Erfolgsprojekt: Vor zehn Jahren begann die Wiederansiedlung des Luchses im Harz

Pinselohr wieder heimisch

Lebt seit zehn Jahren wieder im Harz: Der Luchs hat die Fauna des Mittelgebirges bereichert. Unser Foto zeigt ein Pinselohr in der Nähe der Rabenklippen bei Bad Harzburg. Archivfoto:  dpa

St.ANDREASBERG. Wären Luchse weniger scheu, könnten Wanderer heute fast überall im Harz auf die Tiere treffen. Zehn Jahre nach Beginn des einzigartigen Wiederansiedlungsprogrammes haben die Raubkatzen das gesamte Mittelgebirge für sich erobert. „Viele Luchse haben den Harz inzwischen auch verlassen und sich andere Lebensräume gesucht“, sagt Ole Anders, der bei der Nationalparkverwaltung Harz für das Projekt verantwortlich ist.

Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) spricht von einer „deutschlandweit einmaligen Erfolgsgeschichte“. Rund 180 Jahre lang war der Luchs aus dem Harz verschwunden. Die letzten Exemplare waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlegt worden. Bauern und Schäfer hatten die Raubkatze gnadenlos verfolgt.

Auch als in den 1990er-Jahren über die Wiederansiedlung diskutiert wurde, führten die Gegner ins Feld, der Luchs werde Schafe, Ziegen, Gänse und Hühner in Massen erbeuten. Obwohl die Landesjägerschaft das Projekt von Beginn an befürwortete, bangten viele Jäger im Harz um den Wildbestand. Luchse fressen im Schnitt ein Reh pro Woche. Mindestens 17 Luchse sind seit dem Start des Projektes ums Leben gekommen. Sie wurden von Autos oder Zügen überfahren. Andere starben an Krankheiten wie der Fuchsräude oder bei Rivalenkämpfen. Trotz der Verluste lebt im Harz inzwischen eine stabile Population. Freilassungen sind deshalb schon seit 2006 nicht mehr nötig.

Ole Anders sieht das Wiederansiedlungs-Projekt inzwischen als akzeptiert an. Die Raubkatzen hätten nur in wenigen Fällen Haustiere gerissen. Für Menschen gibt es aus seiner Sicht überhaupt keine Gefahr. In zehn Jahren habe es keinen einzigen Angriff eines Luchses gegeben. (lni)

Von Matthias Brunnert

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