Rüstungsunternehmen auf der Zielgeraden

Krauss-Maffei Wegmann und Nexter offenbar kurz vor Fusion

Künftig „Le Leo“? Der Kampfpanzer Leopard – hier während einer Bundeswehrübung in Niedersachsen – ist eines der wichtigsten Produkte des deutschen Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann. Vor einem Jahr beschloss das Unternehmen die Fusion mit dem französischen Rivalen Nexter. Nun sind die Verträge offenbar unterschriftsreif. Foto: dpa

Kassel/München. Die Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann und Nexter stehen offenbar kurz vor der Fusion.

Das Rüstungsunternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und sein französischer Rivale Nexter stehen offenbar kurz vor ihrer Fusion zum größten Panzerbauer Europas. Der Vertrag solle bis Mitte des Monats unterschrieben sein, zitiert das Handelsblatt einen KMW-Sprecher. Nach einem Bericht der französischen Zeitung La Tribune peilt Frankreich die Unterzeichnung am 13. Juli an, einen Tag vor dem Nationalfeiertag, an dem die Grande Nation traditionell ihr Waffenarsenal auf den Champs-Elysées vorführt. KMW nahm auf Anfrage keine Stellung zu dem Thema.

Die Fusionspläne waren vor gut einem Jahr bekanntgegeben worden. Während hinter KMW mehr als 20 Familienaktionäre stehen, gehört Nexter dem französischen Staat, der seine Tochter zuerst in die Privatwirtschaft entlassen muss. Sämtliche Unternehmensanteile sollen in eine gemeinsame Holding wandern, an der beide Partner dann jeweils zur Hälfte beteiligt sind. Wie die neue Panzerschmiede heißen wird, ist noch nicht bekannt. Einstweilen wurde sie Kant getauft. Die Abkürzung steht für das Marschziel: KMW and Nexter together (engl.: zusammen). Bis die Unternehmen gemeinsam entwickelte Panzer anbieten, dürften jedoch noch Jahre ins Land gehen.

Mit einem Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro und mehr als 6000 Mitarbeitern würde Kant in der europäischen Rüstungshierarchie zwar nur einen der hinteren Plätze belegen – Branchenprimus BAE (Großbritannien) bringt es beispielsweise auf knapp 27 Milliarden Euro Umsatz – wäre aber der größte reine Panzerbauer.

KMW ist nach eigenen Angaben europäischer Marktführer für Rad- und Kettenpanzer. Das Unternehmen mit Sitz in Kassel und München stellt unter anderem den Kampfpanzer Leopard sowie, in Kooperation mit Rheinmetall, den Schützenpanzer Puma her. Etwa jeder Zweite der rund 3200 KMW-Beschäftigten arbeitet in Kassel. Von Nexter stammt der Leo-Konkurrent Leclerc.

Die Verhandlungen zwischen den Unternehmen hatten zur Zeit sinkender Aufträge aus Europa begonnen. Inzwischen bestellen die Verteidigungsministerien wieder eifriger – und Kant könnte davon verstärkt profitieren. Die spannendste Frage der anstehenden Panzerhochzeit ist jedoch, ob künftig für Exporte in Länder jenseits von EU und Nato die strengeren deutschen oder die liberaleren französischen Regeln gelten werden.

Das Bundeswirtschaftsministerium, das der Fusion zustimmen muss, erklärte zwar unlängst, dass für das neue Unternehmen weiterhin die deutschen Ausfuhrbeschränkungen greifen würden. Tatsächlich dürfte hinter den Kulissen eifrig an einem Exportkompromiss gearbeitet werden – schon deshalb, weil es sich Berlin nicht mit Paris verderben will.

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