Verschärfung des Tattoo-Verbots

Polizei bald ohne Tätowierungen

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Könnten in Baden-Württemberg bald Geschichte sein: Tätowierungen, die von der Kleidung bedeckt sind, waren bislang für Polizeibeamte erlaubt. Das könnte sich mit einem neuen Erlass der Stuttgarter Landesregierung ändern.

Der neue Landespolizeipräsident von Baden-Württemberg Gerhard Klotter schlägt ein Tattoo-Verbot für Polizisten vor. Das hat er in der vergangenen Woche bei einer Präsentation vor dem rot-grünen Kabinett in Stuttgart zumindest angedeutet.

Tätowierungen sollen demnach generell verboten werden. Bislang sind verdeckte Tattoos erlaubt. Das baden-württembergische Innenministerium dementiert eine geplante Verschärfung des Verbots. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bleibt gelassen.

„Das wird immer wieder diskutiert, und zurzeit sind wir noch weit weg von einem Beschluss“, erklärte Rüdiger Seidenspinner, Landesvorsitzender der GdP Baden-Württemberg. Bei den Plänen Klotters gehe es auch nur um sichtbare Tätowierungen, etwa an den Unterarmen.

„Das wird immer wieder diskutiert, und zurzeit sind wir noch weit weg von einem Beschluss.“

„Davon wären ohnehin nur sehr wenige Kollegen betroffen, da die meisten, wenn überhaupt, nur an nicht sichtbaren Körperteilen tätowiert sind.“ Das sei erlaubt. Dass Beamte aufgrund von Tattoos den Dienst quittieren müssen, hält Seidenspinner für ausgeschlossen: „Dafür gibt es keine Rechtsgrundlage.“

In Hessen und Niedersachsen gibt es schon lange einschränkende Vorschriften für Tätowierungen, Piercings und Ohrringe. „Der Kleidererlass erlaubt Tattoos nur an nicht sichtbaren Stellen des Körpers“, erklärt GdP-Hessen-Geschäftsführer Bernd Kuske-Schmittinger. Darüber hinaus gehende Verbote seien nicht geplant. „Ein allgemeines Tattoo-Verbot wäre ein zu großer Eingriff in die Privatsphäre“, meint er. So sieht es auch sein Kollege Christian Hoffmann in Niedersachsen.

Der Sprecher des hessischen Innenministeriums sagte, die Einschränkungen seien „nicht apodiktisch“, also nicht kategorisch. Insbesondere für Piercings gelte aber, dass diese im Einsatz gefährliche Verletzungen hervorrufen könnten. Tattoos und Brandings dürften nicht sichtbar sein. Allerdings entscheiden die Vorgesetzten im Einzelfall. Ein Piercing im reinen Innendienst sei sicher weniger problematisch. Konflikte seien ihm nicht bekannt.

Im Innenministerium in Hannover wurde ein schon länger geltender Erlass im Juni den aktuellen Trends beim Körperschmuck angepasst. Abgesehen vom Auftritt eines Beamten gehe es hauptsächlich darum, eigene und Fremdverletzungen zu verhindern, wenn es mal zur Sache geht. Deshalb seien Piercings – anders als Tattoos – generell unzulässig, auch da, wo man sie nicht sieht, so eine Sprecherin.

Das ist auch wichtig zu wissen für junge Leute, die sich bei der Polizei bewerben wollen. Tätowierungen an Arm, Hals und Nacken sind laut GdP Hessen ein Ausschlusskriterium. „Dabei geht es besonders um Embleme und anzügliche Motive“, so Kuske-Schmittinger. Als Vertreter des Staates müssten Polizeibeamte auf Neutralität ihres äußeren Erscheinungsbildes achten.

Auch die Bundespolizei weist in ihren Bewerbungsbogen darauf hin, dass sichtbare Tattookunst nicht erlaubt ist. Laut Formular müssen die Bewerber die Kosten der Entfernung der Tätowierungen selbst tragen.

Von Jonathan Vorrath und Petra Wettlaufer-Pohl

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