Poker um die Wohnstadt: Spekulationen über geplanten Verkauf

Wohnstadt-Häuser im Kasseler Stadtteil Fasanenhof: Die 50er-Jahre-Gebäude wurden 2006 modernisiert. Archiv-Foto: Koch

Frankfurt. Die Pläne von Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), sich von den Landesanteilen an der Nassauischen Heimstätte/Wohnstadt zu trennen, könnten für die nordhessischen Mieter folgenreicher werden als für die südhessischen.

Das jedenfalls wird innerhalb des Unternehmens befürchtet, dessen beide Teile seit 2005 unter einem Dach firmieren.

Denn Frankfurt und Wiesbaden haben bereits signalisiert, Anteile zu übernehmen, um einen Verkauf an private Investoren zu verhindern. In Frankfurt käme die ABG Holding infrage, eine Tochter der Stadt, die rund 50 000 Wohnungen besitzt. Sie könnte sogar den kompletten Landesanteil von 56 Prozent übernehmen, 31 Prozent sind ohnehin schon im Besitz der Stadt. Die Rede ist von einem Kaufpreis von 350 Millionen Euro.

Synergie-Effekte

Fraglich wäre allerdings, welches Interesse die Frankfurter an den 19 600 Wohnungen in Nordhessen haben sollten. Die Befürchtung: Die ABG refinanziert einen Teil des Kaufpreises, indem sie sich vom dem durch die Wohnstadt vertretenen nordhessischen Unternehmensteil trennt. Dass es bei einer Fusion auf jeden Fall zu Synergie-Effekten im Personalbereich kommt, gilt als unstrittig. Beide Unternehmen sind beispielsweise auch in der Stadtentwicklung tätig.

Will verkaufen: Finanzminister Thomas Schäfer (CDU).

Der Grüne Olaf Cunitz, der kürzlich zum Bürgermeister und Planungsdezernenten in Frankfurt gewählt wurde, hatte jedoch im Dezember erklärt, die Heimstätte dürfe nicht zerschlagen werden. Man müsse auch Verantwortung für Nordhessen übernehmen: „Wohnungspolitik endet nicht an der Stadtgrenze.“

ABG- Geschäftsführer Frank Junker unterstreicht das im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wenn wir kaufen, ändert sich für die Mieter gar nichts, auch nicht die Ansprechpartner“. Auf einem Flugblatt hatte die Gewerkschaft Verdi für den Fall des Verkaufs unter anderem vor der Abschaffung dezentraler Mieterbetreuung zugunsten anonymer Call-Center gewarnt. So etwas werde es mit der ABG nicht geben, sagte Junker.

„Kein Haar gekrümmt“

Eine weitere Option für ihn wäre, das Geschäft gemeinsam mit der Landesbank Hessen-Thüringen zu machen, die bereits vor Jahren die Gemeinnützige Wohnungsbausgesellschaft Hessen (GWH) übernommen hatte: „Sowohl die ABG als auch die GWH sind zwei solide Unternehmen, bei der Übernahme damals ist den Mietern kein Haar gekrümmt worden“, sagt Junker.

Schäfers Sprecher Stefan Löber betont: „Der Käufer muss sich der sozialen Ausrichtung des Unternehmens verpflichtet fühlen“. Es sei unredlich, den Mietern Angst vor „Heuschrecken“ zu machen, meinte er mit Blick auf die Unterschriftenaktion von SPD, DGB und Mieterbund gegen den Verkauf der Heimstätte.

Noch allerdings ist nichts entschieden. Schäfer, so Löber, stehe aber dazu, dass das Betreiben einer Wohnungsbaugesellschaft nicht zu den Kernaufgaben des Landes gehöre.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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