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Raketeneinschlag in Polen: Ermittlungen abgeschlossen? Experten verlassen Explosionsort

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Von: Tobias Utz

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Zwei Menschen sterben bei einem Raketeneinschlag in Polen. Nun ziehen sich die Ermittler zurück.

Update vom Sonntag, 20. November, 18.25 Uhr: Sind die Ermittlungen vor Ort nach dem tödlichen Raketeneinschlag abgeschlossen? Vieles spricht nach Augenzeugenberichten dafür. Einsatzkräfte und Ermittler haben den Ort der Explosion offenbar vorerst verlassen, berichtet der Spiegel und beruft sich dabei auf die Nachrichtenagentur PAP.

Am Ortseingang des Dorfes Przewodow waren demnach keine Polizisten mehr zu sehen. Sie hatten zuvor das Gelände um die Einschlagsstelle gesichert. Auf dem Gelände des Getreidespeichers, den die Rakete traf, waren auch keine Einsatzkräfte und Ermittler tätig. Von offizieller Seite gab es dazu keine Angaben.

Tödlicher Raketeneinschlag in Polen: Neue Details widersprechen Verdacht der Nato

+++ 15.00 Uhr: Nach dem tödlichen Raketeneinschlag auf polnischem Staatsgebiet rechnet Polens Präsident Andrzej Duda mit weiteren Vorfällen dieser Art. „Leider müssen wir in gewissem Sinne darauf vorbereitet sein, dass sich Unfälle als Folge des Krieges an unserer Grenze wiederholen können“, sagte Duda am Freitag in der ostpolnischen Stadt Rzeszow.

Zwar werde Polen alles tun, um sicherzustellen, dass dies nicht passiere. Doch leider sei es unmöglich, sich vor so einem Ereignis wie dem Raketeneinschlag zu schützen, sagte Duda weiter. Militärexpertinnen und Militärexperten hätten ihm erklärt, dass kein Raketenabwehrsystem in der Lage gewesen wäre, dieses Geschoss auf polnischem Hoheitsgebiet abzufangen, da dafür die Zeit nicht ausgereicht hätte.

Raketeneinschlag in Polen
Polizeifahrzeuge fahren zu dem Ort, nach dem Einschlag einer Rakete nahe der Grenze zur Ukraine. © Evgeniy Maloletka / AP / dpa

Raketeneinschlag in Polen: Kiew und Warschau wollen gemeinsam ermitteln

+++ 13.32 Uhr: Nach dem Raketeneinschlag auf polnischem Staatsgebiet beraten Polen und die Ukraine derzeit nach Angaben aus Warschau über die Einsetzung einer internationalen Ermittlergruppe. Dies sei eine von zwei Möglichkeiten, ukrainische Spezialisten an den Untersuchungen am Absturzort zu beteiligen, sagte der Chef des Büros für Nationale Sicherheit beim polnischen Präsidenten, Jacek Siewiera, dem Sender TVN24.

Der Ukraine sei bereits am Mittwoch in einem Schreiben mitgeteilt worden, dass die polnische Seite die Anwesenheit von Vertretern der ukrainischen Verwaltung an der Einschlagsstelle gestatte, sagte Siewiera. Für eine aktive Beteiligung an den Ermittlungen gebe es zwei juristische Wege. Entweder könne die Ukraine ein internationales Rechtshilfe-Ersuchen stellen oder Polens Generalstaatsanwalt eine internationale Ermittlergruppe einsetzen. „Derzeit hat die ukrainische Seite keinen Rechtsbeistand beantragt; es laufen Gespräche – vielleicht sind sie schon abgeschlossen - über eine internationale Gruppe“, sagte Siewiera.

Raketeneinschlag in Polen: Neue Details bekannt

Update vom Freitag, 18. November, 8.30 Uhr: Nachdem die Nato neue Details zu den Ermittlungen des Raketeneinschlags in der südostpolnischen Ortschaft Przewodow bekannt gegeben hat (s. Erstmeldung), sorgt nun ein Medienbericht aus Polen für Aufregung. Laut Angaben der Zeitung Gazeta Wyborcza soll es eindeutige Hinweise darauf geben, dass das Geschoss aus dem Arsenal der ukrainischen Armee stammt.

Der Bericht steht zudem teils in Widerspruch zu den Angaben der Nato: Das Militärbündnis hatte laut einem Bericht des Magazins Business Insider erklärt, dass ein technischer Fehler die Selbstzerstörung der Rakete vom Typ „S-300“ verhindert habe. Deshalb sei die Rakete ungebremst auf polnischem Gelände eingeschlagen. Die Gazeta Wyborcza berichtete nun allerdings, die Rakete sei in der Luft explodiert, nachdem sie das Ziel verfehlte. Die Trümmerteile seien anschließend kurz hinter der polnisch-ukrainischen Grenze in der Ortschaft Przewodow eingeschlagen.

