"Pjöngjang-Zeit"

In Nordkorea gehen die Uhren jetzt anders

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Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un.

Pjöngjang - Die Menschen in Nordkorea haben am Freitag Mitternacht gleich doppelt erlebt und sind am Samstag zu einer neuen Uhrzeit aufgewacht.

Wie vor gut einer Woche angekündigt ließ die Regierung in Pjöngjang die Uhren eine halbe Stunde zurückdrehen, um damit ein Zeichen gegen die japanische Kolonialzeit zu setzen. Das Staatsfernsehen zeigte mehrere Nordkoreaner in traditioneller Kleidung, die zur Feier der Uhrenumstellung eine riesige Glocke läuteten. Landesweit gingen in Fabriken, auf Schiffen und in Zügen die Sirenen an.

Die Nutzung der sogenannten "Pjöngjang-Zeit", die nun 30 Minuten hinter der bisherigen Zeit und damit auch hinter der des Nachbarn Südkorea liegt, habe zum Ziel, "alle Spuren der japanischen Kolonialherrschaft zu beseitigen", verkündete der Fernsehansager. Nordkorea feiert am Samstag das Ende der japanischen Kolonialherrschaft über die Koreanische Halbinsel vor 70 Jahren. Sie dauerte von 1910 bis 1945.

Nordkoreas Regime feierte den Befreiungstag unter anderem mit Huldigungen an die seit Jahrzehnten herrschende Kim-Dynastie. Kim Jong Un sei der „große Leitstern“, der sich wie seine Vorgänger für die nationale Wiedervereinigung einsetze, hieß es in einem „Memorandum“ zum 70. Jahrestag. Kim, der Anfang 30 sein soll, herrscht seit dem Tod seines Vaters Kim Jong Il Ende 2011 über das verarmte, aber hoch gerüstete Land.

Südkorea hatte die Pläne Nordkoreas kritisiert. Nach Überzeugung von Seoul sind kurzfristig Nachteile für den gemeinsam auf nordkoreanischem Territorium betriebenen Industriekomplex Kaesong zu befürchten. Langfristig würden dadurch auch die Bemühungen zurückgeworfen, die Unterschiede zwischen beiden Staaten abzubauen, was letztlich eine Wiedervereinigung der Halbinsel erschwert. Der Norden wiederum warf dem Süden vor, weiterhin unter Japans Kontrolle zu stehen, weil es an derselben Uhrzeit wie Tokio festhalte.

Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte 1997 eine eigene Zeitrechung eingeführt, die nach der Staatsideologie Juche bezeichnet wird. Der Kalender beginnt 1912, mit dem Geburtsjahr des früheren Staatschefs und Kim Il Sung, dem Großvater von Kim Jong Un. Das Regime zählt 2015 auch als Juche 104. Allerdings wird parallel dazu auch die sonst weltweit verbreitete Zeitrechnung benutzt.

Auch Südkorea hatte von 1954 bis 1961 die Uhren um 30 Minuten auf seine eigene Zeit zurückgedreht, die vor der Kolonialzeit vorübergehend koreanische Normalzeit war. Nach dem Militärputsch von 1961 wurde die Zeit wieder umgestellt.

AFP/dpa

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