Politologe zum FDP-Erfolg: AfD keine Alternative für wirtschaftsliberale Wähler

Das Augenmerk vieler Beobachter ruht auf dem Erfolg der AfD. Doch fast unbemerkt kehrt auch eine alte Bekannte zurück: Die FDP schaffte nach Bremen und Hamburg im vergangenen Jahr jetzt auch den Einzug in weitere Landesparlamente. Dazu befragten wir den Politikwissenschaftler Oliver D'Antonio der Uni Kassel.Er hält die Rolle der AfD auch für einen Grund des FDP-Erfolgs bei den Landtagswahlen.

Wie erklären Sie sich den Erfolg der FDP bei den Landtagswahlen?

Oliver D’Antonio: Die Partei hat sich nach dem Rauswurf aus dem Bundestag 2013 einem Reinigungsprozess unterzogen, es gab viele Veränderungen, besonders auch personell. Außerdem ist die AfD keine Alternative mehr für wirtschaftsliberale Wähler, wie die der FDP. Durch den Rechtsruck der AfD und ihre aktuelle Positionierung gibt es gesellschaftspolitisch eine klare Abgrenzung zur FDP.

Warum hatte es die Partei in Sachsen-Anhalt schwerer als in den anderen Bundesländern?

D’Antonio: Das liegt sicherlich an der Struktur von Sachsen-Anhalt und daran, dass es zu einem der Krisenländer in Ostdeutschland gehört. Dort gibt es wenig mittelständische Strukturen und eine vergleichsweise hohe Arbeitslosigkeit, somit wenig Stammwähler der FDP. Außerdem ist die Parteienbindung bei den ostdeutschen Wählern geringer. Die FDP konnte also nicht auf treue Wähler hoffen.

Wie wichtig war der Erfolg der Partei auf dem Weg zur angestrebten Rückkehr in den Bundestag im nächsten Jahr?

D’Antonio: Landtagswahlen haben immer eine gewisse Signalwirkung. Trotzdem ist davon auszugehen, dass es bei der Bundestagswahl für die FDP knapp wird.

Die Partei hat bundesweit nicht viele Stammwähler. Es wird also auch eine Frage sein, wie sich der Spitzenkandidat - der vermutlich Christian Lindner sein wird - im Wahlkampf aufstellen wird und wie er wegkommen will vom Image der FDP als reine Steuersenkungspartei.

Wer wählt denn die FDP? Nur enttäuschte CDU-Wähler?

Politologe Dr. Oliver D’Antonio

D’Antonio: Im Südwesten von Deutschland besitzt die FDP eine solide Stammwählerschaft. Aber sicher haben bei den jetzigen Landtagswahlen auch Menschen die Partei gewählt, denen die CDU in der letzten Zeit zu weit nach links gerückt ist - vor allem im Hinblick auf Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Sicherlich gibt es auch Wähler, die sich für die FDP entschieden haben, weil ihnen die rechtspopulistische Positionierung der AfD einfach zu krass ist.

In welcher Nische von Wählern könnte sich die FDP längerfristig etablieren?

D’Antonio: Die FDP müsste erst einmal versuchen, ihren Wählerstamm im mittelständischen, selbstständigen Bereich zu erhalten. Die Partei wird in Zukunft aber auch darauf angewiesen sein, situativ durch Wahlkampf neue Wähler zu gewinnen - und das auch mit länderspezifischen Schwerpunkten bei ihrer Positionierung.

Zur Person: Der Politologe Dr. Oliver D’Antonio (38) lehrt seit 2014 an der Uni Kassel im Fachgebiet „Politisches System der BRD“. Nach einer Banklehre studierte der gebürtige Stuttgarter Politikwissenschaft, Soziologie und Journalistik in Leipzig und Grenoble. Er lebt in Göttingen, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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