Tierquälerei oder Tradition? Hessen steht zum Brandverbot

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Umstrittene Tradition: Ein Fohlen wird bei Osnabrück mit einem Brandzeichen markiert.

Wiesbaden.  Uneinigkeit in Sachen Pferdekennzeichnung: Während Niedersachsen das bevorstehende Verbot von Brandzeichen bei Pferden verhindern will, spricht sich Hessens Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich deutlich für das Brandverbot aus.

„Brandzeichen bei Pferden gehören genauso verboten wie die Ferkelkastration ohne Betäubung“, sagt Lucia Puttrich (CDU) eindeutig.

Damit stellt sich die Christdemokratin Puttrich ganz offen gegen ihren niedersächsischen Kollegen und Parteifreund Gert Lindemann. Der hat sogar eine andere Meinung als Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), die das sogenannte Branding verbieten lassen will. In Aigners Ministerium war Lindemann Staatssekretär, ehe er im Januar 2010 in Niedersachsen Minister wurde.

Alte Methode

„Tierquälerei“ nennen Tierschützer die jahrhundertealte Methode, den Pferden - heutzutage meist auf den linken Schenkel - ein unverwechselbares Merkmal aufzudrücken. Den Fohlen werde eine schwere Verletzung zugefügt. „Ein Brandzeichen ist ein Statussymbol. Damit lässt sich für Insider sofort der Besitzer eines Tieres erkennen. In einigen Fällen sind die Brandzeichen gleichzeitig das Familienwappen. Dieses Privileg geht manchen Züchtern über den Tierschutz“, so Philip McCreight, Leiter der hessischen Tierschutzorganisation Tasso in Hattersheim.

Das sehen einige Niedersachsen ganz anders. Deren Ziel ist klar: Das Pferdeland will auf seine Tradition nicht verzichten.

Und diese Tradition sieht so aus: Mit auf etwa 800 Grad erhitztem Eisen streicht der Brennbeauftragte des Landesgestüts Celle, Klaus Berger, über den linken hinteren Oberschenkel von Collin. Kaum vernehmlich zischt es, das Hengstfohlen zuckt leicht, eine kleine Rauchwolke steigt auf. Seelenruhig steht das Tier bei seiner Mutter Ricarda. „Dem Kleinen geht es prächtig“, strahlt Collins Eigentümer. Der heißt Jan Ahlers, ist leidenschaftlicher Pferdezüchter in Wietzen bei Nienburg - und CDU-Landtagsabgeordneter.

15-stelliger Code

Abstammung und Eigentum ließen sich auch mittels Chips nachweisen, sagen die Brandzeichengegner. Seit 2009 ist diese elektronische Kennzeichnung in der EU zur besseren Bekämpfung von Tierseuchen sowieso vorgeschrieben. Also bekommt auch Collin den Transponder mit einem 15-stelligen Code - trotz Brandzeichen.

Wann und ob das Brandzeichenverbot kommt, ist nach dem niedersächsischen Bremsmanöver ungewiss. Eine auf drei Jahre angelegte Expertise soll das Schmerzempfinden der Fohlen herausfinden. Zudem will man klären, ob eine örtliche Betäubung vor oder Medikamente den Schmerz lindern können. Schleswig-Holstein hat dazu bereits Zustimmung signalisiert. Hessens Landwirtschaftsministerin dagegen wackelt nicht. „Ministerin Lucia Puttrich unterstützt die Pläne des Bundeslandwirtschaftsministeriums für eine Novelle des Tierschutzgesetzes“, erklärte eine Ministeriumssprecherin klipp und klar.

Von Peter Mlodoch und Jürgen Umbach

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