Der Countdown läuft

Hochspannung vor der Bundestagswahl

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Noch einmal geben die Wahlkämpfer alles, um Unentschlossene auf ihre Seite zu ziehen. Für Spannung vor der Bundestagswahl am Sonntag sorgen die Umfragen: Sie sagen ein äußerst knappes Rennen voraus.

Berlin - Noch einmal geben die Wahlkämpfer alles, um Unentschlossene auf ihre Seite zu ziehen. Für Spannung vor der Bundestagswahl am Sonntag sorgen die Umfragen: Sie sagen ein äußerst knappes Rennen voraus.

Am Tag vor der Bundestagswahl kämpfen die Spitzenpolitiker von CDU, SPD und FDP heute (Samstag) noch einmal um Wählerstimmen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren letzten Wahlkampfauftritt in ihrem Wahlkreis in Stralsund (14.00). SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück spricht in Frankfurt am Main. Die FDP beendet ihren Wahlkampf in Düsseldorf mit einem Auftritt von Außenminister Guido Westerwelle und Parteichef Philipp Rösler.

Nach den jüngsten Umfragen kann sich Bundeskanzlerin Merkel Hoffnung auf weitere vier Jahre Regierungszeit machen - mit welchem Koalitionspartner ist aber völlig offen. Den Demoskopen zufolge gibt es zwischen dem aktuellen schwarz-gelben Regierungslager und der jetzigen Opposition im Bundestag praktisch ein Patt.

Bundestagswahl 2013: Hintergründe und Infos finden Sie hier!

Gebuhlt wird vor allem um die sogenannte Zweitstimme, die die Wahl letztlich entscheidet. Insbesondere die FDP setzt darauf, dass Merkel-Anhänger für sie stimmen, damit sie im Bundestag bleibt und Schwarz-Gelb weitermachen kann. Die Union will das Bündnis mit der FDP ebenfalls fortsetzen, wehrt sich aber gegen die Zweitstimmenkampagne des bisherigen Partners.

Bundestagswahl 2013 in Zahlen und Fakten

Am Sonntag können 61,8 Millionen Wahlberechtigte ihre Stimmen bei der Bundestagswahl abgeben. Darunter sind drei Millionen Erstwähler. Über die aktuellen Ereignisse und Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 informieren wir Sie in unserem Live-Ticker. © dpa (Symbolbild)
Insgesamt 4451 Kandidaten stellen sich zur Wahl. Das sind 900 mehr als bei der letzten Bundestagswahl. © dpa (Symbolbild)
Generell gibt es 299 Wahlkreise mit jeweils zwei Arten von Kandidaten: Direkt- und Listenkandidaten. © dpa (Symbolbild)
Jeder Wähler kann sein Kreuz zweimal setzen: mit der Erststimme bei einem Direktkandidaten und mit der Zweitstimme bei einer Liste mit mehreren Kandidaten. © dpa (Symbolbild)
Die Zweitstimme entscheidet darüber, wie stark eine Partei im Bundestag vertreten ist. Jede Partei, die mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen oder drei Direktmandate bekommt, erhält so viele Sitze, wie ihrem Prozentergebnis entsprechen. © dpa (Symbolbild)
Wenn mehr als ein Kreuz pro Spalte gesetzt ist, nichts markiert wurde oder unklar ist, für wen das Kreuz gesetzt wurde, ist der Stimmzettel ungültig. © dpa (Symbolbild)
Wenn jemand mit einem T-Shirt Werbung für eine Partei macht, darf er damit nicht ins Wahllokal - unerlaubte Wählerbeeinflussung. © dpa (Symbolbild)
Nach der Wahl wird zunächst ermittelt, wie viele von den insgesamt 598 Sitzen  einer Partei zustehen. Dann werden diese Sitze in den Bundesländern auf die Landesverbände der Partei verteilt. © dpa (Symbolbild)
Innerhalb der Landesverbände erhalten zuerst alle direkt gewählten Wahlkreiskandidaten einen Sitz. Bleiben welche übrig, gehen diese an die Kandidaten der Landesliste entsprechend deren Reihenfolge. © dpa (Symbolbild)
Voraussichtlich am 9. Oktober stellt der Bundeswahlausschuss das endgültige Ergebnis der Wahl in einer öffentlichen Sitzung fest. © dpa (Symbolbild)
Innerhalb von 30 Tagen, spätestens aber am 22. Oktober, muss der neu gewählte Bundestag erstmals zusammentreten. © dpa (Symbolbild)
Der älteste anwesende Abgeordnete leitet die Sitzung sowie die Wahl des Bundestagspräsidenten und seiner Stellvertreter. © dpa (Symbolbild)
Aufgabe des Bundestages ist auch die Wahl des Bundeskanzlers. Der Vorschlag für einer Kandidatin oder einen Kandidaten kommt vom Bundespräsidenten.  © dpa (Symbolbild)
Die Wahl des Bundeskanzlers erfolgt dann ausschließlich durch die Abgeordneten, ohne vorherige Absprache und geheim. Der Kandidat benötigt die absolute Mehrheit der Stimmen des Parlaments. © dpa (Symbolbild)

