Die Gesundheitsministerin hält EU-Pläne für kontraproduktiv, weil es schon jetzt Engpässe gibt

Ozkan gegen Abi-Pflicht für Pflegeberufe

Gesundheitsministerin Aygül Ozkan. Foto: dpa

Hannover. Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan (CDU) hat EU-Pläne zu einer Abitur-Pflicht für die Ausbildung von Krankenschwestern und Altenpflegerinnen kritisiert. „Ein Zugang zur Ausbildung erst nach einer zwölfjährigen Schulzeit wäre für uns denkbar ungünstig, da wir händeringend Nachwuchs suchen“, sagte Özkan in Hannover.

„Das wäre kontraproduktiv und schwer vermittelbar, wenn junge Menschen erst mit dem Abitur in einen Pflegeberuf gehen könnten.“ Der Mangel an Arbeitskräften in der Pflege ließe sich mit den EU-Plänen nicht beheben.

Die EU-Kommission hatte am Montag einen Reformvorschlag zur Anerkennung von Berufsqualifikationen vorgestellt.

Demnach sollen die Staaten die Zulassungsvoraussetzung für bestimmte Pflegeberufe von zehn auf zwölf Jahre Schulausbildung anheben.

Nach EU-Angaben ist das schon heute in 24 Mitgliedsstaaten der Fall, nicht aber in Deutschland, wo nach zwölf Jahren in der Regel das Abitur steht. Eine vergleichbare Ausbildung soll allerdings auch anerkannt werden. Als Grund für den Vorstoß nannte die EU-Kommission gestiegene berufliche Anforderungen.

Niedersachsen habe beim Bund bereits Protest gegen das EU-Vorhaben angemeldet. „Da müssen wir Flagge zeigen“, sagte Özkan. Sonst werde die Nachwuchsgewinnung nicht funktionieren. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hat sich bei der EU bereits gegen die Pläne ausgesprochen. „Das ist das falsche Signal. Ich habe mich in Brüssel persönlich gegen diese Pläne gewehrt und werde das weiter tun“, sagte Bahr.

Wie Özkan sagte, seien Tätigkeiten in der Pflege in vielen anderen EU-Ländern akademische Berufe. Dort aber gebe es nicht das bewährte deutsche System der dualen Ausbildung. Möglicherweise ließen sich die darin enthaltenen Berufsschulzeiten aber auf eine 12-jährige Schulpflicht anrechnen. (lni)

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