Kritik auch wegen Özil-Debatte

Erdogan will Deutschland besuchen - nach heftiger Kritik: Bundesregierung offen für Gespräche

+
Will nach Deutschland kommen: Recep Tayyip Erdogan plant offenbar eine Stippvisite für September.

Die Pläne für einen Deutschland-Besuch von Recep Tayyip Erdogan schlagen hohe Wellen. Fast alle Oppositionsparteien äußern sich kritisch, auch die Debatte um Mesut Özil wird zum Thema.

Update (28.08.): Der türkische Präsident Erdogan sorgt wieder einmal für Wirbel. Dieses Mal in Form einer Statue, die in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden aufgestellt wurde

Update (30.7.): Der mögliche Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland im September sorgt schon im Vorfeld für Kontroversen. Die Bundesregierung betonte ihre Offenheit für Gespräche. Die Türkei sei bei vielen Themen ein "enger und wichtiger Partner", sagte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Montag in Berlin. Die Bundesregierung sei daher immer an einem Gespräch interessiert. Das schließe Erdogan "selbstverständlich" mit ein, fügte Demmer hinzu.

SPD-Chefin Andrea Nahles äußerte sich im Grundsatz aufgeschlossen für einen Deutschland-Besuch Erdogans. Staatsbesuche aus aller Welt sollten in Deutschland auch in Zukunft "ganz normal" sein "und das gehört einfach dazu, wenn man regiert", sagte Nahles am Rande ihrer Sommerreise durch Bayern.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas hat den geplanten Staatsbesuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Deutschland gegen Kritik aus der Opposition verteidigt. „Ich (bin) der Auffassung, dass man mit denjenigen, die zum Staatsoberhaupt eines Landes gewählt worden sind, natürlich auch entsprechend umgehen muss, und das hat der Bundespräsident getan“, sagte Maas am Montag vor Journalisten in Berlin. „Im übrigen glaube ich, dass man natürlich ganz besonders mit denjenigen reden muss, mit denen man viele offene Fragen hat.“ Auch wenn Erdogan als Staatsgast mit allen Ehren empfangen werde, könne man unbequeme Fragen miteinander besprechen.

Am Wochenende hatte die "Bild"-Zeitung berichtet, Erdogan komme voraussichtlich Ende September zu einem Staatsbesuch nach Deutschland, über ein genaues Datum werde noch verhandelt. Das Bundespräsidialamt in Berlin verwies darauf, dass bereits seit längerer Zeit eine Einladung an Erdogan in allgemeiner Form vorliege. Einen Termin für einen Besuch gebe es aber noch nicht.

Erdogan will Deutschland besuchen: So heftig reagieren die Oppositionspolitiker

Berlin - Bei der Opposition im Bundestag ist der geplante Staatsbesuch des sind die Besuchspläne des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan im September auf Kritik gestoßen. Der Grünenpolitiker Cem Özdemir sagte, Erdogan sei „kein normaler Präsident in einer Demokratie“ und solle deshalb auch nicht so empfangen werden. Man könne sich seine Gäste nicht immer aussuchen, aber ihm müsse „unmissverständlich klar gemacht werden, dass der Versuch, hier türkisch-nationalistisch-fundamentalistische Parallelstrukturen aufzubauen, nicht geduldet wird“, sagte Özdemir den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag).

Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Fraktion, Alexander Graf Lambsdorff, hält den Besuch zwar für notwendig, verlangt aber eine klare Haltung der Bundesregierung. „Kritik am Besuch ist falsch, Kritik an Erdogan ist richtig“, erklärte er. Regierungschefs müssten miteinander reden. Das sei schon eine Frage des Respekts. Aber sie müssten sich auch unbequeme Wahrheiten sagen. „Deshalb muss die Kanzlerin Erdogan unmissverständlich klarmachen, dass wir türkische Parallelsysteme aus Imamen und Geheimdienstlern in Deutschland nicht dulden werden. Genauso muss die Große Koalition endlich den Mut aufbringen, das Schauspiel angeblicher EU-Beitrittsverhandlungen ein für alle Mal zu beenden“, forderte der FDP-Politiker.

Lesen Sie auch: Treffen zwischen Merkel und Erdogan? Ankara kündigt Gipfel an

Sieh den Staatsbesuch weniger kritisch: FDP-Vize Alexander Graf Lambsdorff genügt Kritik an der Person Recep Tayyip Erdogan.

Weidel wirft Erdogan „dreiste Instrumentalisierung des Fußballers Mesut Özil“ vor

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel lehnt den Besuch ganz ab. Der Deutschen Presse-Agentur sagte sie, für eine Einladung gebe es nach Erdogans „dreister Instrumentalisierung des Fußballers Mesut Özil“ nach dem Rücktritt aus der deutschen Nationalmannschaft „auch nicht den geringsten Grund“. Dagegen spreche auch die „Hasskampagne, mit der Erdogan und seine Clique Deutschland im Zuge der Özil-Debatte überzogen haben“.

Lehnt den Besuch von Recep Tayyip Erdogan entschieden ab: AfD-Chefin Alice Weidel stößt vor allem die Ausschlachtung des Themas Mesut Özil durch den türkischen Staatschef auf.

Erdogan will nach einem Bild-Bericht vom Samstag bei dem für Ende September geplanten Besuch in Berlin zu einem offiziellen Staatsbesuch kommen. Zum dabei üblichen großen Protokoll gehören ein Empfang durch den Bundespräsidenten mit militärischen Ehren und ein Staatsbankett. Nach Informationen der Zeitung will Erdogan auch in einer Veranstaltung zu Landsleuten sprechen.

dpa/afp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.