SPD und Grüne streben offiziell weiterhin ein rot-grünes Bündnis an, obwohl dies die Umfragezahlen nicht hergeben. Eine Koalition mit der Linkspartei oder eine Duldung durch diese lehnt die SPD ab. In dieser Frage sei sich die gesamte SPD-Führung einig, bekräftigte Steinbrück im „Tagesspiegel“ (Samstag).

Für die Grünen ist trotz schlechter Umfragewerte „noch überhaupt nichts entschieden“, wie Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt beim offiziellen Wahlkampfhöhepunkt am Freitagabend in Berlin bekräftigte. Der Grünen-Spitzenmann Jürgen Trittin nannte bei „Zeit Online“ ein besseres Ergebnis als bei der Bundestagswahl 2009 als Wahlziel. Damals holten die Grünen 10,7 Prozent.

In der letzten „Kanzlerfrage“ des Umfrageinstituts Emnid für die „Bild am Sonntag“ liegt Kanzlerin Merkel weiterhin souverän vor ihrem SPD-Herausforderer Steinbrück. Zwar büßt die Kanzlerin im Vergleich zur Vorwoche zwei Punkte ein, dennoch würden sich 50 Prozent der Befragten für die Amtsinhaberin entscheiden - könnten sie den Bundeskanzler direkt wählen. Steinbrück käme demnach auf 27 Prozent, ein Minus von vier Punkten im Vergleich zur Vorwoche.

Bundestagswahl: Diese Koalitionen sind möglich

SCHWARZ-GELB: Trotz aller Probleme streben Union und FDP eine Fortsetzung ihrer Koalition an - zumindest offiziell ist das für beide das alleinige Ziel. Die Chancen sind zuletzt gestiegen: Die lange schwächelnde FDP hat die Fünf-Prozent-Hürde erreicht, und beide zusammen liegen bei 45 bis 47 Prozent - in einigen Umfragen reicht das, allerdings nur knapp. Anders als 2009 kann die Union nach einer Wahlrechtsreform nicht mehr auf zusätzliche Überhangmandate hoffen. © dpa
ROT-GRÜN: SPD und Grüne haben sich ebenfalls klar zueinander bekannt, auch wenn eine rot-grüne Aufbruchstimmung wie 1998 nicht zu spüren ist. Die Chancen stehen derzeit aber schlecht: In den Umfragen liegen beide zusammen bei 35 bis 41 Prozent, was bei weitem nicht reicht. Allerdings sind viele Wahlberechtigte noch unentschlossen. Vor allem das Potenzial der SPD sehen Wahlforscher noch nicht ausgeschöpft. Sie hofft, die Unentschlossenen noch zu mobilisieren. © picture alliance / dpa
GROSSE KOALITION: Sie ist die von einer Mehrheit der Deutschen gewünschte Koalition - und derzeit die wahrscheinlichste. Bisher gab es dieses Bündnis 1966 bis 1969 und 2005 bis 2009. Beim letzten Mal hat die Zusammenarbeit der großen Parteien vor allem die SPD Sympathien gekostet, weshalb sie nun heftig gegen diese Variante wettert. Sie hat ein solches Bündnis aber auch nicht eindeutig ausgeschlossen. Nur Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat klar erklärt, nicht Minister unter einer Kanzlerin Angela Merkel zu werden. © dpa
SCHWARZ-GRÜN: Dieses Bündnis hätte derzeit eine Mehrheit. Aber nach dem Scheitern in Hamburg ist die Faszination dafür verflogen. In Energiefragen und bei der Bekämpfung der Euro-Krise liegen Welten zwischen den Parteien, wie vor allem die Grünen immer wieder betonen. Falls es aber für Rot-Grün oder eine Ampel nicht reicht, könnte diese Option für die Grünen interessant werden, um eine große Koalition zu verhindern. Doch würde ihre Basis mitmachen? © dpa
AMPEL: Sie galt zeitweise als einziger Weg, um Steinbrück ins Kanzleramt zu verhelfen. Inzwischen sehen die Umfragen aber nicht einmal für dieses Dreierbündnis eine Mehrheit. Ohnehin gilt es als sehr unwahrscheinlich. Denn FDP und Grüne können sich nicht riechen - in den Bundesländern sind solche Bündnisse auch immer gescheitert. Noch wichtiger: Die FDP will eine Ampel kurz vor der Wahl voraussichtlich mit einem offiziellen Beschluss ausschließen. © picture alliance / dpa
ROT-GRÜN-ROT: Nach den Umfragen wäre dies derzeit das einzige Bündnis, mit dem die SPD vielleicht den Kanzler stellen könnte - zumindest nach einigen Erhebungen. Die Spitzen von SPD und Grünen haben eine solche Koalition jedoch strikt ausgeschlossen - auch wenn der linke SPD-Flügel die Option gern offen gehalten hätte. Die Linke wiederum plädiert für ein rot-rot-grünes Bündnis, lehnt eine Tolerierung von Rot-Grün aber ab. © dpa

