Die meisten Behandlungsfehler in der Pflege bestätigt

Kommentar zu Behandlungsfehlern: "Patienten werden mutiger"

+
Martina Wewetzer zu Behandlungsfehlern

Ob nach Operationen, Zahnbehandlungen oder Geburtshilfe - immer mehr Patienten sehen sich als Opfer von Ärztefehlern. In rund jedem vierten Fall bestätigen Gutachter den Fehler. Die Dunkelziffer ist laut Krankenkassen hoch. Ein Kommentar dazu von HNA-Redakteurin Martina Wewetzer.

Die Behandlungsfehlerstatistik des Medizinischen Dienstes zeichnet nur ein unscharfes Bild, was in Praxen, Kliniken und Pflegeheimen schiefläuft. Da ist von 14.600 Gutachten bei vermuteten Fehlern die Rede, von denen letztlich ein Viertel als Behandlungsfehler bestätigt wurde. Aber die bittere Erkenntnis ist: Die meisten wurden in der Pflege bestätigt, dort wo sich die Patienten am wenigsten wehren können.

Ein Register der Behandlungsfehler, das auch die Daten der Haftpflichtversicherer und der Gerichte einbeziehen würde, könnte den Blick auf die Probleme im Gesundheitswesen schärfen. Denn ein Fehler im Pflegebereich ist vielleicht anders zu gewichten als ein Fehler im Operationssaal.

Mediziner sollten an solch einem Register ein Interesse haben, denn auf ihrem Rücken wird die Debatte ausgetragen. Dazu gehört, auf die Einführung von Fehlermelde- und Risikomanagementsystemen in Klinken und Pflegeheimen zu drängen. Denn diese könnten mögliche Ursachen für das Entstehen von Fehlern transparenter machen.

Was bei solchen Auswertungen unter den Tisch fällt, ist der Umstand, wie sich der Kosten- und Konkurrenzdruck auf die Leistungen in Kliniken und Pflegeheimen auswirkt und welchen Anteil der Personalschlüssel daran hat. Und auch die Tatsache, dass jedes Krankenhaus die Rendite im Blick haben muss.

Ein Gutes hat die Auswertung: Es wurden zwar mehr Gutachten mit Verdacht auf Behandlungsfehler beantragt. Das zeigt, die Patienten sind mutiger geworden. Aber es wurden zugleich viel weniger Behandlungsfehler festgestellt als ein Jahr zuvor – also kein Grund zur Sorge. mwe@hna.de

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.