Passaus OB kritisiert Hochwasser-Info

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Passau unter Wasser: Der Oberbürgermeister der Drei-Flüsse-Stadt kritisiert die Informationspolitik des Umweltministeriums.

München/Passau - Passau rechnete beim Jahrhunderthochwasser zu lange mit einem Höchststand von 9,50 Meter. Tatsächlich erreichte das Wasser schließlich fast 13 Meter.

Laut dem Ministerium wurde frühzeitig gewarnt - doch die Information kam in der Stadt nicht an.

Das Umweltministerium hat Kritik aus Passau widersprochen, dass die Stadt nicht ausreichend vor dem Ausmaß der Hochwasserkatastrophe gewarnt worden sei. Der Passauer Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) hatte sich in einem Brief an Umweltminister Marcel Huber (CSU) über mangelhafte Vorhersagen zum Jahrhunderthochwasser beschwert. Das Ministerium wies die Vorwürfe am Samstag zurück. Der Hochwassernachrichtendienst habe frühzeitig und mit ziemlich genau vorhergesagten Wasserständen vor dem Hochwasser gewarnt, teilte eine Sprecherin mit.

In seinem Brief an Huber schrieb Dupper: Wenn der Deutsche Wetterdienst den Starkregen in diesem Ausmaß prognostiziert habe, „muss unterstellt werden, dass der Hochwasser-Nachrichtendienst diese Erkenntnisse nicht in dem Umfang an die betroffenen Städte und Gemeinden weitergegeben hat, wie dies möglich und notwendig gewesen wäre“. Zuerst hatte die „Passauer Neue Presse“ über das Schreiben berichtet.

Die Stadt ging demnach viel zu lange davon aus, dass die Donau höchstens auf einen Pegelstand von 9,50 Meter steigt. Sandsäcke und Flutwände wurden aufgebaut, welche die Stadt bei einem solchen Wasserstand ausreichend geschützt hätten. Auch Häuser und Läden wurden nicht ausgeräumt, weil es nicht nötig zu sein schien.

Tatsächlich stieg das Wasser jedoch auf einen Höchststand von 12,89 Meter. Als das erkannt wurde, war es für die dafür nötigen Schutzmaßnahmen zu spät. Sandsäcke und Flutwände halfen nicht mehr. Auch die aufgebauten Stege, die bei einem niedrigeren Wasserstand als Fußwege sinnvoll gewesen wären, wurden zum Problem: Sie gefährdeten als kantige und im trüben Flutwasser nicht erkennbare Hindernisse die Rettungsboote.

„In der Folge sind Inventarschäden entstanden, die teilweise vermeidbar gewesen wären, hätte man auf Sandsäcke und Stegaufbau verzichtet und stattdessen die Gebäude geräumt“, schrieb Dupper. Er forderte, der Prognosehorizont müsse dringend erweitert werden, um bei Katastrophenlagen die richtigen Maßnahmen einleiten zu können.

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In dem Antwortschreiben des Umweltministeriums heißt es jedoch: Der Hochwassernachrichtendienst habe für den Pegel Passau/Donau 48 Stunden vor dem Höchststand bereits einen Stand von 10,64 Meter vorhergesagt und 13 Stunden vorher 12,28 Meter.

Der Wunsch von Kommunen, möglichst früh zentimetergenaue Vorhersagen zu bekommen, sei verständlich und daher wiederholt Anlass für ausführliche Untersuchungen gewesen. Aber: „In der von der Stadt Passau gewünschten Schärfe sind Langfristprognosen - vor allem bei Extremereignissen - auch in absehbarer Zeit mit modernsten Prognosemodellen nicht erzielbar.“

Der Wetterdienst habe die Niederschläge diesmal in der richtigen Größenordnung vorhergesagt, hieß es vom Ministerium. Wo genau es dann Hochwasser gibt und wie schlimm es wird, können die Meteorologen jedoch oft erst kurz vorher sagen, weil dies auch von vielen anderen Faktoren abhängt. Auch der Hochwassernachrichtendienst hat laut Umweltministerium „deutlich früher als zehn Stunden vorher vor der zu erwartenden Größenordnung des Hochwasserscheitels gewarnt, so dass auch für die Stadt Passau noch die Menschen mögliche Vorwarnzeit vor einem extremen Hochwasser gegeben war“.

dpa

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