Nach den letzten Umfragen vor der Wahl gibt es zwischen Regierungslager und der Opposition im Bundestag ein Kopf-an-Kopf-Rennen oder ein minimales Plus für Schwarz-Gelb. Jeweils 45 Prozent für die beiden politischen Lager ermittelte das Allensbach-Institut im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag). Bei Emnid für die „Bild am Sonntag“ ergab sich ein Punkt Vorsprung für Schwarz-Gelb vor den Oppositionsparteien (45 zu 44 Prozent).

Das letzte ZDF-„Politbarometer“ vor der Wahl sowie eine RTL-Umfrage kommen auf sehr ähnliche Zahlen. Beide sehen die Union bei 40 Prozent, die FDP bei 5,5 beziehungsweise genau 5 Prozent. Die SPD kann laut „Politbarometer“ auf 27 (RTL: 26) Prozent hoffen, die Grünen auf 9 (9) und die Linke auf 8,5 (9) Prozent. Die Alternative für Deutschland (AfD) würde mit 4 oder 4,5 Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern.

Die lustigsten Wahlkampf-Pannen der Politiker

Angela Merkel
Keine Zeit wird von den Politstrategen so durchgeplant wie der Wahlkampf - und dennoch passieren in dieser Phase immer wieder Pannen. Was in den Parteizentralen für Ärger sorgt, erheitert das politische Publikum - auch die vergangenen Wochen brachten solche Patzer. © Bild: dpa/Text: AFP
Sigmar Gabriel
Der rasende Gabriel: SPD-Chef Sigmar Gabriel hält ein generelles Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf Autobahnen aus Sicherheitsgründen für sinnvoll. Von seinem Chauffeur ließ sich Gabriel selbst aber kürzlich mit 180 Sachen zu einem Wahlkampftermin bringen, wie Reporter bemerkten. Obwohl keine Geschwindigkeitsbegrenzung vorlag, zahlte Gabriel selbstkritisch 500 Euro an die Verkehrswacht. © Bild: dpa/Text: AFP
Philip Rösler
Die NPD-Familie der FDP: Die FDP bebilderte in einem Fernsehfilm das Versprechen einer guten Zukunft mit einer durch eine sommerliche Allee radelnden Familie. Dumm nur, dass auch die rechtsextreme NPD in einem Film mit der Familie Werbung machte. Beide Parteien hatten die Bilder bei einer Agentur gekauft - die multifunktionale Familie radelte zudem in Finnland für Quarkwerbung. © Bild: dpa/Text: AFP
Rainer Brüderle
Brüderles Nix-Rauskommt-Liberale: FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle versuchte in einer Fernsehdebatte, das Wort Wahlversprechen zu definieren: "Wenn man viel sagt, Erwartungen hat und nix rauskommt." Das Publikum assoziierte die Beschreibung aber anders und rief im Chor "FDP" - der FDP-Spitzenmann konnte immerhin darüber lachen. © Bild: dpa/Text: AFP
Jürgen Rüttgers
Wahlwerbung mit Rentner Rüttgers: Nordrhein-Westfalens früherer Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ist längst Politik-Rentner. Doch in Mönchengladbach feierte der CDU-Mann ein überraschendes Comeback. An mehreren Stellen standen Plakatwände, auf denen "unser Ministerpräsident" für die CDU warb. Die Plakate stammten noch von der Landtagswahl 2010, die zuständige Firma hatte sie nicht überklebt. Ein anderes Plakatproblem hatte SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück: Dessen Wahlplakate erwiesen sich zum Teil als nicht wetterfest und lösten sich auf. © Bild: dpa/Text: AFP
