Soziale Netzwerke können Wahlen mitentscheiden - Keine Garantie für einen direkten Kontakt

Politiker entdecken Twitter - "Habe jetzt Hunger"

So twitterte die nordrhein-westfälische Spitzenkandidatin der SPD, Hannelore Kraft, über die Ostertage. Ein Auszug ihrer Beiträge auf twitter.de. Quelle: Twitter-Screen-Shot / HNA-Repro

Düsseldorf. Barack Obama hat es vorgemacht. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft macht es jetzt auch, die Piraten sowieso. Immer häufiger twittern und facebooken auch Politiker.

Knapp fünf Wochen vor den Neuwahlen in Nordrhein-Westfalen hat Hannelore Kraft das Twittern entdeckt: „Habe jetzt Hunger. Kurzes Mittagessen. Danach Pressestatement und Kabinett.“ Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin (SPD) mischt seit gut einer Woche bei Twitter mit. Sie gibt Einblicke in ihren Arbeitsalltag („16.30 zurück in Düsseldorf. In der Staatskanzlei wartet viel Arbeit“) und ins Private („Ein schneller Kaffee in Berlin. Draußen sitzen, Sonne genießen - einfach klasse.“) Doch was hat der Wähler davon?

„Twitter bietet die Möglichkeit, den Politikern auf die Schliche zu kommen“, sagt Kommunikations- und Medienwissenschaftler Prof. Gerhard Vowe von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. „Für mich als Wähler ist es eine Gelegenheit, mir die Person genauer anzugucken und mich zu vergewissern, in welchem Maße dieser Politiker mein Vertrauen verdient.“ Twitter sei eine Form der Meinungsbildung. Der Wähler könne sich unmittelbar mit dem Politiker austauschen und seine eigene Meinung bilden. Allerdings gibt es keine Garantie, dass sich hinter Twitter-Einträgen von „HK“ auch tatsächlich Hannelore Kraft verbirgt oder ob nur eine Sekretärin ihr ein wenig Arbeit abgenommen hat.

Authentisch bleiben

In Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) aktuell rund 3,9 Millionen Besucher auf Twitter. Ein Twitter-Besucher muss kein aktiver Twitterer sein. Ohne eigenes Konto kann er sich bei Twitter informieren und Diskussionen verfolgen.

Wie viele Menschen in Deutschland Twitter aktiv nutzen, ist nicht klar. Laut Vowe gibt es in Nordrhein-Westfalen rund 120 000 aktive Twitterer. Aber: „Allein in NRW nutzen fünf Millionen Menschen Facebook.“ Auch in diesem Netzwerk machen Politiker mit.

Umso folgenreicher ist es, wenn die potenziellen Wähler das Gefühl bekommen, dass ihnen ein Politiker etwas vorgaukelt. „Das kann schnell nach hinten losgehen“, sagt Thomas Jarzombek (CDU), Mitglied des Bundestags-Unterausschusses Neue Medien in Berlin. „Das Internet und die sozialen Netzwerke haben ihre eigene Dynamik“, sagt der Politiker, der selbst seit gut vier Jahren twittert.

Innerhalb kürzester Zeit werden Informationen verbreitet. Das könne man weder aufhalten noch beeinflussen. Deshalb sei es wichtig, authentisch zu bleiben. „Twitterer sind sehr aufmerksame und bewusste Internetnutzer“, sagt Jarzombek. Das bestätigt auch Vowe. Die meisten Twitter-Nutzer seien 30 Jahre und jünger. „Eine Generation, die mit Internet und Computer aufgewachsen ist“, sagt der Experte. „Sie sind gebildet, stehen stärker im Beruf und holen sich ihre Informationen aus dem Netz.“ Der Politiker bei Twitter sei gefordert, sich anders darzustellen, nämlich ehrlich. (dpa)

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