Nach Zerwürfnis mit der katholischen Kirche

Missbrauch in Kirche: Pfeiffer kündigt eigene Studie an

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Christian Pfeiffer

Hannover. Der Kriminologe Christian Pfeiffer will nach der Aufkündigung der Missbrauchsstudie durch die Deutsche Bischofskonferenz eine eigene Untersuchung zu kirchlichem Missbrauch erstellen.

 Das sagte der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. Er rief alle kirchlichen Missbrauchsopfer auf, für eine anonyme Befragung mit dem Forschungsinstitut Kontakt aufzunehmen. Nachdem das KFN bereits für eine andere Studie 500 Opfer von Missbrauch durch unterschiedlichste Täter untersucht habe, sollten diese Ergebnisse nun mit denen von 500 Opfern kirchlichen Missbrauchs verglichen werden.

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Die Bischofskonferenz hatte dem KFN am Mittwoch den vor eineinhalb Jahren erteilten Auftrag für eine umfassende Untersuchung von Missbrauchsfällen entzogen und ein zerrüttetes Vertrauensverhältnis mit Pfeiffer als Grund genannt. Nach dessen Darstellung hat die Kirche die Veröffentlichung von Ergebnissen nach Widerstand aus einzelnen Diözesen nachträglich reglementieren wollen, obwohl alle Bistümer dem Projekt zum Start zugestimmt hätten. Sein Institut sei nicht bereit gewesen, sich einer Zensur zu beugen. "Wir haben für dieses Projekt gekämpft wie für kein anderes."

Gegenwind sei vor allem aus den Diözesen München/Freising und Regensburg gekommen. Der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann habe versucht, das Projekt gegen diesen Widerstand einer Minderheit zu retten, sagte Pfeiffer. Es habe weiterhin auch engagierte Befürworter in der Kirche gegeben. Ein Beispiel sei der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch.

Kritiker hätten aber auf der Möglichkeit bestanden, eine Veröffentlichung aus wichtigen Gründen zu verbieten und auf jeden Fall von einer schriftlichen Zustimmung abhängig zu machen, sagte der Kriminologe. Wenn nun Datenschutzfragen als Grund genannt würden, sei dies ein Werfen mit Nebelkerzen.

"Wir hätten wahrscheinlich wie in den USA belegen können, dass es in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren zu einem starken Rückgang des Missbrauchs in der Kirche gekommen ist", sagte Pfeiffer zu möglichen Resultaten. Diesen Rückgang hätte sein Institut zu erklären versucht. Außerdem wären Fälle der vergangenen 10 bis 15 Jahre näher untersucht worden, bei denen es trotz der verstärkten Bemühungen der Kirche dennoch zum Missbrauch an Minderjährigen gekommen ist. (dpa)

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