Fragen und Antworten

Polizei hat illegale Autorennen im Visier

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Dramatischer Unfall: Bei einem illegalen Autorennen 2002 in Hamburg wurde der Fahrer schwer verletzt. Das Fahrzeug brannte aus.

Heulende Motoren, quietschende Reifen, und wenig später später hohe Sachschäden und Schwerverletzte: Die Polizei hat kontinuierlich mit illegalen Straßenrennen zu tun. Nicht immer werden nur die leichtsinnigen Fahrer verletzt. Vergangene Woche sind in Leverkusen und Köln Radfahrer durch Raser bei illegalen Rennen auf der Straße verletzt worden. Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle, wie ein Blick in das Nachrichtengeschehen zeigt.

Was sind illegale Straßenrennen?

Bei illegalen Straßenrennen messen sich zwei oder mehr Verkehrsteilnehmer wie bei einem Autorennen miteinander. Der Unterschied besteht darin, dass das Rennen im öffentlichen Straßenverkehr, meist zu später Stunde oder am Wochenende, stattfindet. Diese Veranstaltungen, zu denen teils auch Zuschauer kommen, sind nicht angemeldet. Die Fahrer rasen ohne Rücksicht auf Geschwindigkeit oder rote Ampeln durch die Städte.

Wo steht, dass solche Rennen verboten sind?

In der Straßenverkehrsordnung. Sie verbietet Rennen auf allen öffentlichen Wegen und Plätzen wie Autobahnen, Bundes- bis hin zu Kreisstraßen. Auch Rennen auf Privatwegen sind verboten, wenn sie dem öffentlichen Straßenverkehr uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Wie verbreitet sind solche Rennen?

Es gibt sie nicht selten. In Köln ist vor rund einer Woche ein Mann in einem Taxi gestorben, das in Folge eines Straßenrennens gerammt worden war. In Neubrandenburg kam es am Karfreitag offenbar zu einem großen illegalen Rennen. 1000 Personen hatten sich dazu an einer Tankstelle getroffen. In Ludwigshafen wurde im Februar eine Person bei einem Rennen leicht verletzt, in Hamburg wurde eine 82-Jährige von Rasern angefahren und verletzt.

In Niedersachsen wurden vor dem Karfreitag im Bereich der Polizeidirektion Göttingen in Northeim und Einbeck sowie Hannover Straßenrennen untersagt.

Im Einsatzbereich des Polizeipräsidiums Nordhessen ist die Polizei dringend auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, um unmittelbar gegen Rennen vorgehen zu können, teilt die Polizei auf Anfrage unserer Zeitung mit. In Kassel gab es zuletzt im Juli 2013 einen Raser-Unfall. Ein 24-Jähriger wurde bei einem Rennen überfahren und schwer verletzt.

Mit stationären und mobilen Geschwindigkeitskontrollen gehen die Beamten gegen die Fahrer vor und kontrollieren Fahrzeuge. Schwerpunkt in Hessen sei Frankfurt.

Was kann die Polizei gegen Raser und Veranstalter tun?

Wenn die Polizei von einem geplanten Rennen erfährt, versucht sie, Veranstalter und Teilnehmer über das Verbot und Bußgelder aufzuklären und die Rennen so zu verhindern. Wirkt das nicht, drohen für Veranstalter und Teilnehmer Bußgelder (siehe Hintergrund). Zusätzliche Verstöße wie das Überschreiten von Tempolimits, Missachtung von Überholverboten und ähnlichem kosten extra. Die Polizei kann Fahrzeuge und Führerscheine beschlagnahmen sowie Personen zur Gefahrenabwehr in Gewahrsam nehmen. Wer an einem Rennen teilnimmt, muss damit rechnen, dass die Versicherung für mögliche Schäden nicht bezahlt. Nur Opfer werden entschädigt; die Versicherungen holen sich das Geld von den Verursachern zurück.

Was ist der sogenannte Carfreitag?

Der Karfreitag wurde in der Autoszene zum „Carfreitag“ umgetauft. Nach offiziellen Informationen der Veranstalter steht der Austausch über die Leidenschaft zu Automobilen und legalem Tuning im Vordergrund. Unter sie mischen sich aber immer wieder schwarze Schafe, die dennoch Rennen fahren.

Hintergrund: Bußgeldkatalog wurde entschärft

Der Bußgeldkatalog wurde im vergangenen Jahr dem neuen Punktekatalog angepasst , die Bußgelder für illegale Straßenrennen wurden gesenkt. Fahrer, die bis April 2014 an Rennen teilgenommen haben, mussten 1000 Euro zahlen, seitdem 400 Euro. Beifahrer gelten als Mittäter und zahlen auch. Veranstalter mussten bisher 1000 Euro zahlen, jetzt mit 500 Euro nur noch die Hälfte. Ohne Erlaubnis ein Autotreffen zu veranstalten kostet 60 Euro und bringt einen Punkt in Flensburg.

Hintergrund: Illegale Straßenrennen schon seit den 30er-Jahren

Die Geschichte von Straßenrennen geht weit in die Geschichte zurück. Bereits in den 30er Jahren fuhren mit den damaligen Möglichkeiten getunte Autos, die Hot Rods, über die Straßen von Los Angeles und lieferten sich Ampelrennen.

Medien: Von den 30er Jahren über die 50er mit James Deans „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ bis zum heutigen Kinostreifen „Fast and Furious“ bleibt das Thema aktuell. Im Mittelpunkt steht immer die Frage, wer das schnellste Auto hat. Tödliche Unfälle nicht ausgeschlossen.

Leichtsinn: Die Allianz-Versicherung hat in einer Studie aktuelle Zahlen veröffentlicht. Sie belegen, dass jugendliche Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren die meisten Unfälle verursachen. Fast jeder vierte getötete Autofahrer fiel vergangenes Jahr in diese Altersgruppe – obwohl sie nur acht Prozent der Führerscheininhaber ausmachen.

Tempo: Fast die Hälfte der Unfälle der jungen Fahrer ist auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen. Die Fahrer kommen oft aus Eigenverschulden von der Fahrbahn ab.

Immer wieder Thema bei tödlichen Unfällen mit Jugendlichen ist der Sicherheitsgurt. Eine Auswertung der Allianz hat ergeben, dass mindestens 15 Prozent der 18 bis 24-Jährigen bei Unfällen nicht angeschnallt war. Die Fahrer und Beifahrer haben bei den hohen Kräften, die beim Aufprall wirken, keine Chance und werden teils aus dem Fahrzeug geschleudert.

Prävention: Polizei, Verkehrswachten und Automobilclubs haben das gemeinsame Ziel, die Unfallzahlen in dieser besonders gefährdeten Gruppe zu senken. Mit Präventionsaktionen wird insbesondere in Diskotheken versucht, die Fahrer zu sensibilisieren.

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