Zelte zestört

Polizei stürmt Unabhängigkeitsplatz in Kiew: Barrikaden niedergerissen

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Polizisten stürmen den Unabhänigigkeitsplatz in Kiew.

Kiew. Die ukrainische Polizei hat den seit Tagen von Demonstranten besetzten Unabhängigkeitsplatz im Zentrum von Kiew gestürmt. In der Nacht zum Mittwoch umstellten tausende Mitglieder der Anti-Aufruhr-Einheit Berkut den Platz, rissen Barrikaden nieder und zerstörten die Zelte der Protestierenden.

Die tausenden auf dem Platz ausharrenden Demonstranten wurden mit Schilden abgedrängt.

Gewalt wandten die Sicherheitskräfte zunächst nicht an. Über Lautsprecherdurchsagen forderten Oppositionsführer die Demonstranten auf, sich nicht provozieren zu lassen. Der schwedische Außenminister Carl Bildt zeigte sich in einer Twitter-Mitteilung „sehr besorgt“ über die Ereignisse „auf und um den Maidan"-Platz.

Die Erstürmung des Platzes durch die Polizei erfolgte wenige Stunden, nachdem die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton das Zentrum der regierungskritischen Proteste in Kiew besucht hatte. Am Dienstagabend war Ashton Arm in Arm mit dem Oppositionsführer Arsenij Jazenjuk durch das Protestcamp gegangen und dabei von den Demonstranten jubelnd und mit „Europa!"-Rufen empfangen worden. Zuvor hatte sie EU-Außenbeauftragte Gespräche mit Staatschef Viktor Janukowitsch geführt.

Janukowitsch hatte Ende November die Vorbereitungen für ein lange geplantes Assoziierungsabkommen mit der EU überraschend gestoppt und damit Massenproteste ausgelöst. Die Opposition verlangt seinen Rücktritt, weil er das Land nicht wie gefordert zum Westen öffne, sondern stärker an Russland binde. Am Dienstag hatte Janukowitsch die Entsendung einer Delegation zu Beratungen mit der EU-Kommission nach Brüssel angekündigt. Zugleich warf er den Demonstranten in Kiew vor, die „nationale Sicherheit“ zu bedrohen.

Der ukrainische Oppositionspolitiker Vitali Klitschko hatte vor der Erstürmung des Platzes eine Fortsetzung der Demonstrationen in Kiew bis ins neue Jahr angekündigt. Die ukrainische Regierung setze in der Konfrontation mit der Opposition offenbar auf eine Ermüdungstaktik, schrieb Klitschko in einem Beitrag für die „Bild"-Zeitung (Mittwochausgabe): „Aber wir werden nicht gehen. Wir werden, wenn es notwendig ist, auch bis ins neue Jahr bleiben“. Auch durch „brutale Aktionen“ ließen sich die Demonstranten nicht einschüchtern. (AFP)

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