Analyse: Panzerbauer KMW und Nexter müssen Leopard-Nachfolger bauen

Der Leopard 2: Er ist mit insgesamt 3500 Exemplaren das Rückgrat von 17 nationalen Heeren, muss aber ersetzt werden. Während die Russen den Prototypen eines völlig neue Panzers präsentiert haben, hat die Entwicklung im Westen noch nicht begonnen. Archivfoto: dpa

Kassel. Am Ende hatte KMW keine andere Wahl: Ohne einen starken Partner drohte das mittelständisch geprägte Familienunternehmen zerrieben zu werden.

Lange hatte man sich in Kassel gegen eine Fusion gewehrt. Am Ende setzte sich aber die Erkenntnis durch, dass die Zukunft nur schwerlich allein zu meistern sein würde. Dasselbe gilt für den französischen Rivalen Nexter.

Zusammen wollen die beiden Heerestechnik-Hersteller den Kampfpanzer der Zukunft entwickeln und bauen. Und das ist auch bitter nötig, denn der mehrfach modernisierte Leopard 2 ist im Grundsatz ein 36 Jahres altes System, das französische Gegenstück Leclerc kaum jünger. Allein die Entwicklung kostet Milliarden und dauert zehn bis 15 Jahre. Weder KMW noch Nexter könnten das Projekt allein stemmen - ganz abgesehen davon, dass der neue Panzer zu einer gewünschten Vereinheitlichung der unterschiedlichen europäischen Waffensysteme beitragen würde.

Ausgerechnet die Russen haben in Sachen Panzer der Zukunft vorgelegt und den Westen mächtig unter Druck gesetzt. In Frühjahr präsentierte Putin während einer Militärparade zur Überraschung des Westens stolz den T-14 Armata - eine Revolution im Panzerbau und ein Weckruf, sind sich Militärexperten sicher. Er ist mit 50 Tonnen wesentlich leichter als alle Kampfpanzer herkömmlicher Bauart und mit 90 Stundenkilometern auch deutlich schneller. Der traditionell leicht verwundbare Turm ist dank einer neuen Technologie sicherer und unbemannt - dadurch kommt der neue T-14 mit nur drei statt vier Besatzungsmitgliedern aus. Er ist extrem flach und somit schlechter zu sehen und zu treffen.

Ironie der Geschichte: Der russische Superpanzer basiert auf einem deutschen Konzept, das nach dem Ende des Kaltern Krieges verworfen wurde.

Dass KMW nun mit Nexter und nicht - wie von der Politik favorisiert - mit dem deutschen Konkurrenten Rheinmetall zusammengeht, ist aus Sicht von Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaftern die bessere Wahl. Denn bei einem Zusammenschluss der beiden deutschen Panzerbauer wären die Synergie-Effekte weitaus größer - zumal KMW und Rheinmetall bei den meisten militärischen Großprojekten eng zusammenarbeiten. Ganze Abteilungen würden ersatzlos wegfallen. Die Fusion würde in Kassel besonders schmerzen, weil Rheinmetall dort zwei Werke mit 850 Beschäftigten betreibt. Zwar wird es auch mit den Franzosen mittelfristig zu Synergie-Effekten kommen, nach Einschätzung von Branchenkennern dürften die aber deutlich geringer ausfallen.

Und die Franzosen bieten einen weiteren Vorteil: Deren Exportrichtlinien sind nicht annähernd so restriktiv wie die deutschen. Zwar betonte ein Sprecher von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), die Vorschriften würden nicht gelockert. Aber Beobachter gehen von einer Harmonisierung aus, und die funktioniert nur mit Kompromissen.

Von José Pinto

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