Piloten-Streik weitet sich aus: Fragen und Antworten zum Thema

Hunderttausende Passagiere waren schon betroffen: Nun folgt die achte Streikwelle, in der die Lufthansa-Piloten die Maschinen am Boden lassen. Unser Bild wurde am Frankfurter Flughafen aufgenommen. Foto: dpa

Schon wieder sind Zehntausende Reisende die Leidtragenden: Kaum haben die Lokführer der Deutschen Bahn ihren Ausstand beendet, rollt die nächste Streikwelle der Lufthansa-Piloten. Seit sechs Uhr heute Morgen werden auch die Langstreckenflüge bis Mitternacht bestreikt.

Worum geht es im Tarifstreit zwischen der Lufthansa und der Vereinigung Cockpit?

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Gestritten wird um den Vorruhestand der rund 5400 Piloten und Co-Piloten von Lufthansa. Ihre Übergangsversorgung soll abgeschafft werden. Sie ist bisher wie folgt geregelt: Piloten, die nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten, erhalten bereits erstmals ab 55 Jahre 60 Prozent ihres Brutto-Gehalts. Da die Lufthansa aber sparen will, plant sie, diese Altersgrenze anzuheben. Die Übergangsversorgung für die Piloten betrug bisher durchschnittlich 124.000 Euro im Jahr.

Wann gehen die Piloten denn in Rente?

Im Schnitt gehen die Kapitäne derzeit mit knapp 59 Jahren in den von Lufthansa bezahlten Vorruhestand. Die Fluggesellschaft will das durchschnittliche Alter für Verkehrspiloten schrittweise auf 61 Jahre erhöhen. Für den regulären Renteneintritt wurde die Altersgrenze international auf 65 Jahre hochgesetzt. Das gilt auch in Deutschland.

Was sagt die Gewerkschaft zu den Plänen?

VC argumentiert mit der besonderen Belastung der Piloten durch ihren Job und spricht von „sozialem Kahlschlag“. „Wir wollen den Status Quo erhalten, dass Piloten selbst bestimmt in den Ruhestand gehen können“, sagt ein VC-Sprecher. Cockpit ist bereit, Kostensenkungen gegenüber dem bisherigen Vertrag zu akzeptieren. „Hierzu bedarf es aber eines grundsätzlichen Willens seitens des Managements zu einem Kompromiss, statt eines Kahlschlages“, fordert die Gewerkschaft.

Welche Passagiere sind von den Streiks betroffen?

Die achte Streikwelle der Piloten trifft vor allem Lufthansa-Passagiere auf Strecken von und nach Frankfurt. Gestern Mittag begann der 35-stündige Ausstand der Flugkapitäne bis heute um Mitternacht zunächst auf der Kurz- und Mittelstrecke. Heute sollen die Streiks von sechs Uhr bis kurz vor Mitternacht auf Langstreckenverbindungen ausgeweitet werden. Lufthansa muss deshalb mehr Flüge streichen als zunächst geplant.

Das Unternehmen stellte die Langstreckenverbindungen nach Frankfurt für heute fast vollständig ein. Der überwiegende Teil der Kurz- und Mittelstreckenflüge werde ebenfalls gestrichen, teilte die Fluggesellschaft mit. Insgesamt streicht Lufthansa nun 1511 Flüge, betroffen sind etwa 166 000 Passagiere.

Wie erfahre ich, ob mein Flug betroffen ist?

Auf der Homepage: www.lufthansa.com sind die gestrichenen Verbindungen aufgelistet. Außerdem gibt es eine Hotline, Tel. 0800 850 60 70. Betroffene Passagiere könnten ihr Ticket umbuchen lassen.

Welche weiteren Rechte habe ich als Gast?

Ab der fünften Verspätungsstunde hat der Fluggast außerdem das Recht, das Ticket zurückzugeben und sich die Kosten erstatten zu lassen. Damit verzichten Fluggäste jedoch auf gestellte Unterkunft und Versorgung. Die gibt es „im angemessenen Verhältnis zur Wartezeit“: zum Beispiel bei drei Stunden einen Gutschein über zehn Euro pro Person. Außerdem muss sich die Fluggesellschaft um Übernachtung und Transfer kümmern. Die Umbuchung ist kostenlos möglich. Bei Langstreckenflügen: auf späteren Flug oder andere Fluggesellschaft. Bei Kurzstreckenflügen: meist auf die Bahn.

Was gilt, wenn eine Pauschalreise gebucht wurde?

Der Reiseveranstalter muss für eine Ersatzbeförderung sorgen. Bei mehr als vier Stunden Verspätung kann der Gesamtreisepreis um fünf Prozent des Tagesreisepreises für jede weitere Verspätungsstunde gekürzt werden. Der Tagesreisepreis ergibt sich aus demGesamtreisepreis der Pauschalreise geteilt durch die Dauer der Reise (Urlaubstage). (mit dpa)

Von Nina Nickoll

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