Onlinesucht: Hilfe aus dem Netz

Durchschnittlich 88-mal schauen Smartphone-Nutzer am Tag laut einer Studie auf das Handy. In Hessen bietet jetzt eine virtuelle Beratungsstelle Online-Süchtigen Hilfe an. Foto: dpa

Kassel. Im Schnitt aktivierten Smartphonenutzer 88-mal am Tag ihr Handy, wie eine Studie der Uni Bonn zeigt. Die Gefahr der Online-Sucht steigt. In Hessen gibt es dazu eine virtuelle Selbsthilfegruppe.

Es ist ein alltägliches Bild auf den Straßen: Den Kopf nach unten auf das Smartphone gerichtet, gehen die Menschen tippend durch die Innenstadt. Bundesweit gelten 560.000 Menschen als Internetsüchtig. Das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hervor. In Hessen sollen laut Medienberichten umgerechnet 41.500 Menschen internetsüchtig sein.

Patrick Durner

Diese Zahlen lassen sich aber nicht bestätigen. Mit den Folgen der Internetsucht beschäftigt sich seit zwei Jahren eine hessenweit einzigartige Selbsthilfegruppe. Der Clou: Sie trifft sich online.

Die Gruppe namens „webcare“ trifft sich mittels des Programms Skype einmal die Woche, um sich auszutauschen. Das ganze funktioniert als Chat. Außerdem gibt es eine Gruppe für Angehörige, die dort ihre Sorgen loswerden können. Deutschlandweit soll es rund zehn solcher Gruppen geben.

Das Projekt, das von der Technikerkrankenkasse Hessen finanziert wird und bei der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) angesiedelt ist, gibt es seit Mitte 2013. 100 Menschen haben sich allein in diesem Jahr in der Gruppe beraten lassen, sagt Patrick Durner. Der Sozialpädagoge moderiert den Chat auf Skype.

Wer Hilfe sucht, mailt den 40-Jährigen an und erhält so seinen Zugang zum Chat. „Ob wir schreiben, sprechen oder mit Kamera sprechen, entscheiden die Teilnehmer“, sagt Durner. Die Anonymität ist also gewährt. Er biete keine Therapie, sondern gebe Ratschläge und vermittle helfen. „Es wünschen sich natürlich alle, dass sie ein Patentrezept bekommen, aber das habe ich nicht“, sagt er.

Die Abhängigkeitsformen, die er in den Gesprächen mit den Menschen festgestellt hat, sind unterschiedlich: „Rund 70 Prozent sind abhängig von Onlinespielen“, sagt Durner. Dazu gehörten Spiele wie „World of Warcraft“. Der Rest entfalle auf die Sucht von Sozialen Netzwerken wie Facebook und Instagram.

Das Smartphone nehme bei Menschen vielen eine große Rolle ein, sagt Durner. Das belegt auch eine Studie aus Bonn. Dort wurde mit einer App, die 300.000-mal runtergeladen wurde, gezeigt, wie häufig Menschen ihr Smartphone in die Hand nahmen. Im Schnitt griffen die Nutzer 88-mal täglich danach. Fazit der Studie: Smartphones machen unglücklich und abhängig. Zwei Drittel der Menschen, die sich Hilfe bei „webcare“ holen, sind laut Patrick Durner männlich und zwischen 18 und 30 Jahren alt. Die Merkmale für Onlinesucht sind verschieden - ein Zeichen sei Dosissteigerung, sagt Durner. Die Nutzer müssten immer länger Computerspiele spielen. „Sonst nutzt sich der Effekt ab“, sagt Durner.

Einen Selbsttest zur Onlinesucht und Kontakt zur Beratung: http://zu.hna.de/onlinesucht1211

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