefordert, die Lehren aus dem Massaker an neun Afroamerikanern in einer Kirche zu ziehen.

Es sei Zeit, "sich den unangenehmen Wahrheiten zu stellen", sagte er am Freitag bei einer Trauerfeier in Charleston (South Carolina) gut eine Woche nach dem Verbrechen. In seiner emotionalen, rund 40 Minuten langen Ansprache kritisierte Obama die anhaltende tödliche Gewalt mit Schusswaffen und die noch immer bestehende Diskriminierung von Bürgern schwarzer Hautfarbe.

Man dürfe jetzt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sagte Obama. Der mutmaßlich rassistisch motivierte Massenmord bei einer Bibelstunde Mitte Juni habe die Schwächen des Landes aufgezeigt. Gott "hat uns erlaubt zu sehen, wo wir blind waren". Erneut kritisierte er die laxen Waffengesetze in großen Teilen der USA. "Zu lange sind wir blind gewesen gegenüber dem einzigartigen Chaos, das Waffengewalt dieser Nation zufügt", sagte er.

Der mutmaßliche, geständige Mörder Dylann Roof ist nach Obamas Worten aber mit seinem Vorhaben gescheitert, das Land zu spalten. Der 21-Jährige Weiße habe nicht damit gerechnet, dass die Hinterbliebenen der Opfer mit Vergebung reagieren und dass die USA die Bluttat als Anstoß zur Selbstprüfung nutzen würden, sagte er. "Gott hat andere Vorstellungen", meinte er unter dem Jubel von mehr als 5000 Teilnehmern der Andacht für den ermordeten Pfarrer Clementa Pinckney, der auch demokratischer Senator im Landesparlament war.

Der Präsident forderte in der Rede auch die generelle Entfernung der Konföderierten-Flagge, die in einigen Südstaaten noch gehisst wird. Sie stammt aus der Bürgerkriegszeit und steht Kritikern zufolge für die damalige Bereitschaft des Südens, gegen den Norden in den Krieg zu ziehen, um die Sklaverei beibehalten zu können. Befürworter sehen sie dagegen als Symbol, um der Opfer in dem Krieg zu gedenken. "Zu lang waren wir blind gegenüber dem Schmerz, den die Konföderierten-Flagge in zu vielen unserer Bürger auslöste."

Biografie Pinckney

New York Times zu Pinckney

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.