Papst Franziskus erhält den Karlspreis 2016

+
Papst Franziskus während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz. Im kommenden Jahr erhält der Papst den Karlspreis. Foto: Giorgio Onorati

Der Papst "vom anderen Ende der Welt" wird für seine Verdienste um Europa geehrt: Der angesehene Karlspreis geht an den Argentinier Franziskus - weil er den Europäern Orientierung gibt.

Aachen (dpa) - Papst Franziskus erhält für seine ermutigenden Worte über Europa den Karlspreis 2016. Das katholische Kirchenoberhaupt sende in einer Zeit, in der die Europäische Union Krisen durchlebe, eine hoffnungsvolle Botschaft, erklärten das Karlspreisdirektorium und die Stadt Aachen.

Seit 1950 wird der Preis für besondere Verdienste um die europäische Einigung verliehen. Die Preisverleihung soll - anders als üblich - 2016 allerdings nicht in Aachen stattfinden, sondern in Rom. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

"In dieser Zeit, in der viele Bürgerinnen und Bürger in Europa Orientierung suchen, sendet Seine Heiligkeit Papst Franziskus eine Botschaft der Hoffnung und der Ermutigung aus", stellte das Karlspreisdirektorium in seiner Begründung fest.

Der Papst sei eine "Stimme des Gewissens", die mahne, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Und die daran erinnere, dass Europa verpflichtet sei, Frieden, Freiheit, Recht, Demokratie und Solidarität zu verwirklichen - aufbauend auf den Idealen seiner Gründerväter.

Franziskus - geboren im argentinischen Buenos Aires - hatte unter anderem im November 2014 eine eindringliche Rede vor dem Europaparlament gehalten. Darin plädierte er für ein gemeinsames Europa, das sich nicht um die Wirtschaft drehe, und für Solidarität mit Armen und Alten.

Der Papst habe kritisch konstatiert, dass es nicht nur die Debatte um die Flüchtlinge sei, die Europa "einen Eindruck der Müdigkeit, der Alterung und der mangelnden Fruchtbarkeit vermitteln" ließen, erklärte das Karlspreisdirektorium. Auf die daraus resultierenden Fragen gebe Franziskus selbst Antworten.

Zuletzt hatten die Verantwortlichen angekündigt, ihre Entscheidung erst im Januar zu verkünden. Dann kam nach Angaben eines Stadtsprechers allerdings schneller als erwartet ein Signal aus Rom, dass der Papst den Preis annehmen wolle. Franziskus folgt als Preisträger auf EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, der 2015 ausgezeichnet wurde. Zu den bisherigen Preisträgern gehören der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer (1954), der amerikanische Präsident Bill Clinton (2000) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (2008).

Auch ein Papst wurde schon mal ausgezeichnet: Johannes Paul II. Er erhielt 2004 in Rom allerdings einen "außerordentlichen" Karlspreis. Der reguläre ging im selben Jahr an den damaligen irischen EU-Parlamentspräsidenten Pat Cox. Franziskus wird der 58. Träger des Preises. Dieser ist nach Karl dem Großen (747/748-814) benannt, der von Aachen aus sein europaweites Reich beherrschte.

Karlspreisstiftung

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.