50. Jahrestag des "Bloody Sunday"

Gedenken in Selma: Obama prangert Rassismus in den USA an

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Präsident Obama umarmt den Zeitzeugen und Politiker John Lewis bei der Gedenkveranstaltung. 

Selma/Madison - Die Proteste von Selma gelten als einer der größten Meilensteine in der Geschichte der US-Bürgerrechtsbewegung. Zum 50. Jahrestag hält ein schwarzer Präsident die Gedenkrede - und mahnt, dass trotz aller Fortschritte noch viel zu tun ist.

Der erste schwarze Präsident der USA, Barack Obama, sieht seit den historischen Protestmärschen von 1965 große Fortschritte bei der Gleichberechtigung für alle in der Nation. „Aber der Marsch ist noch nicht vorbei, das Rennen ist nicht gewonnen“, sagte Obama am Samstag in Selma (US-Staat Alabama) bei einer Feier zum Gedenken an den „Blutigen Sonntag“ vor 50 Jahren. Auch sein republikanischer Vorgänger George W. Bush nahm an der Veranstaltung teil.

In Selma hatten sich am 7. März 1965 rund 600 Demonstranten für einen Marsch in die Hauptstadt von Alabama, Montgomery, versammelt. Die Polizei stoppte den friedlichen Zug jedoch außerhalb der Stadt an der Edmund-Pettus-Brücke und prügelte die Teilnehmer brutal nieder. Die Ereignisse gingen als "Blutiger Sonntag" in die Geschichte ein.

Zwei Tage später stellte sich der afroamerikanische Bürgerrechtler Martin Luther King an die Spitze von rund 2000 Demonstranten in Selma. Um eine erneute Konfrontation mit der Polizei zu vermeiden, ließ King die Menge vor der Brücke umkehren. Am 21. März schließlich zog unter dem Schutz der Bundespolizei ein Protestmarsch unter Führung Kings in Montgomery ein. Im August 1965 unterzeichnete der damalige Präsident Lyndon B. Johnson schließlich den Voting Rights Act. Das Gesetz sollte Afroamerikaner davor schützen, aus rassistischen Gründen von Wahlen ausgeschlossen zu werden.

Obama sprach vor Zehntausenden Menschen vor dem Hintergrund zahlreicher Vorwürfe polizeilicher Diskriminierungen und exzessiver Gewaltanwendung gegen Schwarze, so in der Stadt Ferguson. Man brauche nicht den jüngsten kritischen Bericht des Justizministeriums über die Zustände in Ferguson zu lesen, um zu wissen, „dass die rassistische Geschichte dieser Nation weiter einen langen Schatten auf uns wirft“, sagte Obama in seiner leidenschaftlichen Rede. Aber er wehre sich gegen Darstellungen, denen zufolge sich im Laufe der Zeit nicht viel geändert habe.

„Was in Ferguson geschehen ist, mag kein Einzelfall sein“, erklärte Obama. „Aber es ist nicht mehr typisch oder sanktioniert von Gesetzen und Gewohnheit, wie es zweifellos vor der Bürgerrechtsbewegung der Fall war.“ In weiten Strecken der Rede richtete sich der Präsident an die junge Generation. Er rief sie auf, das Werk der Demonstranten von Selma fortzusetzen, und schloss dabei ausdrücklich auch den Kampf für Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt und bei der Bildung ein. Und, so schrieb er allen Zuhörern angesichts der notorisch niedrigen Wahlbeteiligung in den USA ins Stammbuch: „Es gibt keine Entschuldigung, nicht wählen zu gehen.“

Nach der Rede ging Obama mit seiner Familie, Bush und der Zuhörermenge über die Edmund-Pettus-Brücke von Selma. Diese ist nach einem einstigen General der Südstaaten-Armee und Mitglied des rassistischen Ku-Klux-Klans benannt. Dort waren damals die Demonstranten gewaltsam gestoppt worden.

Unterdessen haben tödliche Schüsse eines Polizisten auf einen jungen Schwarzen Proteste in der US-Stadt Madison (Wisconsin) ausgelöst. Ein Beamter habe den einer Körperverletzung verdächtigten 19-Jährigen in einer Wohnung gestellt und erschossen, nachdem er von ihm angegriffen worden sei, zitierte der Sender CNN den örtlichen Polizeichef Mike Koval. Medienberichten zufolge war der Afroamerikaner unbewaffnet.

Bilder: Tausende gedenken in Selma

dpa

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