Polizei setzt verstärkt auf zentralisierte Fahndung über Facebook im Internet

Die Online-Verbrecherjagd

Pilotprojekt erfolgreich: Soziale Netzwerke mit ihren Millionen Nutzern wird die niedersächsische Polizei zukünftig noch stärker bei Fahndungen und der Lösung von Kriminalfällen einbeziehen. Foto: dpa

Hannover. Die Polizei Niedersachsen will ihre Fahndungen nach Verbrechern im Internet über das soziale Netzwerk Facebook verstärken und flächendeckend ausweiten. Hintergrund sind die Erfolge des Pilotprojektes der Polizei Hannover. Die Nutzung des sozialen Netzwerks habe „nur positive Erfahrungen“ ergeben, sagte Innenminister Uwe Schünemann am Montag in Hannover. Er will die Fahndungshilfe Facebook auch bei der nächsten Innenministerkonferenz auf den Tisch bringen.

„Bisher hatten wir acht Erfolge bei der Fahndung und Vermisstensuche“, betonte der CDU-Politiker. Ein Mädchen konnte so bereits drei Stunden nach Start der Vermisstensuche gefunden werden. Auch ein Sexualstrafverbrechen konnte dank der Hinweise über Facebook aufgeklärt werden, berichtete Schünemann.

Schlüssel zum Erfolg ist die große Menge an Kontakten, die über Facebook genutzt und geknüpft werden können. Aktuell hat die Polizei Hannover etwa 98 000 Freunde bei Facebook. „Wir erreichen so mehr junge Menschen als über Aufrufe in Zeitungen. Darauf dürfen wir nicht verzichten.“ Um die Nutzung auch rechtlich abzusichern, werde lediglich der Rahmen etwas verändert.

Zunächst werden die Öffentlichkeitsfahndung und Vermisstensuche über die Fan-Seite der Polizeidirektion Hannover zentral gesteuert. Zukünftig wird ein zentraler Internet-Facebook-Auftritt der gesamten niedersächsischen Polizei für alle Direktionen im Landeskriminalamt aufgebaut. Die einlaufenden Daten sollen dann zentral auf einem Polizei-Server gespeichert werden.

Nutzer sollen dann zu den Suchhinweisen über einen Link, also einen Hinweis auf der Internetseite, gelenkt werden. Dort werden die Informationen zu den Fällen aufgeführt. Bislang standen sie auf der Pinnwand der Polizei-Facebook-Seite. Der Link soll gewährleisten, dass die Hoheit zum Speichern und Löschen über die personenbezogenen Daten bei der Polizei bleibt. Die Daten wandern also nicht via Leitung in die zentrale Datenverwaltung von Facebook in die USA.

Die Polizei will zudem die eigene Nachwuchsförderung und -rekrutierung über Facebook verstärken. Schon jetzt würden mehr als 50 Prozent aller Interessenten für den Polizeidienst durch Facebook auf die Polizei Niedersachsen aufmerksam. Das unterstreiche die Bedeutung der Nutzung von Sozialen Netzwerken für die Polizei, sagte Schünemann. „Wir müssen uns neuen Trends anpassen.“

Die Linke im Landtag steht der Facebook-Fahndung skeptisch gegenüber: Datenschutzrechtliche Bedenken seien von Schünemann nicht ausgeräumt worden. Problematisch sei vor allem die lange Speicherung der Daten – auch von Unschuldigen.

Von Thomas Kopietz

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