EKD plant keine Einheitsregel zu homosexueller Trauung

Seligenstadt. Die erste evangelische Trauung Homosexueller in Hessen stößt in der Kirche auch auf Kritik. Die EKD will es den Landeskirchen daher selber überlassen, wie viel Gleichstellung sie wagen.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) strebt nach der ersten evangelischen Trauung eines homosexuellen Paars in Hessen keine bundesweit einheitliche Regelung an. Ob homosexuelle Paare einen Segen oder wie nun in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) auch eine kirchliche Beurkundung erhalten, falle in den Gestaltungsbereich der insgesamt 20 Landeskirchen, sagte ein EKD-Sprecher in Hannover am Montag. 14 hätten inzwischen eine Regelung zumindest zur Segnung der Paare.

Nach der Trauung am Wochenende in Seligenstadt bei Frankfurt befürchtet der evangelische Ökumene-Bischof Friedrich Weber eine Belastung der Beziehung zu den Katholiken. „Der Dialog ist schwieriger geworden“, sagte der Braunschweiger Bischof. „Die Katholiken können das nicht nachvollziehen.“ Die Entwicklung halte er persönlich für problematisch, sagte Weber, der Catholica-Beauftragte der evangelischen Kirche ist. „Die Ehe zwischen Mann und Frau muss deutlich als etwas anderes erkennbar bleiben.“

Statt dem Vorpreschen einzelner Landeskirchen müsse die EKD eine einvernehmliche Regelung finden. In ihrem neuen Positionspapier zur Familie hatte die EKD unter anderem auch zur Unterstützung von Patchworkfamilien und gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften aufgerufen und war von der traditionellen Ehe als alleiniger Norm abgerückt.

Das kirchenintern auch kritisierte Papier macht den Landeskirchen aber keine Vorschriften. Derzeit erarbeitet die EKD ein neues Positionspapier zur Sexualität, in dem auch die Homosexualität eine Rolle spielen soll. Eine deutschlandweite Rahmenregelung hatte die EKD 2010 für das Zusammenleben homosexueller Pfarrer mit ihren Partnern im Pfarrhaus gefunden.

Begrüßt wurde der Schritt der hessischen Kirche von der Ökumenischen Arbeitsgruppe Homosexualität und Kirche (HuK). Ziel müsse eine Gleichstellung von Homosexuellen sein mit einer kirchlichen Trauung, die nicht in die Sakristei oder ein Hinterzimmer verlegt werde, sagte HuK-Sprecher Markus Gutfleisch in Recklinghausen. (dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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