Angela Merkel
Merkels-Raute wird Simpsons-Raute: Die CDU sorgte am Berliner Hauptbahnhof mit einem gigantischen Plakat mit der als Merkel-Raute bekannt gewordenen Handhaltung ihrer Parteichefin Angela Merkel für viel Aufsehen. Im Internet nahmen viele das Motiv zum Anlass für Spott. In einer satirischen Umgestaltung verpasste etwa ein Nutzer dem bösartigen Atomkraftwerksbetreiber Montgomery Burns aus der US-Comicserie "Die Simpsons" die Hände - eine Anspielung auf Merkels vor der Atomkatastrophe von Fukushima atomfreundliche Haltung. © Bild: dpa/Text: AFP
Peer Steinbrück
Steinbrück als "Luser": Im Wahlkampf wandern Politiker gerne, das Erklimmen von Berggipfeln bringt oft schöne Bilder. Das dachte sich auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Allerdings ließ der sich von der bayerischen SPD ausgerechnet auf den Berg Lusen einladen. Bei dem großen Abstand des Herausforderers auf die Kanzlerin fühlten sich da manche an das englische Wort "lose" erinnert - also ans Verlieren. © Bild: dpa/Text: AFP
Jürgen Trittin
Trittin geht baden: Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin wollte auf der Werra in Hessen mit Mitstreitern bei einer Paddeltour Wahlkampf machen. Das Boot kenterte allerdings und Trittin ging baden - Bildaufnahmen dokumentierten den Reinfall. Statt über das von den Grünen geforderte Verbot von Salzeinleitungen in den Fluss zu sprechen, ging es danach ausschließlich um das unfreiwillige Bad. Immerhin trug der Grüne vorbildlich eine Rettungsweste. © Bild: dpa/Text: AFP
Andrea Nahles
Nahles schiefer Gesang: Oft ist es schwer, mit einer Bundestagsrede Aufmerksamkeit zu bekommen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles schaffte es sogar, tagelang zum Gesprächsthema zu werden - allerdings immer mit Spott: Nahles sang das Gute-Nacht-Lied für ihre zweijährige Tochter. Es ist die von Pippi Langstrumpf bekannt gewordene Textzeile "Ich mache mir die Welt, wide wide wie sie mir gefällt", die Nahles an die Politik Merkels erinnert. Allerdings sang die SPD-Frau diese so schräg, dass es mehr Mitleidsbekundungen für ihr Töchterchen gab als Zustimmung zur Kritik an Merkel. © Bild: dpa/Text: AFP

Insgesamt gehen für den 18. Deutschen Bundestag 34 Parteien mit annähernd 4500 Kandidaten ins Rennen. Sicher ist, dass Union (2009: 33,8 Prozent), SPD (23), Linkspartei (11,9) und Grüne (10,7) wieder ins Parlament kommen. Die FDP, die vor vier Jahren ein Rekordergebnis von 14,6 Prozent holte, muss zittern. Entscheidend könnte sein, ob es die AfD auf Anhieb ins Parlament schafft. Die Piraten haben trotz Erfolgen bei Landtagswahlen kaum Chancen.

dpa

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