Pro und Kontra: Jens Spahns Vorschlag zur Organspende

Sollte jeder ohne Widerspruch Organspender sein?

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Mangelware: Immer noch warten Patienten viel zu lange auf ein Spenderorgan, das ihnen das Leben retten könnte.

Immer noch haben viel zu wenige Menschen einen Organspendeausweis. Gesundheitsminister Jens Spahn schlägt darum vor, dass jeder spenden soll - er sei denn er widerspricht. Ein Pro und Kontra.

Pro: Klare Regel ist notwendig

Petra Wettlaufer-Pohl

Die sinkenden Zahlen der Organspender sind für diejenigen, die auf ein Spenderorgan warten, ein dramatisches Zeichen – die Wartezeiten werden länger, für manche zu lang. Andererseits sind die Ängste potenzieller Spender zu verstehen, die Zweifel haben, ob klinisch tot auch wirklich tot ist.

Doch gerade dieser Zwiespalt, den oft nicht die Betroffenen selbst, sondern die Angehörigen aushalten müssen, zeigt, wie notwendig eine klare Regelung ist. Eine Regelung, die den Willen eines jeden deutlich macht, ob er Organe spenden will oder nicht.

Natürlich gibt es schon den Organspendeausweis, auf dem man Ja oder Nein ankreuzen kann. Aber wieviele Menschen haben diesen Ausweis? Oft ist es schlicht Nachlässigkeit oder Trägheit, dass er nicht ausgefüllt wird.

Dabei geht es um eine Frage, die jeden Menschen beschäftigen sollte. Es geht im wahrsten Sinne des Wortes um Leben und Tod. Welche Entscheidung der Einzelne auch trifft, sie ist ohne Wenn und Aber zu akzeptieren.

Da so viele sie aber nicht treffen, ist Abhilfe geboten. Voraussetzung: Ärzte sind bestens ausgebildet und Kliniken gut ausgestattet. Wenn Stress und Personalmangel den Klinikalltag bestimmen, sind Zweifel an der Organspende angebracht.

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Kontra: Jeder hat Recht auf Unversehrtheit

Tibor Pézsa

Die Nachfrage nach Organen übersteigt das Angebot. Und ja: Hinter jedem Empfänger steht eine Familie, die für jedes Lebensjahr ihres Angehörigen dankbar ist. Insofern ist der Plan verständlich, jeden Bundesbürger zum Organspender zu machen – wenn er nicht widerspricht.

Man muss aber nur selbst einmal in einer Intensivstation mit Blick auf einen ums Leben ringenden nahen Angehörigen gefragt worden sein, ob der in seinem noch gar nicht vollständig eingetretenen Tod bereit wäre, anderen Menschen mit Organen zu helfen. Eine solche Situation ist ein Schock. Einmal ganz abgesehen von dem angefragten abgrundtiefen Eingriff in das persönlichste Recht eines jeden, nämlich das Recht auf körperliche Unversehrtheit.

Wer dann später erfährt, wie der Überlebende sogar noch von Wahrnehmungen im tiefsten Koma berichtet, vom Miterleben dieser krassen Situation, die aus medizinischer Sicht eigentlich gar nicht so sein könnte, der wird nie wieder glauben, dass ein Mensch „tot“ sein soll, wenn „nur“ sein Herz noch schlägt und sein Kreislauf noch funktioniert.

Jedes Leben ist einzig. Wer es anderen schenken will, mag das tun. Ein Normalfall ist das aber sicher nicht. Und er sollte es auch nicht werden.

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