Opposition fürchtet Missachtung des Elternwillens

Parallelversuch von G8 und G9 in der Kritik

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Schulministerin Nocola Beer.

Wiesbaden. In einem waren sich die Fraktionen des hessischen Landtags gestern einig: Es ist gut, dass die Landesregierung die Sorgen der Eltern Ernst nimmt und Reformen an der umstrittenen Schulzeitverkürzung G8 am Gymnasium vornimmt.

„Wir haben zugehört“, sagte die CDU-Abgeordnete Claudia Ravensburg gestern Abend, als sie den Gesetzentwurf der Regierungsfraktionen einbrachte.

Danach ist es den Gymnasien künftig freigestellt, zwischen der acht- und neunjährigen Schulzeit bis zum Abitur zu wählen. Das zusätzliche Vorhaben, G8 und G9 in einem Schulversuch parallel an einer Schule anzubieten, sei gerade im ländlichen Raum vorteilhaft für die Wahlfreiheit der Eltern, so die CDU-Politikerin aus Bad Wildungen: „Dort ist die nächste Schule nicht gleich um die Ecke.“

Doch gerade der Schulversuch ist umstritten. Kritik musste sich die Koalition für den Plan anhören, dass an Schulen, an denen es G8 und G9 parallel geben kann, nicht die Eltern, sondern die Schule entscheidet, welchen Weg die Kinder nach den Klassen 5 und 6 gehen, die nach G8-Lehrstoff unterrichtet werden sollen.

Nach Ansicht der Kritiker ergibt sich das automatisch. Denn am Schulversuch sollen nur Schulen teilnehmen können, die mindestens vier Parallelklassen haben, davon zwei in G8 und zwei in G9.

Die Zustimmung der Grünen, die die Wahl zwischen G8 und G9 bereits 2008 im Hinblick für die Kooperativen Gesamtschulen durchgesetzt hatten, blieb deshalb auch aus. Der schulpolitische Sprecher Mathias Wagner sagte, es sei praktisch kaum zu organisieren, schon für 2013 eine Entscheidung an den Schulen zu treffen und diese mit Schulträger und Ministerium abzustimmen. „Und was sagen Sie denn den Eltern der Viertklässler, die sich jetzt die Schulen anschauen?“, so Wagner. Er führte die Motivation der Koalition allein darauf zurück, „dass Sie Angst vor dem Wahltag haben“

Tatsächlich hatte nicht Kultusministerin Nicola Beer (FDP) den Anstoß gegeben, sondern bereits im Juni Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Beer hatte er damit durchaus in Bedrängnis gebracht. Sie hatte geplant, G8 durch Umstrukturierungen an den Schulen so zu verändern, dass Schüler sich nicht länger überlastet fühlen. Daran hält sie bei G8 auch fest.

Heike Habermann (SPD) und Barbara Cardenas (Linke) vermochte die von Beer gestern propagierte Freiheit an den Schulen nicht zu überzeugen. Beide lehnen die Schulzeitverkürzung in der Mittelstufe prinzipiell ab, die SPD fordert stattdessen eine flexible Oberstufe.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Hintergrund: Das soll sich an Gymnasien ändern

Hessen hatte die verkürzte Gymnasialzeit G8 bereits 2004 als bindend eingeführt. Kooperative Gesamtschulen können seit 2008 zwischen G8 und G9 wählen.

• Durch eine Änderung des Schulgesetzes soll es ab Sommer 2013 möglich sein, dass Gymnasien zu G9 zurückkehren, wenn die Schulkonferenz dies im Einvernehmen mit dem Schulträger beschließt. Laufende G8-Jahrgänge sind davon nicht betroffen.

• In einem Schulversuch soll eine begrenzte Anzahl von Gymnasien, die mindestens vier Klassen einer Jahrgangsstufe bilden, ab Klasse 7 parallel G8 und G9 anbieten können. Die Eltern sollen dort nach der Grundschule eine Interessensbekundung abgeben, nach der Klasse 6 entscheidet die Schule auf dieser Grundlage und nach pädagogischer Beratung, ob ein Kind in G8 oder in G9 fortfährt.

• An G8-Gymnasien soll der Unterricht so strukturiert werden, dass Schüler an langen Schultagen bis 16 Uhr fertig sind und auch keine Hausaufgaben mehr machen müssen. (wet)

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