Arzneimittel-Fachausschuss: Negative Auswirkungen nicht bekannt

Pille danach bald rezeptfrei?

Berlin. In vielen Ländern können Frauen die Pille danach rezeptfrei bekommen. Dass das nicht unbedingt zu einem sorgloseren Umgang mit anderen Verhütungsmitteln führt, zeigen Studien. Ein Fachausschuss beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat nun empfohlen, das Mittel in Deutschland freizugeben.

Denn mögliche negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit seien nicht bekannt sind.

Bei SPD und Opposition rennen die Fachleute damit offene Türen ein. „Dort, wo man die Pille verschreibungsfrei einsetzt, ist sie nicht zu einem allgemeinen Mittel der Verhütung geworden“, sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Die Linke-Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler erklärte: „Gerade auf dem Land und an Wochenenden ist es oft schwierig, rechtzeitig einen Arzt und dann einen Apotheker zu finden.“ Denn spätestens nach 72 Stunden muss das Präparat eingenommen werden. Der Inhaltsstoff Levonorgestrel verhindert den Eisprung, wenn auch nicht mit völliger Sicherheit.

Damit die Pille danach rezeptfrei wird, müsste die Bundesregierung eine Verordnung erlassen. Doch die Union stellt sich quer. „Die Pille danach ist keine Kopfschmerztablette“, gibt die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) zu bedenken. In anderen Ländern gebe es bei leichterem Zugang auch mehr abgebrochene Schwangerschaften. „Für Bayern steht der Schutz des ungeborenen Lebens an erster Stelle.“

Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn legt in einem langen Blogeintrag die Argumente gegen die Freigabe von Levonorgestrel dar und listet mögliche Nebenwirkungen auf. Lediglich die Freigabe dieses Präparates werde diskutiert, so Spahn. Es gebe jedoch bessere und wirksamere Medikamente mit neuem Wirkstoff.

Auch der Berufsverband der Frauenärzte hat sich deshalb gegen eine Freigabe des älteren Mittels gewandt. Die Bundesapothekerkammer hingegen pocht auf eine schnelle Freigabe und verspricht ausreichend Beratung in den Apotheken.

Zu einem offenen Koalitionsstreit will es Schwarz-Rot wegen der Pille danach trotz unterschiedlicher Standpunkte nicht kommen lassen, hieß es gestern hinter den Kulissen.

Bereits im Herbst verlangte die rot-grüne Ländermehrheit in einem Bundesratsbeschluss die Freigabe. Neu angefacht worden ist die schon lange geführte Debatte vor gut einem Jahr: In Köln war eine junge Frau vergewaltigt worden. Eine Notärztin schickte sie ins Krankenhaus – doch zwei katholische Kliniken lehnten ihre Behandlung ab. Dem Personal waren Gespräche über die Pille danach zu heikel. Erst nach einem öffentlichen Aufschrei erlaubte die katholische Kirche das Mittel für vergewaltigte Frauen. (dpa)

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