Gymnasiallehrer sollen eine Stunde mehr unterrichten – Pfeifkonzert und Pfui-Rufe

Pädagogen auf der Straße

Hannover. Ihre Argumente darf Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) auf der Lehrer-Demonstration nicht vortragen. „Das ist unsere Veranstaltung“, erklärt der Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Eberhard Brandt. „Hier reden wir, und die Politiker müssen zuhören.“ Für die Ministerin bedeutet das erst einmal ein Pfeifkonzert und Pfui-Rufe.

„Wortbruch“ und „Betrug“ werfen ihr die zunächst rund 3000 Protestierer per Plakat auf der Straße vor dem Kultus- und dem Finanzministerium vor. „Heiligenstadt setzt die Gymnasien matt“, heißt es auf einem in die Höhe gereckten Schild.

Eine Stunde mehr pro Woche sollen die Gymnasiallehrer künftig unterrichten, mit dann 24,5 Stunden liegen sie im bundesweiten Vergleich immer noch im unteren Mittelfeld. So hat es die rot-grüne Regierung im Juli beschlossen.

Gleichzeitig soll eine geplante Altersermäßigung von einer Wochenstunde für Lehrer ab 55 Jahre und zwei Stunden ab 60 Jahre entfallen. Dadurch sollen rechnerisch rund 1800 Lehrerstellen frei für andere Aufgaben werden, insbesondere für den Ausbau der Ganztagsbetreuung und für die Inklusion, den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern.

„Das hätte ich gerne persönlich erklärt“, sagt Heiligenstadt nach ihrer Ausladung unserer Zeitung. Aber die Position der rot-grünen Landesregierung sei auch so hinreichend bekannt. „Die Haushaltsberatungen beginnen im September “, meint die Ministerin dann noch, will dies aber nicht als Anzeichen für ein Einlenken verstanden wissen. Immerhin hat die Schulexpertin des grünen Koalitionspartner, Ina Korter, bereits angedeutet, dass man noch über die Altersermäßigung reden müsse.

Und das schließen offenbar auch die Genossen nicht mehr völlig aus: „Das Ganze geht ja noch in die Fraktionen“, sagt beispielsweise der SPD-Abgeordnete Claus Peter Poppe vieldeutig.

Die Lehrer im inzwischen auf weit mehr als 6000 Teilnehmer angewachsenen Demonstrationszug zum Landtag lassen sich von diesem Geplänkel im Hintergrund nicht beeindrucken. In ungewohnter Einigkeit fordern GEW, Philologenverband und Realschulllehrer-Vereinigung die Rücknahme der Regierungsbeschlüsse. Das wiederum betrachten andere Staatsdiener durchaus mit Sorge. „Nicht, dass das Geld dann bei den Tariferhöhungen für Beamte eingespart wird“, mahnt ein Zaungast der Proteste.

Im Landtag dagegen können sich die Lehrer der vollen Unterstützung durch die Opposition sicher sein. „Sie treten den Lehren in den Rücken“, ruft CDU-Schulexperte Kai Seefried der Regierung zu. Die Mehrarbeit für Gymnasiallehrer habe System; Rot-Grün verlagere Geld und Kräfte an die Gesamtschulen. „So trocknet man die Gymnasien Stück für Stück aus.“ Ein Hohn sei es, wenn Heiligenstadt die neuen Belastungen als „vertretbar und verkraftbar“ bezeichne, schimpft Björn Försterling (FDP). KOMMENTAR

Von Peter Mlodoch

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