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Tödliche Schüsse in Paris: Kurdische Aktivisten äußern sich

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Von: Nail Akkoyun, Kilian Bäuml, Lucas Maier

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Ein Mann erschießt in Paris drei Menschen. Die Tat hat offenbar einen rassistischen Hintergrund. Kurdinnen und Kurden demonstrieren gegen fehlenden Schutz.

+++ 16.05 Uhr: Die Ausschreitungen am Samstag sollen sich lediglich am Rande einer friedlichen Demonstration ereignet haben, wie französische Nachrichtenagentur AFP berichtet. In der Nähe des Place de la République soll die Situation eskaliert sein.

An der friedlichen Demonstration sollen sich nach AFP-Angaben mehrere hundert Menschen beteiligt haben. Wie viele sich an den Auseinandersetzungen mit der Polizei beteiligten, wurde nicht berichtet. Es sollen mehrere Autos zerstört und mindestens eins in Brand gesetzt worden sein.

+++ 15.40 Uhr: Demokratische Kurdische Rat in Frankreich (CDK-F), welchem auch der kurdische Verein angehört, vor dem am Freitag (23. Dezember) die Schüsse fielen, bezeichnet den Angriff in einer Stellungnahme als „terroristische Attacke“. Vorausgegangen seien „zahlreichen türkische Drohungen“.

Auf Nachfrage von fr.de sagte Abdullah Ülmez, der Co-Vorsitzende des CDK-F, dass die Schüsse während eines Vorbereitungstreffens des Vereins gefallen seien. Es sollte die Gedenkdemonstration für die im Jahr 2013 getöteten Frauen vorbereitet werden. Der Mordanschlag jährt sich am 9. Januar 2023 zum zehnten Mal. Die Attacke bezeichnete er als Angriff auf die französische Souveränität. Bei den Verletzten und Getöteten soll es sich laut Ülmez um kurdische Aktivist:innen handeln. Eine Beteiligung des türkischen Geheimdienstes sei laut dem CDK-F denkbar. Die französische Polizei äußerte sich bisher nicht zu einer möglichen Verbindung in die Türkei.

Bei den Protesten am Tag nach den Schüssen, war nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur auch Pascal Troadec, Bürgermeister von Grigny, einem Vorort von Paris, vor Ort.

Schüsse in Paris: Kurdischer Verein äußert sich.
Pascal Troadec, Bürgermeister eines Pariser Vororts, bei den Demonstrationen. © Lewis Joly/dpa

Ausschreitungen nach gestrigem Angriff

+++ 14.20 Uhr: Die bereits zuvor angekündigte Demonstration kurdischer Aktivisten in Paris hat begonnen. (siehe Update 7.16 Uhr) In einem Live-Video des französischen Onlinemediums brut. sind massive Ausschreitungen zu sehen.

An mehreren Stellen brennen Barrikaden und Fahrzeuge. Mittlerweile ist die Polizei mit einem Großaufgebot vor Ort und versucht die Demonstration zurückzudrängen. Es wird Tränengas eingesetzt. Die Demonstrant tragen Fahnen der kurdischen Freiheitsbewegung. Darauf sind unter anderem die im Jahr 2013 bei einem Mordanschlag getöteten kurdischen Frauen zu sehen. Offizielle Meldungen über die Anzahl an Aktivisten gibt es bisher nicht. Die Demonstranten hatten bereits im Vorhinein kritisiert, dass sie vom französischen Staat nicht geschützt werden.

+++ 11.50 Uhr: Der mutmaßliche Täter des tödlichen Angriffs bei einem kurdischen Gemeindezentrum in Paris bezeichnet sich Medienberichten zufolge als Rassist. Der Sender France Info berichtete am Samstag unter Verweis auf informierte Kreise, dass der Mann dies als Grund für seine Tat angab. Der Sender BFMTV schrieb zudem, der Mann habe der Polizei gesagt, dass er gezielt die kurdische Gemeinde habe angreifen wollen.

Das Motiv sei unbekannt, der Verdächtige sei nicht als Rechtsextremist bei den Sicherheitsbehörden erfasst gewesen, ein rechter Hintergrund der Tat werde aber geprüft. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Twitter: „Die Kurden in Frankreich waren das Ziel eines niederträchtigen Angriffs mitten in Paris.“

Tödliche Schüsse in Paris: „Er wollte offensichtlich Ausländer angreifen“

Update vom Samstag, 24. Dezember, 7.16 Uhr: Nach dem tödlichen Angriff bei einem kurdischen Gemeindezentrum in Paris fordert die kurdische Gemeinde Aufklärung. Am Samstagmittag (24. Dezember) wollen Kurdinnen und Kurden in der französischen Hauptstadt eine Demonstration abhalten. Der Pariser Polizeipräfekt beabsichtigt, am Vormittag Vertreter der kurdischen Gemeinde zu treffen.