Dem Bericht der Gazeta Wyborcza nach sollen polnische Behörden relativ früh davon gewusst und die Informationen zurückgehalten haben. Anlass dessen war demnach, dass es noch keine Einschätzung der US-Regierung am Dienstagabend gab. Dies wurde unter anderem dadurch verstärkt, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Polen kommunizierte, dass es sich definitiv um eine russische Rakete handle. Laut Bericht soll Selenskyj geplant haben, die uneindeutige Lage für seine strategischen Ziele nutzen zu wollen. Dafür gibt es jedoch keinerlei Beweise. Dass Selenskyjs Äußerungen auch in Polen für Verunsicherung sorgten, zeigt auch, dass sich der polnische Präsident laut Bericht zurückhielt. Er wollte sich demnach bereits am Dienstagabend dazu äußern, dass es sich um eine ukrainische Rakete handle, wurde jedoch von Sicherheitsbehörden gebremst.

Konsultation und Bündnisfall: Das bedeuten Artikel 4 und 5 des Nato-Vertrages

Weiterhin heißt es von den Sicherheitsbehörden, dass die Ermittlungen zum tödlichen Raketeneinschlag in Polen noch laufen. Man wolle in den kommenden Tagen neue Einzelheiten nennen.

Erstmeldung vom 18.11.2022: Warschau – Weiterhin herrscht Unklarheit, was und wer tatsächlich hinter dem Raketeneinschlag in Polen steckt. Die Ermittlungen laufen noch. Allerdings werden immer mehr Details bekannt. Laut Angaben des polnischen Justizministers Zbigniew Ziobro wurden Trümmer eines Geschosses am Krater gefunden, welche auf das Flugabwehrsystem „S-300“ hinweisen. Sowohl die russische als auch die ukrainische Armee setzt dieses ein.

Die Nato geht einem Bericht zufolge nun von einem „tragischen Unfall“ aus. Wie das Magazin Business Insider berichtet, sei ein technischer Fehler die mögliche Ursache dafür. Statt die Flugabwehrrakete in der Luft per Fernsteuerung zu zerstören, sei die Rakete weitergeflogen – und auf polnischem Gelände eingeschlagen.

Raketeneinschlag in Polen: Ging Selbstzerstörung schief?

Laut Oberstleutnant Tanel Lelov, Inspekteur der Luftverteidigung von Nato-Mitglied Estland, ist eine Zerstörung der Rakete möglich: „Wenn die abgefeuerte Rakete ihr Ziel verfehlt oder innerhalb einer bestimmten Zeitspanne nicht trifft, zerstört sie sich in der Luft selbst“, sagte er dem estnischen TV-Sender ERR.

Raketeneinschlag in Polen
Polizeifahrzeuge fahren zu dem Ort, nach dem Einschlag einer Rakete nahe der Grenze zur Ukraine. © Evgeniy Maloletka / AP / dpa

Aus der Ukraine gibt es zu diesen Details bislang kein Statement. Präsident Wolodymyr Selenskyj revidierte jüngst lediglich seine Einschätzung, dass definitiv Russland hinter dem Raketeneinschlag in Polen stecke. Er berief sich am Mittwoch auf Berichte des ukrainischen Militärs. Der Kreml wiederum erklärte, Russland habe mit der Sache „nichts zu tun“. „Ich weiß nicht, was passiert ist. Wir wissen es nicht mit Sicherheit. Die ganze Welt weiß es nicht“, erklärte der Staatschef am Donnerstag. Dennoch sollen nun ukrainische Fachleute den Krater untersuchen. Sie sind Teil einer internationalen Untersuchung, die den Vorfall weiter aufklären soll.

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Die russische Regierung reagierte seinerseits mit Vorwürfen gegenüber dem Westen. „Wir verstehen, dass unsere Feinde nach einem Vorwand suchen, um den Druck zu erhöhen und dem Pfad der Eskalation zu folgen“, sagte der stellvertretende russische Außenminister Sergej Rjabkow der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Derzeit werde in einer „absurden und sturen“ Weise versucht, Russland die Schuld zuzuschieben.

Bei dem Raketeneinschlag in der südostpolnischen Ortschaft Przewodow nahe der Grenze zur Ukraine waren am Dienstag zwei Menschen getötet worden. (tu mit dpa/AFP)

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