Schüler schildern in Bildergeschichten Erfahrungen von Menschen nach Straftaten

Die Opfer im Mittelpunkt

Opfer-Schicksale in Bildergeschichten: Dunja McAllister, Schirmherrin der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen, eröffnete im Landtag eine Ausstellung mit Arbeiten Braunschweiger Schüler. Foto: dpa

Hannover / Göttingen. In Strafverfahren stehen die Täter im Mittelpunkt des Interesses. Wie aber lassen sich die Opfer von Straftaten, ihr Leidensweg und ihr Bemühen um einen Neuanfang, in den Blickpunkt stellen, ohne ihr Recht auf Anonymität zu verletzen?

Wie das gelingen kann, zeigt eine Ausstellung der Landesstiftung Opferhilfe, die Ministerpräsidenten-Gattin Dunja McAllister im Niedersächsischen Landtag eröffnet hat. Schülerinnen und Schüler der Braunschweiger Johannes-Selenka-Schule haben Menschen, die von einer Straftat betroffen sind, befragt und die geschilderten Erfahrungen in Bildergeschichten umgesetzt. Die Ausstellung „Er! Sie! Es!...Du? – Opfergeschichten“ , die bis zum 21. Februar in der wandelhalle des Landtags in Hannover zu sehen ist, soll anschließend in allen Landgerichtsbezirken Niedersachsen gezeigt werden.

Persönliche Geschichten

Manfred Bayer, Göttinger Außenstellenleiter der Opferschutzorganisation „Weißer Ring“, findet die Arbeiten der Braunschweiger Schüler „ganz toll, weil sie Geschichten ganz persönlich erzählen, ohne dass die Opfer sich sorgen müssen, aus der Anonymität gerissen zu werden.“

Wie groß das Schutzbedürfnis von Opfern ist, kann Bayer aufgrund vieler Erfahrungen bestätigen. Viele Betroffene seien freundlich, bis sie Geld vom „Weißen Ring“ erhalten. Danach wollten sie nicht mehr auf ihr Schicksal angesprochen werden.

Jetzt will Bayer versuchen, auch Schulen in der Region für das Thema Opferschutz zu gewinnen. Kontakte bestehen unter anderem zu den Berufsbildenden Schulen am Ritterplan, die auch von vielen Auszubildenden aus der Region besucht werden. An der Arnoldi-Schule hat Bayer an einem Sicherheitskonzept mitgewirkt. Dort erarbeiten Schüler Präsentationen zum Thema Opferschutz. Nach Bayers Eindruck werden mehr Jugendliche als alte Menschen Opfer von Straftaten. Es daure oft aber sehr lange, bis sie sich Eltern, Lehrern oder der Polizei anvetrauten. Der Außenstelleleiter kennt einen Fall, in dem ein Schüler zwei Jahre lang erpresst wurde, ehe er Hilfe suchte.

Falls eine Schule in der Region nach dem Vorbild Braunschweigs das Schicksal von Kriminalitätsopfern künstlerisch aufbereiten würde, könnte sie auf jeden Fall mit der Unterstützung des „Weißen Rings“ rechnen. Falls sich daraus eine Ausstellung ergeben würde, müsste man sehen, wie man einen kostenfreien Ausstellungsraum und Personal findet.

Erhöhte Sensibilität

Rainer Bruckert, Landesvorsitzender des „Weißen Rings“ erinnert daran, dass es auch in Holzminden, Osnabrück und Rotenburg Schulen gibt, die das Thema Opferschutz aufgriffen: „Das erhöht die Sensibilität von Schülern für die Opfer und zeigt, welche tollen Ideen Schüler bei der Umsetzung haben.“

Der „Weiße Ring“ Niedersachsen eröffnet am 18. Juni in Nienburg eine bundesweite Wanderausstellung über Opfer-Schicksale. Bruckert: „Das geht unter die Haut.“

Von Christoph Papenheim

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