Am Freitag (23. Dezember) hatte ein Angreifer in einem kurdischen Gemeindezentrum und in Geschäften in der Pariser Innenstadt drei Menschen tödlich verletzt und drei weitere verwundet. „Er wollte offensichtlich Ausländer angreifen“, sagte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin. Ob sich der Anschlag explizit gegen Kurden richtete, sei aber unklar. Das Motiv sei unbekannt, der Verdächtige sei jedoch nicht als Rechtsextremist bei den Sicherheitsbehörden erfasst gewesen, ein rechter Hintergrund der Tat werde aber geprüft. 

„Alter weißer Mann“ erschießt aus wohl rassistischem Motiv kurdische Menschen in Paris

Erstmeldung vom Freitag, 23. Dezember: Paris – In Paris wurden am Freitag (23. Dezember) drei Menschen von einem Mann, einem mutmaßlichen Rechtsextremisten, erschossen. Eine weitere Person liegt schwer verletzt im Krankenhaus und schwebt in Lebensgefahr. Bei den Opfern handelt es sich um kurdische Aktivist:innen. Zuvor kam es am frühen Abend zu Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Der mutmaßliche Täter ist ein 69-jähriger Franzose, der bereits vor einem Jahr Migranten verletzt haben soll. Erst vor elf Tagen wurde er aus der Untersuchungshaft gelassen. Trotzdem stand er offenbar nicht auf der Gefährderliste des Inlandsgeheimdienstes.

Noch am Tatort wurde der mutmaßliche Täter in Polizeigewahrsam genommen und leicht verletzt in ein Krankenhaus gebracht. „Die möglichen rassistischen Motive des Täters werden Gegenstand der Ermittlungen sein“, sagte Staatsanwältin Laure Beccuau. Der französische Innenminister Gérald Darmanin ergänzte, dass der Täter es offenbar auf „Ausländer“ abgesehen habe, und machte auf die zeitliche Nähe der Tat zum zehnten Jahrestag eines Dreifachmordes an kurdischen Aktivisten aufmerksam. Trotzdem betonte er, dass das Motiv der Tat noch nicht geklärt sei.

Mann erschießt drei Menschen in Paris – Erinnerungen an Terror von 2015

Die französische Premierministerin Elisabeth Borne sprach von einer „schrecklichen Tat“ und richtete den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl aus. Die Berichte über Schüsse auf offener Straße lösten bei vielen Menschen in Paris Erinnerungen an die dschihadistischen Anschläge im Jahr 2015 aus. Ein Vertreter der kurdischen Gemeinde in Frankreich sprach von einem möglichen Terroranschlag, hinter dem er die Türkei vermute. Kurdische Organisationen hatten kürzlich erst eine Aufklärung des Dreifachmordes von 2013 gefordert. Am 7. Januar ist eine große Kurden-Demonstration in Paris geplant.

Schüsse in Paris
Feuerwehr und Rettungsdienst kamen nach Schüssen in Paris zum Einsatz. (Symbolbild) © Lewis Joly/dpa

Es wurde in einer kleinen Straße im 10. Arrondissement geschossen. „Wir haben einen alten weißen Mann gesehen, der in das Kurdenzentrum ging und dort feuerte“, sagte der Chef eines nahe gelegenen Restaurants. Anschließend soll der Mann in einen Friseursalon in der Nachbarschaft gegangen sein. „Ich habe zwei Polizisten in einen Frisörsalon gehen sehen, wo zwei Menschen am Boden lagen, sie waren an den Beinen verletzt“, sagte ein Anwohner. „Es gab sieben oder acht Schüsse, es herrscht Panik“, berichtete eine Augenzeugin.

Ermittlung wegen Mord und schwerer Gewalt nach Schüssen in Paris

Nach den Schüssen rief die französische Polizei dazu auf, die Gegend um die Rue d‘Enghien zu meiden. Auch Feuerwehr und Rettungskräfte kamen zum Einsatz. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo kündigte per Twitter an, eine psychologische Beratungsstelle für Betroffene im Rathaus des 10. Arrondissements einzurichten. Sie dankte den Einsatzkräften und sprach den Familien der Opfer ihr Mitgefühl aus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen den mutmaßlichen Täter wegen Mordes und schwerer Gewalt. (kiba/nak mit dpa/AFP)

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