Nichts als Lippenbekenntnisse der Politik?

Familienfreundlich? In deutschen Firmen hat sich kaum etwas getan

Berlin. In den meisten deutschen Unternehmen hat sich in Sachen Familienfreundlichkeit im vergangenen Jahr wenig getan. Das ist das Ergebnis einer Studie der Managementberatung A.T. Kearney.

An der waren 1771 Beschäftigte im Alter zwischen 25 und 55 Jahren beteiligt. Demnach gaben nur acht Prozent aller befragten Arbeitnehmer an, dass ihr Unternehmen in diesem Zeitraum familienfreundlicher geworden ist. Zugleich antworteten nur 38 Prozent, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei in ihrer Firma eine Selbstverständlichkeit.

Nach wie vor ließen viele Firmen außer Acht, dass sie von einem familienfreundlichen Umfeld selbst profitierten. „Das Ergebnis von Familienfreundlichkeit sind motivierte, loyale Mitarbeiter, die das Unternehmen weiterempfehlen“, sagte Martin Sonnenschein, Partner bei A.T. Kearney. Das sei in Zeiten von demografischem Wandel und Fachkräftemangel ein Schlüssel zum unternehmerischen Erfolg.

„Es muss für Mütter und Väter möglich sein, familienbedingte Auszeiten zu nehmen oder auch eine Zeit lang die Arbeitszeit zu reduzieren, ohne dass sie dadurch berufliche Nachteile befürchten müssen.“ Das sieht auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) so und schlägt nun eine 35-Stunden-Woche für Väter und Mütter vor.

„Wir müssen von Modellen wegkommen, bei denen der eine Partner Vollzeit arbeitet und der andere Teilzeit mit wenigen Stunden“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Durch die demografische Entwicklung fehlten künftig Millionen Arbeitskräfte. Derzeit arbeiteten in Deutschland zu viele Frauen in Teilzeit.

In der Kearney-Studie gaben nur zwölf Prozent der Arbeitnehmer mit Kindern oder Kinderwunsch an, ihr Arbeitgeber biete alle für sie wesentlichen Leistungen an. Von den übrigen 88 Prozent wünschten sich Frauen insbesondere eine Notfallbetreuung für ihre Kinder (51 Prozent), Betreuung in den Ferien (45 Prozent) sowie Auszeit- und Sonderurlaubsregelungen (33 Prozent). Männern fehlen spezielle Angebote für Väter und ebenfalls Notfallbetreuungsmöglichkeiten.

Von den befragten Müttern haben fast zwei Drittel Erfahrung mit Teilzeit gemacht, bei den Vätern hingegen nur sieben Prozent. Die Möglichkeiten, Tages- und Wochenarbeitszeiten individuell zu gestalten, nutzen ein Drittel der Mütter und etwa ein Viertel der Väter. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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