Massenflucht im Norden Nigerias

Offenbar Hunderte Tote bei Boko-Haram-Offensive

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Soldaten patrouillieren in Borno.

Kano - Knapp sechs Wochen vor der Präsidentenwahl in Nigeria eskaliert die Gewalt im Norden des Landes. Die radikalen Islamisten der Boko Haram haben dort offenbar Hunderte Menschen getötet.

Bei einem Großangriff der Islamistenmiliz Boko Haram im Nordosten Nigerias sind offenbar Hunderte Menschen ums Leben gekommen. Ein Sicherheitsbeamter im Bundesstaates Borno sagte am Donnerstag, die Islamisten hätten elf Ortschaften überrannt und vollständig zerstört. Andere Quellen sprechen sogar von 16 Dörfern.

Mehr als 20.000 Menschen flüchteten den Behörden zufolge aus Baga und den anderen Orten in ein Camp in Bornos Hauptstadt Maiduguri. Rund 560 Menschen seien auf eine Insel im Tschad-See geflohen, wo sie ohne Lebensmittelversorgung seien. "Einige sterben an Hunger, an Kälte und an Malaria." Das UN-Flüchtlingshilfswerk teilte am Freitag mit, etwa 7300 Flüchtlinge seien allein in den vergangenen zehn Tagen im benachbarten Tschad angekommen, um sich vor den Kämpfen rund um Baga in Sicherheit zu bringen. Insgesamt sind in Nigeria laut UNHCR rund 650.000 Menschen wegen des Boko-Haram-Terrors in andere Landesteile geflohen, und Zehntausende haben im Laufe der vergangenen Monate in Nachbarländern Zuflucht gesucht.  

Da in der abgelegenen Region Telefone nur noch eingeschränkt funktionieren, dauert es häufig länger, bis es belastbare Informationen von dort gibt, sagte der Vorsteher des betroffenen Bezirks Baga, Alhaji Baba Abba Hassan örtlichen Medien. „Ich bekomme weiter neue Informationen über die Angriffe“, räumte er ein.

Der Sprecher des Nationalen Informationszentrum, Mike Omeri, sagte der Zeitung „Premium Times“ zufolge, die Lage in Baga habe sich bereits gebessert. Er weigerte sich jedoch Einzelheiten zu nennen, da es sich um einen laufenden Militäreinsatz handle.

Die Terrorgruppe hatte Baga schon vor wenigen Tagen angegriffen, eine Militärbasis übernommen und Teile der Stadt niedergebrannt. Auch bei diesem Vorfall kamen viele Menschen ums Leben. Die Anwohner seien ins Nachbarland Tschad geflohen, berichteten örtliche Medien.

Die Europäische Union zeigte sich schockiert über die jüngsten Angriffe.

Nigerias Militär plant Befreiungsaktion

Die nigerianischen Streitkräfte wollen die von der islamistischen Terrororganisation Boko Haram eingenommenen Ortschaften im Nordosten des Landes zurückerobern. Das sagte ein ranghoher Regierungsvertreter örtlichen Medienberichten zufolge am Donnerstagabend.

Boko Haram will Gottesstaat errichten

Boko Haram will im Norden Nigerias und in den angrenzen Gebieten Kameruns und des Tschads einen Gottesstaat errichten. Bei Terroranschlägen der sunnitischen Organisation sind im ölreichen westafrikanischen Staat Nigeria allein in diesem Jahr Tausende Menschen getötet worden. Zuletzt mehrten sich die Anschläge immer mehr, was Experten auch mit der Mitte Februar anstehenden Präsidentenwahl in Verbindung bringen.

Staatschef Goodluck Jonathan verurteilte in einer Wahlkampfrede am Donnerstag das Attentat auf die Redaktion des Satireblattes „Charlie Hebdo“ in Paris. Er sagte lokalen Medien zufolge aber nichts zu den jüngsten Boko-Haram-Angriffen im Norden des Landes.

dpa/afp

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