Peres fordert: Holocaust-Täter weiter verfolgen

Berlin - Mit einer eindringlichen Rede hat der israelische Präsident Schimon Peres im Bundestag an die Opfer des Holocaust erinnert und die Bestrafung noch lebender NS-Verbrecher gefordert.

Zugleich warnte er am Mittwoch in einer Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus vor “blutrünstigen Diktatoren“ mit Massenvernichtungswaffen im Iran. Der 86-jährige Friedensnobelpreisträger war nach Ezer Weizman und Mosche Katzav der dritte israelische Präsident, der vor dem Parlament sprach. Der Bundestag begeht den Holocaust-Gedenktag jedes Jahr mit einer Feierstunde, zu der die höchsten Repräsentanten des Staates eingeladen sind. Peres wies in seiner 35-minütigen Rede darauf hin, dass die Zahl der Überlebenden der Shoa täglich abnehme. Gleichzeitig lebten noch immer überall auf der Welt die Täter. “Ich bitte Sie: Tun Sie alles, um diesen Verbrechern ihre gerechte Strafe zu erteilen“, sagte Peres.

Die meistgesuchten Nazi-Verbrecher

Sie haben sich dem Zugriff der Justiz entzogen. Auf der Liste der meistgesuchten Nazi- Kriegsverbrecher des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem stehen folgende Namen: © dpa
ALOIS BRUNNER (Jahrgang 1912) in Syrien: Der wichtigste bislang strafrechtlich nicht verfolgte Nazi-Kriegsverbrecher ist möglicherweise nicht mehr am Leben. © dpa
Der ehemalige SS-Hauptsturmführer soll als “Ingenieur der Endlösung“ für den Tod von etwa 130 000 Juden aus mehreren Ländern verantwortlich sein. © dpa
Brunner wurde das letzte Mal im Jahr 2001 in Damaskus (Syrien) gesehen. © dpa
ARIBERT HEIM (1914) in Ägypten: Der als “Dr. Tod“ berüchtigte frühere KZ-Arzt soll 1992 mit 78 Jahren in Kairo gestorben sein. Als Beleg gilt ein Auszug aus dem Sterberegister. © dpa
Aufgrund einer beim Bundesfinanzhof anhängigen Steuersache schließt das Wiesenthal- Zentrum jedoch nicht aus, dass Heim noch lebt. © dpa
Er soll in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Mauthausen zahlreiche Menschen ermordet haben, viele durch Injektionen ins Herz. © ZDF
SANDOR KEPIRO (1914) in Ungarn: Der Polizeioffizier wird verdächtigt, an der Ermordung von mehr als 1200 Zivilisten im serbischen Novi Sad teilgenommen zu haben. © dpa
MILIVOJ ASNER (1913) in Österreich: Der ehemalige Polizeichef in Kroatien soll aktiv an der Verfolgung und Deportation von Serben, Juden sowie Sinti und Roma beteiligt gewesen sein. © AP
KLAAS CARL FABER (1922) in Deutschland: In den Niederlanden wurde er für den Tod von Gefangenen 1944 zum Tode verurteilt. © dpa
Das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. 1952 flüchtete er aus dem Gefängnis und lebt seit Jahrzehnten in Ingolstadt. © dpa
SOEREN KAM (1921) in Deutschland: Das ehemalige SS-Mitglied soll für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich sein und die Deportation der jüdischen Gemeinde in Dänemark in deutsche Konzentrationslager ermöglicht haben. © dpa
Wegen Tötung in Dänemark verurteilt, lebt Kam heute in Kempten im Allgäu. © dpa
MICHAIL GORSCHKOW (1923) in Estland: Laut Wiesenthal-Zentrum war er am Mord an Juden in Weißrussland beteiligt. © dpa
ALGIMANTAS DAILIDE (1921) in Deutschland: Er soll Juden festgenommen haben, die später von Nationalsozialisten getötet wurden. © dpa
Von den USA ausgeliefert wurde er in Litauen verurteilt, musste seine Haft aber wegen seines Gesundheitszustands nicht antreten und lebt heute in Sachsen. © dpa

Um eine zweite Shoa zu verhindern, müsse Frieden mit allen Ländern bewahrt werden, sagte Peres. Nie wieder dürften “blutrünstige Diktatoren ignoriert werden, die sich hinter demagogischen Masken verbergen und mörderische Parolen von sich geben“. Die Drohungen, Israel zu zerstören, kämen von nicht zurechnungsfähigen Menschen, sagte er mit Blick auf die iranische Führung. Ein Regime, das mit Zerstörung drohe und Atomkraftwerke und Nuklearraketen besitze, mit denen es sein eigenes Land wie auch andere Länder terrorisiere, sei eine Gefahr für die ganze Welt.

Peres betonte, Israels Ziel sei es, mit seinen Nachbarn in Frieden zu leben. Sein Staat stimme einer Zweistaatenlösung mit den Palästinensern zu. Man zögere nicht, für den Frieden einen Preis zu zahlen und sei bereit, auf Gebiete zu verzichten. Für seine Rede erhielt der 86-Jährige, der am Montag zu einem dreitägigen Staatsbesuch in Berlin eingetroffen war, stehende Ovationen, unter anderen von Bundespräsident Horst Köhler und Kanzlerin Angela Merkel.

Die besondere Verantwortung Deutschlands

Vor Peres hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert gesprochen und die besondere Verantwortung Deutschlands für den Staat Israel bekräftigt. “Wo sein Existenzrecht gefährdet ist, gibt es für uns Deutsche keine Neutralität“, sagte der CDU-Politiker. “Manches ist verhandelbar, das Existenzrecht Israels nicht“, betonte er. Ein atomar bewaffnetes, offen antisemitisches Regime in seiner Nachbarschaft sei nicht nur für Israel unerträglich, die Weltgemeinschaft dürfe eine solche Bedrohung nicht dulden.

Zum Abschluss der Gedenkstunde merkte der Holocaust-Überlebende, der polnische Historiker Feliks Tych, kritisch an, dass auch Menschen in osteuropäischen Staaten am Völkermord beteiligt gewesen seien. Die Komplizenschaft der einheimischen Bevölkerung am Massenmord müsse aufgearbeitet werden. Vor 65 Jahren, am 27. Januar 1945, war das Vernichtungslager Auschwitz durch sowjetische Truppen befreit worden. Diesen Tag erklärten die Vereinten Nationen im Jahr 2005 zum internationalen Holocaust-Gedenktag. In Deutschland ist dieser Tag seit 1996 der zentrale Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

Von Holger Mehlig

Rubriklistenbild: © dpa

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