Steinbrück als Zugpferd der niedersächsischen SPD

Wolfsburg. Alt-Kanzler Gerhard Schröder klatschte Beifall. Peer Steinbrück als Zugpferd des Parteitags der niedersächsischen SPD riss mit seiner kämpferischen Rede auch ihn mit.

Steinbrück will als SPD-Spitzenmann da hin, wo Schröder bereits war: ins Kanzleramt. Ex-Kanzler Schröder, der noch vor fünf Jahren in Niedersachsens Landeswahlkampf durch Abwesenheit glänzte, gefiel ganz offensichtlich die direkte Art des designierten Kanzler-Kandidaten.

Der zeigte sich in Wolfsburg in Hochform und wurde den Erwartungen der Genossen gerecht. Sie hatten schon zum Auftakt der Versammlung darauf hingewiesen, dass dank Steinbrück nicht nur niedersächsische Medienvertreter, sondern "auch die Weltpresse aus Berlin" angereist sei. Steinbrück prägte mit seiner kämpferischen Rede den Parteitag, der der Abstimmung über das Wahlprogramm der niedersächsischen SPD für die Landtagswahl im Januar 2013 gewidmet war.

Gleich zu Beginn ging er in die Offensive und sprach an, was den Genossen wehtut: die öffentliche Debatte um seine hohen Rednerhonorare, die dem einsetzenden Wahlkampf den Stempel aufdrückt. Ja, gab Steinbrück zu, der Wind wehe ihm gerade heftig ins Gesicht, und auch die Partei bekomme davon was ab. Von Zerknirschtheit aber keine Spur. Stattdessen eher ein missmutiger Seitenhieb gegen die Medien. Die Couch des Psychiaters brauche er deswegen nicht, meinte er trotzig - um sich dann Themen zu widmen, die ihm am Herzen liegen.

Und dann legte der Ex-Finanzminister los. Wie ein Befreiungsschlag wirkte die frei vorgetragene, knapp einstündige Rede, die die Genossen anschließend mit minutenlangem Beifall bedachten. Von einer Renaissance der sozialen Marktwirtschaft war da die Rede, von der notleidenden Bildungspolitik, der Notwendigkeit einer stärkeren europäischen Integration, aber auch den Gefahren eines gnadenlosen Sparkurses, der die demokratische Ordnung der europäischen Krisenländer bedrohe. Ein klares Bekenntnis zu Europa, aber auch ein energisches Veto gegen überbordende EU-Bürokratie.

Die flammende Rede überlagerte ein wenig die Versammlung. Denn der bisher in der Öffentlichkeit etwas blass gebliebene niedersächsische SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil stand mit seiner Rede im Schatten des wortgewaltigen Steinbrück. Dabei hatte auch Weil eine Rede gehalten, die die CDU zwar als "hilflose Panikattacke" kritisierte, die von den anwesenden Genossen aber begeistert gefeiert worden war.

Weil beschwor die sozialen Werte einer traditionellen Arbeiterpartei, der er zu ihrem 150. Jubiläum im kommenden Mai einen Machtwechsel in Niedersachsen bescheren möchte. Grund zum Optimismus sei nicht nur die Stärke der SPD, sondern auch die Schwäche von Schwarz-Gelb, meinte Weil. Aktuelle Umfragen räumen seiner geplanten Koalition mit den Grünen gute Wahlchancen ein.

"Nach vielen Jahren ist das der letzte Parteitag als Oppositionspartei, nach 10 Jahren ist dies der erste Parteitag vor dem Regierungswechsel am 20. Januar", betonte der niedersächsische SPD-Spitzenkandidat, der bereits als "künftiger Ministerpräsident" begrüßt worden war - und dem Schröder mit den Worten "Der kann das!" eine glänzende Karriere in der Bundespolitik vorhersagt. Schröders Frau Doris saß ebenfalls im Saal - als hoffnungsfrohe Kandidatin für ein Mandat bei der Landtagswahl im kommenden Januar. Ob sie denn nicht beunruhigt sei, dass ihr Gatte nun ihre politischen Schritte beobachte, wird sie gefragt. "Nein", lacht sie in die Kamera, "hier sitze ich im Hintergrund - und damit beobachte ich ihn." (dpa)

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